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Das München-Komplott, Wolfgang Schorlau
Beitrag
erstellt am
(780 Beiträge)
Nach einiger Zeit habe ich mich mal wieder an einen Krimi gewagt und wurde nicht enttäuscht. Da reizen die anderen Bücher des Autors schon sehr. Hier mal meine Meinung:
Der ehemalige BKA-Mitarbeiter, und heutiger Privatermittler, Georg Dengler bekommt vom BKA die alten Ermittlungsakten des Attentates auf dem Münchener Oktoberfest 1980.
Erst skeptisch, was er mit dem alten Fall soll, liest er sich durch die Akten, und nach und nach ergeben sich Ungereimtheiten in den Ermittlungen. Erst widerwillig, doch dann auch persönlich betroffen, taucht Dengler weiter ein in den politischen und geheimdienstlichen Sumpf von nationalen und internationalen Interessen, die unfassbar zu sein scheinen.
Allein der Text von Pier Paolo Pacoline am Anfang des Buches ist schon sehr denkwürdig. Das Nachwort des Autors fand ich sehr gut, die Erklärung wie es zu diesem Roman kam und was auf Tatsachen beruht. So wird dieses Attentat wenigstens wieder in Erinnerung gerufen die Leiden der unschuldigen Opfer aus der Vergessenheit geholt. Die Figuren und Handlung sind frei erfunden, doch wie viel Wahrheit steckt dahinter? Wie weit werden wir alle von einer stillen Macht manipuliert? Wie es sein könnte wird dem Leser in diesem Roman sehr gut vor Augen geführt und es macht einen fassungslos, auch wenn vielleicht einiges schon immer geahnt wurde.
Der Roman hat mir sehr gut gefallen. Der Handlungsaufbau, mit relativ kurzen Kapiteln, treibt die Geschichte gut voran. Die Informationen, Schauplatzwechsel kommen genau an den richtigen Stellen. Dazu noch gute Hintergrundinformationen, wie dem Field Manuel, runden diesen Politkrimi ab. Ich habe selten so einen guten, mit wahren Hintergründen, Krimi gelesen, der auch noch in Deutschland spielt, gut recherchiert ist und so zum Nachdenken bringt. Für mich ein absolut empfehlenswertes Buch, und ich hoffe, dass der Autor so weiter macht.
Der ehemalige BKA-Mitarbeiter, und heutiger Privatermittler, Georg Dengler bekommt vom BKA die alten Ermittlungsakten des Attentates auf dem Münchener Oktoberfest 1980.
Erst skeptisch, was er mit dem alten Fall soll, liest er sich durch die Akten, und nach und nach ergeben sich Ungereimtheiten in den Ermittlungen. Erst widerwillig, doch dann auch persönlich betroffen, taucht Dengler weiter ein in den politischen und geheimdienstlichen Sumpf von nationalen und internationalen Interessen, die unfassbar zu sein scheinen.
Allein der Text von Pier Paolo Pacoline am Anfang des Buches ist schon sehr denkwürdig. Das Nachwort des Autors fand ich sehr gut, die Erklärung wie es zu diesem Roman kam und was auf Tatsachen beruht. So wird dieses Attentat wenigstens wieder in Erinnerung gerufen die Leiden der unschuldigen Opfer aus der Vergessenheit geholt. Die Figuren und Handlung sind frei erfunden, doch wie viel Wahrheit steckt dahinter? Wie weit werden wir alle von einer stillen Macht manipuliert? Wie es sein könnte wird dem Leser in diesem Roman sehr gut vor Augen geführt und es macht einen fassungslos, auch wenn vielleicht einiges schon immer geahnt wurde.
Der Roman hat mir sehr gut gefallen. Der Handlungsaufbau, mit relativ kurzen Kapiteln, treibt die Geschichte gut voran. Die Informationen, Schauplatzwechsel kommen genau an den richtigen Stellen. Dazu noch gute Hintergrundinformationen, wie dem Field Manuel, runden diesen Politkrimi ab. Ich habe selten so einen guten, mit wahren Hintergründen, Krimi gelesen, der auch noch in Deutschland spielt, gut recherchiert ist und so zum Nachdenken bringt. Für mich ein absolut empfehlenswertes Buch, und ich hoffe, dass der Autor so weiter macht.
27.11.2009 12:19:50
(5984 Beiträge)
Das dürfte dann der 5. Fall Denglers sein ?
Die anderen sind nur zu empfehlen !
