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Phil Rickman - Mittwinternacht

 
Beitrag
erstellt am
Farin_Urlaub

Farin_Urlaub

(175 Beiträge)

Ich kam mal wieder in den Genuss, ein Buch vorab lesen zu dürfen und hier nun die Meinung zum neuen Buch des britischen Schriftstellers Phil Rickman : Mittwinternacht

Ein übersinnlicher Krimi

Eine Pfarrerin zieht mit ihrer Tochter aufs englische Land, um dort fortan ein ruhiges und kontemplatives Leben zu führen. Wenn dies das Grundgerüst für einen Krimi ist, darf man sich wahrlich auf eine gemächliche Art von cozy, also Häkelkrimi gefasst machen, nicht aber so bei Phil Rickman. Im vorliegenden zweiten Roman um Pfarrerin Merrily Watkins und deren Tochter Jane geht es hoch her im beschaulichen Örtchen Herefordshire, denn Merrily bekommt nämlich eine neue Aufgabe übertragen: Sie wird zur Beraterin für spirituelle Grenzfragen, lediglich ein Euphemismus für den Posten der Exorzistin. Ihr Vorgänger war zu alt und kauzig, und deshalb wird Merrily von ihrem Bischof Mick Hunter zu der neuen Aufgabe berufen. Schon bald muss sie in ein nächtliches Krankenhaus ausrücken, um ihren ersten Exorzismus durchzuführen und auch ansonsten wird es um die Pfarrerin nicht ruhig. Ihre Tochter Jane sucht sich die mysteriöse Rowenna als Freundin aus, eine Kathedrale wird geschändet und mit dem Bischof scheint auch etwas nicht zu stimmen.
Die Geschichte um die Ermittlerin wider Willen, eine Art weiblicher Father Brown, gestaltet Rickman sehr abwechslungsreich, und dies trotz des beträchtlichen Buchumfangs von fast 600 Seiten. Der Autor erschafft sehr plastische Figuren, die niemals überzeichnet wirken und dem Leser altvertraut erscheinen. Die gestresste und von Dämonen heimgesuchte Merrily Watkins wirkt sehr sympathisch und man kann dem Stress der Witwe nachspüren. Auch das Thema Exorzismus und Aberglauben gleitet nicht in übersinnlichen Hokuspokus ab, sondern bleibt angenehm realistisch und dezent. Doch leider gibt es Abzug wegen der meiner Meinung nur latent vorhandenen Spannung, da das Buch gut 100 Seiten braucht, bis man sich in den Roman hineinfindet, was vielleicht auch daran liegt, dass ich das Vorgängerbuch Frucht der Sünde nicht gelesen habe und dementsprechend unvertraut mit den Hauptcharakteren war. Dennoch ist die Geschichte oftmals behäbig und Phil Rickman zaubert große Spannung nur im Finale des Buchs. Für einen ausgewiesenen Krimi war mir die Spannung eindeutig zu wenig.
Ob die weiteren Bände rund um Pfarrerin Merrily Watkins spannender werden, bleibt abzuwarten, aber einen Eindruck des nächsten Abenteuers Die fünfte Kirche kann man sich druch die ans Buch angeschlossene Leseprobe verschaffen. Ob ich ein Fan dieser Reihe werde, dass müssen erst die nächsten Bände zeigen!
05.12.2009 10:51:26
Sasssi1

Sasssi1

(3721 Beiträge)

Ich lese es gerade, und bis jetzt gefällt es mir gut. :-)
05.12.2009 12:26:45
elke17

elke17

(12941 Beiträge)


Ich bin auch fast damit durch und fand es klasse, aber ich habe auch den ersten Teil der Reihe gelesen :)

Aber meiner Meinung nach ist das auch kein "reiner" Krimi...

05.12.2009 13:36:37
elke17

elke17

(12941 Beiträge)


Merrily Watkins, Pfarrerin im Dienst der englischen Kirche, hat nach ihrer Anstellung als Hilfsgeistliche in Liverpool mittlerweile ihre eigene Gemeinde in Ledwardine, einem kleinen Ort im ländlichen Herefordshire an der walisischen Grenze. Dort lebt die alleinerziehende Mutter mit ihrer 16-jährigen Tochter und kümmert sich um die geistlichen Belange ihres Sprengels.

Bischof Michael Hunter möchte den ehemaligen Diözesan-Exorzisten T.H.B. Dobbs los werden und das Amt entstauben und so trägt er Merrily die Aufgabe eines "Beraters für spirituelle Grenzfragen" an, was aber eigentlich nur umschreibt, dass sie künftig für die Kirche als Exorzistin tätig sein soll.

Zum Inhalt möchte ich nicht so viel erzählen, würde das doch bei manchen Ereignissen die Spannung nehmen. Es geht um Dämonen, Schwarze Messen, die Schändung von Gotteshäusern, mysteriöse Erscheinungen und Kirchenpolitik - aber alles im Rahmen und nicht effektheischerisch beschrieben.

Rickman erzählt sehr plastisch und mit viel Sympathie für seine Figuren, ganz gleich, ob das Merrily, ihre Tochter Jane oder der Musiker Lol ist. Ebenfalls sehr gut gelungen sind ihm die Landschaftsbeschreibungen dieses Teils von England. Und was auch noch erwähnt werden sollte: Die Übersetzerin hat einen tollen Job gemacht!

