Autor:
Henning Mankell
Verlag:
dtv
Jahr:
2006
Seitenzahl:
476
ISBN:
9783423252607
Medium:
Taschenbuch
Sprache:
Deutsch
Zustandsbeschreibung
minimale Gebrauchsspuren
Beschreibung
Olof Lundin war übergewichtig, er hatte ein Rudergerät zwischen den Manuskriptstapeln stehen, die den Boden bedeckten, und einen Blutdruckmesser neben dem überfüllten Aschenbecher. Es war einer der heißesten Kämpfe in der Geschichte des Verlags gewesen, als die oberste Leitung in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Gewerkschaften, die im Hause vertreten waren, im Verlag ein absolutes Rauchverbot eingeführt hatte. Olof Lundin hatte sich strikt geweigert. Er hatte mitgeteilt, daß er mit sofortiger Wirkung kündigen würde, wenn er nicht weiterhin in seinem eigenen Zimmer rauchen dürfte. Da es einen Graphiker mit der gleichen Einstellung gab, dem die Erlaubnis verweigert wurde, hatte der Konflikt bis in die Chefetage geführt. Der Verlag, seit über hundert Jahren im Familienbesitz, war vor zehn Jahren überraschend an eine französische Ölgesellschaft verkauft worden. Die großen Gewinne aus den angolanischen Ölquellen, für die das Unternehmen die Nutzungsrechte besaß, sollten in die Medienbranche investiert werden. Die Direktoren der Ölgesellschaft hatten die Sache mit Olof Lundins Ablehnung des Rauchverbots auf ihren Tisch bekommen. Schließlich hatte man sich auf einen Kompromiß geeinigt, der darauf hinauslief, daß in seinem Zimmer eine starke Belüftungsanlage installiert wurde. Für die Kosten hatte er allerdings persönlich aufzukommen.
Jesper Humlin entfernte ein paar Manuskripte von einem Stuhl und nahm inmitten der Rauchschwaden Platz. In dem Zimmer war es eiskalt, da die Belüftungsanlage mit voller Kraft Luft von draußen ansog. Olof Lundin trug Mütze und Handschuhe.
-Wie verkauft sich das Buch?
-Welches von ihnen?
Jesper Humlin seufzte.
-Das letzte.
-Erwartungsgemäß.
-Was heißt das?
-Nicht so gut wie erwartet.
-Vielleicht könntest du dich etwas deutlicher ausdrücken?
-Wir erwarten nicht, daß sich eine Gedichtsammlung mit mehr als höchstens 1000 Exemplaren verkauft. Das entspricht unserer Erwartung. Bis heute haben wir von deinem letzten Buch 1100 Exemplare verkauft.
-Dann hat es sich also über Erwarten verkauft?
-Eigentlich nicht.
-Kannst du das erklären?
-Was verstehst du daran nicht?
-Wenn von einem Buch mehr verkauft wird, als ihr erwartet, kann das nicht bedeuten, daß es gleichzeitig die Erwartungen nicht erfüllt hat.
-Wir erwarten natürlich immer, daß unsere Erwartungen zu niedrig angesetzt sind.
Jesper Humlin schüttelte den Kopf und zog die Jacke enger um den Körper. Er fror. Olof Lundin schob ein paar Papierhaufen auf dem Schreibtisch beiseite, so daß er freie Sicht auf Jesper Humlin hatte.
-Wie geht es mit dem neuen Buch?
-Ich habe gerade erst eins veröffentlicht. Ich bin keine Fabrik.
-Wie geht es mit dem Buch, das du bald zu schreiben beginnen wirst?
-Das weiß ich nicht.
-Ich hoffe natürlich, daß es gut gehen wird.
-Das hoffe ich auch.
-Ich möchte dir gerne einen Rat geben.
-Welchen?
-Schreib es nicht.
Jesper Humlin starrte seinen Verleger an.
-Ist das dein Rat?
-Ja.
-Du meinst, ich soll das Buch nicht schreiben, von dem du hoffst, daß ich gut damit vorankommen werde?