1. Die blaue Liste - Treuhand
2. Das dunkle Schweigen - NS-Vergangenheit
3. Fremde Wasser - Ausverkauf kommunaler Wasserwerke
4. Brennende Kälte - Afghanistan
Es beschleicht einen beim Lesen das Gefühl, daß diese Bücher zur Pflichtliteratur in der Politik erklärt werden sollten.
Die anderen sind nur zu empfehlen !
1. Die blaue Liste - Treuhand
2. Das dunkle Schweigen - NS-Vergangenheit
3. Fremde Wasser - Ausverkauf kommunaler Wasserwerke
4. Brennende Kälte - Afghanistan
Es beschleicht einen beim Lesen das Gefühl, daß diese Bücher zur Pflichtliteratur in der Politik erklärt werden sollten.
27.11.2009 17:27:48
(780 Beiträge)
Ja, es ist Denglers fünfter Fall. Ich überlege schon, mir wenigstens ein Buch von den vorherigen Fällen zuzulegen, den ich fand das München-Komplott wirklich klasse.Schon bei der Leseprobe habe ich mich gefragt, ob man diese ganzen Machenschaften wirklich wissen will.
27.11.2009 22:57:31
(12941 Beiträge)
Ich habe alle Schorlaus gelesen und kann euch wärmstens "Fremde Wasser" empfehlen - so viele Aha-Erlebnisse hatte ich selten bei einem Buch ;)
28.11.2009 05:52:33
(24338 Beiträge)
Ich habe das Buch heute fertig gelesen und bin begeistert :-)
Hier meine Rezi.
Hier meine Rezi.
28.11.2009 12:13:22
(24338 Beiträge)
Rostschutz schützt vor Rost, der Verfassungsschutz schützt vor?
Georg Dengler, früher beim BKA angestellt, heute als Privatermittler tätig, soll den Fall des Attentats auf das Oktoberfest noch einmal aufrollen, obwohl das schon fast 30 Jahre zurückliegt. Er geht die Akten durch, und die Bilder, die sie heraufbeschwören, verfolgen ihn: abgerissene Arme, Beine und Köpfe, schreiende Menschen überall. Schnell begreift er, dass bei den Ermittlungen damals einiges vertuscht wurde. Wichtige Zeugen starben zufällig an Herzversagen, Beweismittel werden offiziell in dem Moment vernichtet, wo Dengler sie haben will. Je mehr er in dem Fall voran kommt, desto größer ist die Gefahr, in der er schwebt. Denn sein Gegner ist mächtig.
In einem zweiten Handlungsstrang lernen wir die Staatssekretärin Charlotte von Schmoltke kennen, die sich immer mehr wie eine Marionette fühlt. Sie möchte ein Verbot der NPD erreichen, kann sich aber nicht durchsetzen, da der Verfassungsschutz hier auch noch mitmischt.
Schorlau spart nicht mit Kritik an den Politikern. Sein Roman hat ganz aktuelle Bezüge wie Finanzkrise und Schweinegrippe oder der Fall eines Mannheimer Müllmanns und ist schon allein deshalb recht interessant. Vom Stil her ist er sehr leicht zu lesen. Obwohl die Sprache für mich etwas distanziert klingt, kann man sich gut in die Protagonisten einfühlen. Die Kapitel sind sehr kurz. Häufige Szenenwechsel lassen die Geschichte kurzweilig wirken.
Wolfgang Schorlau hat in diesem Polit-Krimi auf geniale Art Realität und Fiktion miteinander verwoben. Doch auch bei den erfundenen Teilen kann man sich nicht wirklich sicher sein, ob es nicht so oder so ähnlich passiert ist oder einmal passieren könnte. Ich kann es mir jedenfalls vorstellen, und das macht mir Angst.
Dies war mein erstes Buch von Wolfgang Schorlau, aber bestimmt nicht mein letztes. Der Roman ist in sich abgeschlossen, man muss also die Vorgängerbücher nicht gelesen haben.
Georg Dengler, früher beim BKA angestellt, heute als Privatermittler tätig, soll den Fall des Attentats auf das Oktoberfest noch einmal aufrollen, obwohl das schon fast 30 Jahre zurückliegt. Er geht die Akten durch, und die Bilder, die sie heraufbeschwören, verfolgen ihn: abgerissene Arme, Beine und Köpfe, schreiende Menschen überall. Schnell begreift er, dass bei den Ermittlungen damals einiges vertuscht wurde. Wichtige Zeugen starben zufällig an Herzversagen, Beweismittel werden offiziell in dem Moment vernichtet, wo Dengler sie haben will. Je mehr er in dem Fall voran kommt, desto größer ist die Gefahr, in der er schwebt. Denn sein Gegner ist mächtig.