Wie schon in dem Vorgängerband "Frucht der Sünde" beschreibt er weniger einen Kriminalfall, als vielmehr ein Soziogramm einer scheinbar harmonischen englischen ländlichen Gemeinde mit Geheimnissen, unerwarteten Wendungen und Beziehungen, die sich bei näherem Hinschauen als kleine Tragödien entpuppen. Das nimmt dem Buch aber nicht die Spannung - im Gegenteil.

Ich fand das Buch superspannend, absolut kurzweilig und unterhaltsam - volle Punktzahl und Leseempfehlung meinerseits - und ich freue mich schon sehr auf die Folgebände!!!
05.12.2009 15:06:27
tigercat666

tigercat666

(119327 Beiträge)

Meiner Meinung nach ist es zwingend erforderlich ist auch den Vorgängerroman gelesen zu haben um alle Personen miteinander zu verknüpfen.

Der Schreibstil gefällt mir recht gut,stellenweise hätte der Autor nach dem Motto *Weniger ist mehr* schreiben können aber das mindert das Lesevergnügen nur minimal. Das Thema ist spannend erzählt, manchmal wollte ich selber an Geister und Spuk glauben. Der Glaube an Geister und Gespenster passt natürlich hervorragend in eine englische Landschaft. Ich finde es immer wieder interessant zu erfahren das im 21.Jahrhundert der Glaube an Übersinnliches noch so stark ist das die Kirchen Exorzisten ausbilden und das diese dann auch Beschäftigung finden. In diesem Buch muss sich die Exorzistin auch noch mit den Problemen ihrer pubertierenden Tochter auseinandersetzen, die überhaupt nicht mit dem neuen Aufgabenfeld ihrer Mutter einverstanden ist, da sie sich eher zur anderen Seite, den Satanisten hingezogen fühlt.

Ich kann es nur Lesern empfehlen die auch den 1. Band gelesen haben.

18.12.2009 07:29:27
Sasssi1

Sasssi1

(3721 Beiträge)

Mir hat es gut gefallen, und ich fand es bestens verständlich, obwohl ich den Vorgängerband nicht gelesen habe. Ich überlege aber, das nachzuholen, weil das Buch wirklich nicht schlecht war und mich die Reihe interessiert.
18.12.2009 10:48:26
Elohym78

Elohym78

(476 Beiträge)

bei sasssi1 unterschreib! :o)

Ich habe auch erst Teil zwei gelesen, der mir sehr gut gefallen hat! Hatte dann das Glück, Teil 1 hier ertauschen zu können und werde diesen bald lesen. *freu*
18.12.2009 17:59:15
Phantomime

Phantomime

(9645 Beiträge)

Ich habe mir mehr Gruseleffekte von dem Buch versprochen :-(

Aufgrund des Klappentextes habe ich mir einen spannenden Krimi mit Gruseleffekten versprochen.Stattdessen las ich einen eigentlich ganz "normalen" Roman,der nicht mal in das Genre Krimi passt.

Die Pastorin Merrily Watkins wird zur "Beraterin für spirituelle Grenzerfahrungen",einfacher "Exorzistin" ernannt.

Sie hat selbst schon einige aussergewöhnliche Erfahrungen dieser Art erlebt,fragt sich aber die ganze Zeit,ob dieser Posten der richtige für sie ist.

Man hofft in diesem Buch so einiges über Exorzismus zu erfahren,doch dem ist leider nicht so.Wenn es wirklich zu Erscheinungen kommt werden diese nur kurz angerissen,ohne jedoch ins Detail zu gehen,sodaß für mich persönlich keine Gänsehautstimmung aufkam.Stattdessen gibt es Unmengen von Informationen über Kirchenpolitik,Bischöfe und krichliche Zeremonien,was ich mindestens genauso langweilig finde wie Merrilys Tochter Jane.

Das einzig Interessante an diesem Buch waren überhaupt die Streitgespräche von Merrily mit ihrer pubertierenden Tochter Jane,die sich eine "Freundin"ausgesucht hat,Rowenna,die ihrer Mutter nun überhaupt nicht passt,weil sie zur "New-Age" Szene gehört und Jane immer mehr in ihren Bann zieht.

Das Buch lässt sich zwar flüssig lesen,aber es kommt über die ganzen fast 600 Seiten nicht einmal wirkliche Spannung auf :-(

Ich hatte mir wirklich viel mehr davon versprochen..
18.01.2010 11:46:19
kusha

kusha

(460 Beiträge)

Ich bin gerade mittendrin und es gefällt mir genauso gut wie der erste Teil. Vielleicht kommt es darauf an, was man erwartet: ich mag gerade die psychologischen Seiten der Hauptdarsteller und finde es gut, das es keine reiner (Grusel-)Krimi ist. Aber ich kenne den Stil ja auch vom Vorgängerband. Möglicherweise kann ich mich auch deswegen so gut in die Geschichte hineinversetzen, weil ich selber eine 16-jährige Tochter habe ;-)
13.03.2010 18:14:30