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Kuchen backen in Kigali - Gaile Parkin

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Beitrag
erstellt am
Benno1807

Benno1807

(3984 Beiträge)

BineL: aufgrund der Leseprobe hätte ich das Buch auch nicht gelesen. Aber nachdem ich dann angefangen hatte und über den Teil der Leseprobe hinaus war, war ich total begeistert!
17.07.2009 07:55:29
silkedb

silkedb

(17071 Beiträge)

Genau so ging es mir auch!
Eine wirlich positive Überraschung ...


Jetzt sind wir alle Banyarwanda

Inhalt:
Angel Tungaraza lebt mit ihrem Mann und ihren fünf Enkelkindern in Kigali, der Hauptstadt von Ruanda. Ursprünglich stammt die Familie aus Tansania, doch nach dem Bürgerkrieg zieht es sie wie viele andere in das Nachbarland um beim Wiederaufbau zu helfen und sich mit den Zuschlägen für die Arbeit in einem Nachkriegsland ihr Leben zu finanzieren. Eigentlich dachte Angel, dass die Zeiten der Kindererziehung hinter ihr liegen würden, doch nach dem Tod ihres Sohnes und ihrer Tochter ist sie nun für eine ganze Kinderschar die Mutter. So ist es auch der Name Mama-Grace, nach ihrer ältesten Enkelin, unter dem sie die Nachbarn und Freunde kennen.
Doch Angel ist nicht nur Mutter, sie hat ihr eigenes Gewerbe gegründet.
Sie entwirft und bäckt Kuchen, zu jedem nur erdenklichen Anlass. Jeder neue Auftrag beginnt mit einem langen Gespräch und so wird bei Milchtee nicht nur der Kuchen, sondern auch die Lebensgeschichte der Kunden besprochen. Angel hört zu, berät und hilft. Die vielen unterschiedlichen Schicksale helfen ihr schließlich auch, die eigene Familiengeschichte noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Meine Meinung:
"Kuchen backen in Kigali" ist ein sehr ungewöhnliches, farbenprächtiges, aber auch nachdenklich machendes Buch, das mir sehr gut gefallen hat.
Ruanda ist noch stark vom Bürgerkrieg gezeichnet und auch wenn die Menschen sagen, dass sie jetzt alle Banyarwanda (= Einwohner von Ruanda) sind, so ist der Bürgerkrieg und die Trennung in Hutu und Tutsi noch lange nicht vergessen. Doch Angel selber stammt nicht aus Ruanda, sondern aus Tansania. So versteht sie zwar die afrikanische Mentalität und teilt Geschmack und Denkweise mit den Banyarwanda, doch gleichzeitig hat sie auch eine Distanz zu den Geschehnissen während des Krieges. Ihre Kunden und Freunde wissen, dass Angel wie sie selber sagt "eine professionelle Person ist und sich mit Verschwiegenheit auskennt". So werden Angel viele Geschichten anvertraut. Mal sind es sehr traurige Erlebnisse, Erzählungen von Familien die auseinander gerissen wurden und Menschen die gestorben sind. Doch oft berichten sie auch von Hoffnung und Versöhnung, sowie dem Wunsch, die schrecklichen Kriegsjahre hinter sich zu lassen.
Angel bringt mit ihren Kuchen Farbe in einen oft tristen Alltag, kein Ereignis ist zu unwichtig um es nicht mit einem ihrer Kuchen zu feiern.
"Kuchen backen in Kigali" hat mir eine Welt eröffnet, die ich noch nicht kannte. Als Europäer bekommt man von Afrika und im speziellen von Ruanda nicht viel mehr mit, als in der Presse berichtet wird. Wie die Menschen in einer Großstadt nach dem Bürgerkrieg leben, was ihren wichtig ist, wie ihre Traditionen aussehen und wie mit der Nachkriegssituation im Alltag umgegangen wird ist etwas, dass in den Berichterstattungen nicht auftauchte. Auf leichte Art hat Gaile Parkin mit ihrem Buch so einige Informationslücken geschlossen. Doch unabhängig von dem informativen Charakter des Romans bringt Angel eine sehr lebensfrohe Energie rüber, die mich gerne an ihrem Alltag und den täglichen Begegnungen teilhaben ließ. Ihre kleinen und größeren Sorgen, aber auch ihre Freude an ihrem Beruf, ihrer Familie und der gesamten Wohngemeinschaft machen "Kuchen backen in Kigali" zu etwas ganz besonderem.

Fazit:
Vielen Dank Angel, dass ich mit Dir Kuchen backen durfte.
19.08.2009 14:32:49
rebellyell666

rebellyell666

(25 Beiträge)

Zum Inhalt:

Angel ist eigentlich Tansanierin und lebt mit ihrem Mann Pius und ihren Enkelkindern an der Grenze dieses Landes. Da ihr Sohn und ihre Tochter bereits tot sind, muss sie Ersatzmutter spielen und bekommt das sehr gut in den Griff. Ihr geht nichts über die Familie. Sie ist die berühmte Kuchenbäckerin im Dorf und hat die interessantesten Kunden, die es aus aller Welt nach Afrika, nach Kigali, verschlagen hat. Durch ihre eleganten und gar nicht bohrenden Fragetechnicken entlockt sie selbst dem Verstocktesten dessen Lebensgeschichte. Und wie es der Zufall so will, ist Angel, auch Mama-Grace genannt, plötzlich alles: Mutter, Großmutter, Brautmutter, Zuhörerin, Kupplerin und die gute Seele.