In einem zweiten Handlungsstrang lernen wir die Staatssekretärin Charlotte von Schmoltke kennen, die sich immer mehr wie eine Marionette fühlt. Sie möchte ein Verbot der NPD erreichen, kann sich aber nicht durchsetzen, da der Verfassungsschutz hier auch noch mitmischt.
Schorlau spart nicht mit Kritik an den Politikern. Sein Roman hat ganz aktuelle Bezüge wie Finanzkrise und Schweinegrippe oder der Fall eines Mannheimer Müllmanns und ist schon allein deshalb recht interessant. Vom Stil her ist er sehr leicht zu lesen. Obwohl die Sprache für mich etwas distanziert klingt, kann man sich gut in die Protagonisten einfühlen. Die Kapitel sind sehr kurz. Häufige Szenenwechsel lassen die Geschichte kurzweilig wirken.
Wolfgang Schorlau hat in diesem Polit-Krimi auf geniale Art Realität und Fiktion miteinander verwoben. Doch auch bei den erfundenen Teilen kann man sich nicht wirklich sicher sein, ob es nicht so oder so ähnlich passiert ist oder einmal passieren könnte. Ich kann es mir jedenfalls vorstellen, und das macht mir Angst.
Dies war mein erstes Buch von Wolfgang Schorlau, aber bestimmt nicht mein letztes. Der Roman ist in sich abgeschlossen, man muss also die Vorgängerbücher nicht gelesen haben.
28.11.2009 12:14:36
(5984 Beiträge)
Nein, das ist richtig: man _muß_ sie nicht gelesen haben, aber es hilft ungemein, die Entwicklung Denglers nachzuvollziehen. Man versteht vieles private besser.
28.11.2009 13:25:17
(24338 Beiträge)
Ja, das glaube ich gerne, aber ich hatte wirklich beim Lesen nicht das Gefühl, dass mir irgendwelche Infos fehlen. Von daher war das für mich schon in Ordnung.
28.11.2009 21:43:09
(5306 Beiträge)
Georg Dengler, früher beim BKA und jetzt Privatermittler, bekommt den Auftrag die Geschehnisse des Attentates auf dem Oktoberfest von 1980 nachzuprüfen, bei dem 13 Menschen starben und 200 Menschen verletzt wurden. Jetzt, 30 Jahre später, erinnert er sich an die Zeit von damals und überlegt den Fall anzunehmen.
Im zweiten Erzählstrang wird von der Staatsekretärin Frau von Schmoltke erzählt, die mit großen Erwartungen an ihre Arbeit ging als sie diesen Posten annahm. Jetzt jedoch fühlt sie sich als Sprechpuppe bei den alltäglichen politischen und menschlichen Tragödien, mit denen sie täglich zu tun hat.
Ein sehr interessanter politischer Krimi. Die einzelnen Kapitel sind sehr kurz gehalten und dadurch hatte man als Leser das Gefühl ganz nah dabei zu sein. Spannend und intrigenreich wurde hier Fiktion und Realität miteinander verwoben. Obwohl es der 5. Fall von Dengler war ist die Geschichte in sich abgeschlossen und macht mich neugierig auf die anderen Bücher und deren sicher genauso interessanten Geschichten.
Im zweiten Erzählstrang wird von der Staatsekretärin Frau von Schmoltke erzählt, die mit großen Erwartungen an ihre Arbeit ging als sie diesen Posten annahm. Jetzt jedoch fühlt sie sich als Sprechpuppe bei den alltäglichen politischen und menschlichen Tragödien, mit denen sie täglich zu tun hat.
Ein sehr interessanter politischer Krimi. Die einzelnen Kapitel sind sehr kurz gehalten und dadurch hatte man als Leser das Gefühl ganz nah dabei zu sein. Spannend und intrigenreich wurde hier Fiktion und Realität miteinander verwoben. Obwohl es der 5. Fall von Dengler war ist die Geschichte in sich abgeschlossen und macht mich neugierig auf die anderen Bücher und deren sicher genauso interessanten Geschichten.
30.11.2009 21:51:06
(6710 Beiträge)
Was ist damals vor dreißig Jahren wirklich passiert? War es wirklich nur ein Einzeltäter, wie das BKA immer behauptet hat? Oder wurde damals absichtlich bei den Ermittlungen geschlampt? Georg Dengler bekommt in seinem fünften Fall den Auftrag, die Hintergründe des größten Bombenattentates in Deutschland neu aufzurollen und zu klären, ob es wirklich nur ein Einzeltäter war. Schnell erkennt er durch wiederkehrende Zeugenaussagen, die alle den Attentäter mit anderen Personen im Gespräch gesehen haben, dass damals nicht mit der gebotenen Sorgfalt ermittelt wurde. Aber fast alle Zeugen, die dies bemerkt haben, sind mittlerweile tot, teilweise unter mysteriösen Umständen gestorben oder durch ungeklärte Unfälle. Dengler nimmt die Ermittlungen auf und gerät immer tiefer in einen Sumpf aus Korruption und Geheimnissen, die besser nie ans Tageslicht kommen sollten. Aber haben wir das nicht schon immer gewusst?