Olof Lundin zeigte vielsagend zur Decke.
-Die Direktoren sind besorgt.
-Soll ich vielleicht eine Gedichtsammlung über Öl schreiben?
-Mach dich nur lustig. Aber ich habe sie dauernd am Hals. Sie wollen einen besseren Ertrag sehen.
-Was bedeutet das?
-Ein Buch, das sich nicht garantiert in mindestens 50000 Exemplaren verkauft, sollte nicht veröffentlicht werden.
Jesper Humlin staunte.
-Wie viele von den Büchern, die du publizierst, verkaufen sich in 50000 Exemplaren?
-Keines, antwortete Olof Lundin munter.
-Wird der Verlag also seine Tätigkeit einstellen?
-Keineswegs. Vielmehr werden wir anfangen, Bücher zu publizieren, die sich in 50000 Exemplaren verkaufen.
...
Jesper Humlin entfernte ein paar Manuskripte von einem Stuhl und nahm inmitten der Rauchschwaden Platz. In dem Zimmer war es eiskalt, da die Belüftungsanlage mit voller Kraft Luft von draußen ansog. Olof Lundin trug Mütze und Handschuhe.
-Wie verkauft sich das Buch?
-Welches von ihnen?
Jesper Humlin seufzte.
-Das letzte.
-Erwartungsgemäß.
-Was heißt das?
-Nicht so gut wie erwartet.
-Vielleicht könntest du dich etwas deutlicher ausdrücken?
-Wir erwarten nicht, daß sich eine Gedichtsammlung mit mehr als höchstens 1000 Exemplaren verkauft. Das entspricht unserer Erwartung. Bis heute haben wir von deinem letzten Buch 1100 Exemplare verkauft.
-Dann hat es sich also über Erwarten verkauft?
-Eigentlich nicht.
-Kannst du das erklären?
-Was verstehst du daran nicht?
-Wenn von einem Buch mehr verkauft wird, als ihr erwartet, kann das nicht bedeuten, daß es gleichzeitig die Erwartungen nicht erfüllt hat.
-Wir erwarten natürlich immer, daß unsere Erwartungen zu niedrig angesetzt sind.
Jesper Humlin schüttelte den Kopf und zog die Jacke enger um den Körper. Er fror. Olof Lundin schob ein paar Papierhaufen auf dem Schreibtisch beiseite, so daß er freie Sicht auf Jesper Humlin hatte.
-Wie geht es mit dem neuen Buch?
-Ich habe gerade erst eins veröffentlicht. Ich bin keine Fabrik.
-Wie geht es mit dem Buch, das du bald zu schreiben beginnen wirst?
-Das weiß ich nicht.
-Ich hoffe natürlich, daß es gut gehen wird.
-Das hoffe ich auch.
-Ich möchte dir gerne einen Rat geben.
-Welchen?
-Schreib es nicht.
Jesper Humlin starrte seinen Verleger an.
-Ist das dein Rat?
-Ja.
-Du meinst, ich soll das Buch nicht schreiben, von dem du hoffst, daß ich gut damit vorankommen werde?
Olof Lundin zeigte vielsagend zur Decke.
-Die Direktoren sind besorgt.
-Soll ich vielleicht eine Gedichtsammlung über Öl schreiben?
-Mach dich nur lustig. Aber ich habe sie dauernd am Hals. Sie wollen einen besseren Ertrag sehen.
-Was bedeutet das?
-Ein Buch, das sich nicht garantiert in mindestens 50000 Exemplaren verkauft, sollte nicht veröffentlicht werden.
Jesper Humlin staunte.
-Wie viele von den Büchern, die du publizierst, verkaufen sich in 50000 Exemplaren?
-Keines, antwortete Olof Lundin munter.
-Wird der Verlag also seine Tätigkeit einstellen?
-Keineswegs. Vielmehr werden wir anfangen, Bücher zu publizieren, die sich in 50000 Exemplaren verkaufen.
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Schlagworte
k.A.