Meine Meinung:

Asante sana (Vielen Dank!) für dieses wunderbare und schöne Buch. Gaile Parkin hat einen echten Geheimtipp verfasst und mir Afrika noch näher gebracht. Da mein Vater bereist 2 mal dorthin gereist ist, weiß ich, wie die Lebensumstände in diesem Land sind. Wir nehmen prophylaktisch Tabletten gegen Malaria, die Einheimischen betrachten es eher als schlimme Grippe. Wir werden von Kondom- und Aidsschutzkampagnen erschlagen (nicht negativ gemeint), und bei denen ist es nur eine Frage der Zeit, wann man positiv ist. Es wird sogar als Beleg für eine Heirat verwendet, wenn man kein Aids hat.

Angel lernt die unterschiedlichsten Leute kennen und ich muss sagen, dass ihr auch alles erzählt hätte, was es mit meinem Werdeging auf sich hat. Hervorzuheben ist, dass sie, bevor sie den Besuchern, die einen Kuchen bestellen möchten, die jeweilige Information entlockt, erst einmal Tee (für Amerikaner auch Kaffee) aufsetzt und selbst gebackenes präsentiert. Fehlen darf hier auch nicht das Fotoalbum mit den bereits verkauften Kuchen. Ich konnte mir diese so wunderbar bildlich vorstellen, dass ich gar nicht mehr weg wollte aus der Siedlung. Angel verkuppelt Leute, ohne es anzudeuten und sorgt dafür, dass Leute, die gar keinen mehr haben, jemanden lieben lernen. Oft habe ich mich gewundert und gedacht: Achso, jetzt sind die und die nun zusammen und nicht die und die. Sehr schön, dass Mama-Grace anderen Leuten, selbst den Straßenkindern hilft.

Straßenkinder. Aids. Malaria. Wachen vor der Siedlung. Freiwillige. Ausländer...Schattenseiten in Afrika gibt es nicht zu knapp und auch dies wird eingehend von Parkin geschildert. Es ist nicht nur ein Schocker, sondern rüttelt auch wach. Man fragt sich doch immer wieder, wo die Gelder hingehen. Die Leute können zum Teil nicht lesen und schreiben, können sich hier auch selber aber nicht helfen. Dies muss dann eine Amerikanerin übernehmen. Es muss mehr Leute wie Angel geben, die super intelligent sind, sich einfach ausdrücken können und die Welt einfach ein bisschen besser machen möchten.

Fazit: Wunderbare Charaktere, eine liebevolle und intelligente Angel und eine schöne Story runden "Kuchen backen in Kigali" ab. Ich könnte mir vorstellen, dieses Buch öfter zu lesen, damit die Erinnerung an solche Menschen wie Angel nicht vergehen. Ein Geheimtipp in diesem Jahr! Hervorzuheben ist besonders die Umschlag- und Einbandgestaltung, die farblich aufeinander abgestimmt ist und knallig daher kommt.

5 von 5 Sternchen!
20.08.2009 10:43:07
Feelicitas

Feelicitas

(25513 Beiträge)

ich konnte es gerade ertauschen und freu mich schon drauf :-)
20.08.2009 10:44:07
Muehleneule

Muehleneule

(9226 Beiträge)


Mein Gedanke, als ich den Titel zum ersten Mal gelesen habe, war:

Dann gibt es demnächst sicher auch Bücher mit den Titeln

- Wolle waschen auf Wangerooge
- Tee trinken in Tauberbischofsheim
- Hexen flexen in Sachsen

Der Titel hat mich dermaßen abgeschreckt, daß ich mir nicht annähernd vorstellen kann, dieses Buch jemals zu lesen.

20.08.2009 10:48:53
esra05

esra05

(259 Beiträge)

"Hexen flexen in Sachsen" - ich wisch mir noch die Lachtränen weg und möchte das Buch sofort lesen, wenn es auf den Markt kommt!

Zu "Kuchen backen in Kigali" kann ich nur sagen: toll! War anfangs eher skeptisch und dann glattweg überzeugt, dass es sich lohnt, dieses Buch zu lesen.
Und wie alle hier, würde ich am liebsten sofort zusammen mit Angel ein Kuchenbestellformular ausfüllen und mir neuen Stoff für ein Kleid aussuchen und, und, und....
20.08.2009 14:19:11
monja1995

monja1995

(33782 Beiträge)

Trotzdem ein schönes Leben

Handlung:

Angel lebt mit ihrem Mann Pius und ihren fünf Enkelkindern, deren Eltern auf tragische Weise starben in einer kleinen bewachten Wohnanlage in Kigali. Um ihr Haushaltsgeld aufzubessern, bietet sie ihre Dienste als Bäckerin allerfeinster Kuchen und Torten an. Auf diese Weise lernt sie sehr viele Menschen und durch ihre Vertrauenswürdigkeit auch deren Leben kennen und schaut, dass sie überall helfen kann wo es ihr möglich ist. Sie stiftet Frieden unter den Nachbarn, findet nette Worte, wenn es jemandem schlecht geht und stellt sich als Brautmutter für eine verwaiste junge Frau zur Verfügung, deren Hochzeit sie in allen Punkten durchorganisiert.