Nicht nur Georg Dengler sondern auch Wolfgang Schorlau befasst sich mit den Hintergründen. Beweismaterial wird wieder intensiv geprüft und durch neue Verfahrenstechniken ergeben sich teilweise völlig neue Tatbestände. DNA war vor dreißig Jahren noch nahezu unbekannt, aber bevor der einzelne nicht zugeordnete Finger überprüft werden kann, wird das Beweismaterial komplett vernichtet. Angeblich ist der Fall kalt und nach dreißig Jahren ist es die übliche Vorgehensweise. Aber wer hatte da wohl wirklich die Finger im Spiel?
Drei verschiedene Erzählstränge laufen parallel nebeneinander her. Zum einen sind da die Ermittlungen, die Dengler mit seinen drei Freunden betreibt. Dann lernen wir die Staatssekretärin Charlotte von Schmoltke kennen, die über ihr Dasein als Staatssekretärin resümiert und feststellt, dass sie ihrem Ziel, die NPD zu verbieten, noch kein bisschen näher gerückt ist. Wir erfahren endlich auch einmal, was Staatssekretäre eigentlich für ein Aufgabengebiet haben. Und dann gibt es noch die kleinen, kurzen Kapitel, die erst scheinbar nichts mit der Geschichte zu tun haben, die von hochrangigen ehemaligen NATO Generälen handeln, die scheinbar zufällig alle gezielt ermordet werden. Natürlich lässt sich kein Täter und auch kein Motiv ermitteln, aber sind es wirklich nur sinnlose Zufälle?
Geschickt verwebt Schorlau hier Realität und Fiktion, wobei einem schon sehr eindringlich vor Augen geführt wird, was die Realität ist. Dengler und seine Freunde dienen als Mittelmänner für einen tatsächlichen Fall, sie sind das Mittel, damit das Ganze nicht zu einem Sachbuch abdriftet und durch die abwechslungsreichen, kurzen Kapitel zu einem spannenden Politthriller wird. Ihre privaten Probleme geben diesem Buch noch die besondere Würze, dadurch fiebert man nicht nur der Lösung des Falles entgegen.
Die Realität ist dafür aber umso erschreckender, das Field Manual 30-31, welches praktisch die Erlaubnis zu Terroranschlägen erteilt, wird im Anhang des Buches tatsächlich abgedruckt. Fiktion oder Realität, haben sich die NATO Generäle das wirklich ausgedacht? Oder war der Bombenanschlag eine Woche vor der Bundestagswahl nur ein geschickter politischer Schachzug - so bitter er auch geendet hat? Da die meisten Zeugen mittlerweile gestorben sind und die Beweise vernichtet, werden wir das wohl nie mehr erfahren. Schorlau wirft auch gekonnt Brocken von aktuellen politisch hochbrisanten Themen immer wieder in die Geschichte ein, diese Aktualität ist kaum zu überbieten. Dafür bringt er ein verdrängtes Stück deutsche Geschichte wieder ins Gedächtnis, denn wer kann sich noch großartig an das Attentat erinnern. Weil es immer noch totgeschwiegen wird?
Berührend ist das Treffen mit den noch lebenden Opfern des Attentats, hier wird einem richtig deutlich, dass nicht die Toten die eigentlichen Opfer sind, sondern diejenigen, die mit ihren inneren und äußeren Verletzungen weiterleben müssen.
Das Ende ist allerdings wieder haarsträubend, das erwartet man eher in einem Hollywood Streifen. Darüber kann man zwar mit einem Augenzwinkern hinwegsehen, denn die ganzen angesprochenen Themen machen es wieder wett. Politik ist ein Minenfeld, jeder belauscht jeden, jeder erpresst jeden und eigentlich handelt keiner zum Wohle der Menschheit, sondern nur für sich selber und vielleicht noch seine Partei. Alle losen Fäden werden zum Schluß verknüpft, trotzdem bleiben noch eine Menge Fragen über, aber das ist bei dem realen Attentat ja auch genauso.