Die Autorin:

Gaile Parkin schreibt sehr emotional, jedoch ohne auf die Tränendrüse zu drücken. Sie beschreibt Afrika von einer Seite, wie sie ein Europäer wahrscheinlich nicht entdecken würde. Auch sind ihr in ihrem Buch die Menschen mit all ihren Gefühlen, Sorgen und auch ihren Freuden ganz wichtig. Ihr Schreibstil ist relativ einfach gehalten und leicht zu lesen, da sie sehr lebhaft schreibt und beschreibt, fesselt sie den Leser an dieses Buch, wie es wenige können. Gaile Parkin bringt durch ihre Art zu schreiben sicher viele Menschen ins Grübeln.
Afrika, ein von Bürgerkrieg, Krankheiten wie AIDS, Hunger und Armut gebeuteltes Land. Gerade aus diesem Grund fand ich es so schön, wie Gaile Parkin beschreibt, dass auch in solchen Ländern jeder seines Glückes Schmied ist. Sehr gefühlvoll geht sie auf die einzelnen Akteure ein, beschreibt ihr Leben, ihren Kummer und die Sorgen, aber hauptsächlich zeigt sie, dass mit starkem Willen und einer positiven Einstellung zum Leben, auch dort ein Leben mit viel Liebe und Freude möglich ist.

Mein Eindruck:

Ich las dieses Buch mit Freude, mir wurde es nie langweilig und ich fand es schade, dass es irgendwann dann doch ein Ende nahm.
Schön wäre es, wenn es dazu irgendwann die eine oder andere Fortsetzung geben würde. Mich würde interessieren wie es mit Angel und Pius weitergeht, wie sich ihre Enkelkinder entwickeln und was aus ihnen wird.
Es ist ein Buch, das ich jedem nur ans Herz legen kann.

29.08.2009 22:29:44
harakiri

harakiri

(47345 Beiträge)





Zuckersüß



Kuchen backen in Kigali entführt uns nach Afrika. Angel backt Kuchen, aber keine normalen, sondern Besondere. Immer speziell abgestimmt auf den Empfänger. Bei Tee und Gebäck werden die Bestellungen aufgenommen und nebenbei noch die Probleme und Sorgen der Besteller besprochen.



Das Buch hat mir sehr sehr gut gefallen. Ist leichte Lektüre, bisschen wie die Hector-Reihe. Man hat Probleme, spricht darüber und es findet sich eine Lösung. Aber soo einfach hat es sich die Autorin dann doch nicht gemacht. Der Roman ist einfach nur schön geschrieben, auch der Humor kommt nicht zu kurz, z.B. wenn das Sprachenproblem dazu führt, dass jemand Kondome statt Kardamom beim Nachbarn borgen muss.



Ich bin mir sicher, dieses Buch werde ich noch lange in Gedanken bei mir tragen, auch wenn sich das jetzt kitschig anhört.

15.09.2009 12:57:12
Spatzi79

Spatzi79

(12833 Beiträge)

Mal was anderes!

Ich als Krimi-Leserin stand dem Buch erst recht kritisch gegenüber, die Leseprobe überzeugte mich auch nicht wirklich, trotzdem habe ich dem Buch nun eine Change gegeben und wurde wirklich positiv überrascht!

Auf sehr warmherzige Art erzählt Gaile Parkin vom Leben der Kuchenbäckerin Angel. Angel und ihr Mann leben in Kigali, in einem Wohnblock, mit vielen skurrilen Gestalten. Da ihre beiden Kinder tot sind, müssen sich Angel und ihr Mann Pius um die 5 Enkelkinder kümmern.

Obwohl sie durch den Krieg und Völkermord in Ruanda viele Schicksalsschläge erlitten haben, ist Angel von grundauf eine positive Person, die immer versucht etwas Gutes in den vielen Geschichten zu finden, die ihr ihre vielen Kunden erzählen.

Jeder Kuchen-Interessent wird erstmal auf einen Tee eingeladen und dann ergibt es sich immer, dass sie Angel ihre Geschichte erzählen. Angel hört sich die Geschichten immer an, ohne eine Wertung abzugeben und schafft es mit viel geschick und Diplomatie auch oft, die Geschicke der Menschen etwas zu lenken, sei es dass sie 2 einsame Menschen zusammenbringt, sei es dass sie für eine elternlose junge Frau als "Brautmutter" die Hochzeit organisiert - Angel ist einfach die gute Seele des Wohnblocks und des ganzen Viertels!
18.09.2009 10:42:40
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