Genauso interessant wie der Krimi ist auch der Anhang des Buches. Hier geht Schorlau explizit auf das Attentat, das Field -Manual und die tatsächlichen Ermittlungen ein, erläutert die Tatsachen. Es lohnt sich diesmal wirklich, über den Tellerrand hinaus zu lesen
Nicht nur Georg Dengler sondern auch Wolfgang Schorlau befasst sich mit den Hintergründen. Beweismaterial wird wieder intensiv geprüft und durch neue Verfahrenstechniken ergeben sich teilweise völlig neue Tatbestände. DNA war vor dreißig Jahren noch nahezu unbekannt, aber bevor der einzelne nicht zugeordnete Finger überprüft werden kann, wird das Beweismaterial komplett vernichtet. Angeblich ist der Fall kalt und nach dreißig Jahren ist es die übliche Vorgehensweise. Aber wer hatte da wohl wirklich die Finger im Spiel?
Drei verschiedene Erzählstränge laufen parallel nebeneinander her. Zum einen sind da die Ermittlungen, die Dengler mit seinen drei Freunden betreibt. Dann lernen wir die Staatssekretärin Charlotte von Schmoltke kennen, die über ihr Dasein als Staatssekretärin resümiert und feststellt, dass sie ihrem Ziel, die NPD zu verbieten, noch kein bisschen näher gerückt ist. Wir erfahren endlich auch einmal, was Staatssekretäre eigentlich für ein Aufgabengebiet haben. Und dann gibt es noch die kleinen, kurzen Kapitel, die erst scheinbar nichts mit der Geschichte zu tun haben, die von hochrangigen ehemaligen NATO Generälen handeln, die scheinbar zufällig alle gezielt ermordet werden. Natürlich lässt sich kein Täter und auch kein Motiv ermitteln, aber sind es wirklich nur sinnlose Zufälle?
Geschickt verwebt Schorlau hier Realität und Fiktion, wobei einem schon sehr eindringlich vor Augen geführt wird, was die Realität ist. Dengler und seine Freunde dienen als Mittelmänner für einen tatsächlichen Fall, sie sind das Mittel, damit das Ganze nicht zu einem Sachbuch abdriftet und durch die abwechslungsreichen, kurzen Kapitel zu einem spannenden Politthriller wird. Ihre privaten Probleme geben diesem Buch noch die besondere Würze, dadurch fiebert man nicht nur der Lösung des Falles entgegen.
Die Realität ist dafür aber umso erschreckender, das Field Manual 30-31, welches praktisch die Erlaubnis zu Terroranschlägen erteilt, wird im Anhang des Buches tatsächlich abgedruckt. Fiktion oder Realität, haben sich die NATO Generäle das wirklich ausgedacht? Oder war der Bombenanschlag eine Woche vor der Bundestagswahl nur ein geschickter politischer Schachzug - so bitter er auch geendet hat? Da die meisten Zeugen mittlerweile gestorben sind und die Beweise vernichtet, werden wir das wohl nie mehr erfahren. Schorlau wirft auch gekonnt Brocken von aktuellen politisch hochbrisanten Themen immer wieder in die Geschichte ein, diese Aktualität ist kaum zu überbieten. Dafür bringt er ein verdrängtes Stück deutsche Geschichte wieder ins Gedächtnis, denn wer kann sich noch großartig an das Attentat erinnern. Weil es immer noch totgeschwiegen wird?
Berührend ist das Treffen mit den noch lebenden Opfern des Attentats, hier wird einem richtig deutlich, dass nicht die Toten die eigentlichen Opfer sind, sondern diejenigen, die mit ihren inneren und äußeren Verletzungen weiterleben müssen.
Das Ende ist allerdings wieder haarsträubend, das erwartet man eher in einem Hollywood Streifen. Darüber kann man zwar mit einem Augenzwinkern hinwegsehen, denn die ganzen angesprochenen Themen machen es wieder wett. Politik ist ein Minenfeld, jeder belauscht jeden, jeder erpresst jeden und eigentlich handelt keiner zum Wohle der Menschheit, sondern nur für sich selber und vielleicht noch seine Partei. Alle losen Fäden werden zum Schluß verknüpft, trotzdem bleiben noch eine Menge Fragen über, aber das ist bei dem realen Attentat ja auch genauso.
Genauso interessant wie der Krimi ist auch der Anhang des Buches. Hier geht Schorlau explizit auf das Attentat, das Field -Manual und die tatsächlichen Ermittlungen ein, erläutert die Tatsachen. Es lohnt sich diesmal wirklich, über den Tellerrand hinaus zu lesen
27.01.2010 09:11:38

