Das Tauschticket-Forum

Hier können Sie mit anderen Mitgliedern diskutieren, Fragen zu Tauschticket stellen, auf Ihre angebotenen Artikel aufmerksam machen und natürlich andere Mitglieder kennen lernen. Bitte beachten Sie dabei die Regularien unseres Forums.

Suche im Forum

Der Kuss des Engels - Sarah Lukas

 
Beitrag
erstellt am
Nordmaedchen

Nordmaedchen

(2403 Beiträge)

Gibt es noch gar keinen Thread? Na, dann mache ich mal den Anfang. :)


Ich muss sagen, ich bin tierisch enttäuscht - und das ist noch untertrieben. Laut dem Klappentext wäre dieses Buch genau mein Ding gewesen. Allerdings bleibt am Ende des Buches nur Ernüchterung, denn von dem vielversprechenden Klappentext ist nicht viel übrig geblieben auf über 400 Seiten.

Dabei fand ich den Anfang von Sarah Lukas' Debütroman eigentlich noch recht vielversprechend. Aus der ganzen Geschichte hätte sich durchaus was machen lassen, allerdings verstand es Lukas nicht, ihrer Geschichte Leben einzuhauen oder sie gar mit Spannung zu versetzen!
Anfangs findet man Sophie, die Hauptprotagonistin, die ihren geliebten Rafe in Kolumbien verloren hat, noch durchaus sympathisch. Aber spätestens im Verlauf das Buches war ich nur noch genervt von ihrer Dämlichkeit und Besessenheit, ich hab mich wirklich nur noch geärgert über sie.

Überhaupt ist die Charakterentwicklung eine weitere Schwäche in dem Buch. Die Nebencharaktere sind blass, Jean dient z.B. nur als Info-Dumping-Lücke. Und die Nebengeschichte mit Lilyth war im Nachhinein einfach nur lächerlich, ich wurde das Gefühl nicht los, dass damit nur Seiten gefüllt werden mussten, aber dazu später mehr.

Auch die eigentliche Beziehung zu Rafe, also sorry, aber damit konnte ich nichts anfangen. Diese angebliche Liebe der beiden war nie spürbar, greifbar. Man wusste nur, sie lieben sich, und gut. Aber irgendwie war oft nur von Rafes Aussehen die Rede. Reichlich dünn für so eine angeblich unsterbliche Liebe.

Tja, wie gesagt, der Anfang vermochte mich noch anzusprechen, aber spätestens ab dem 1. Drittel war ich nur noch gelangweilt. Lukas ergeht sich in einem Paris-Geschwafel, das ihres gleichen sucht. Jede popelige Straße und jeder (um mal zu übertreiben) Mülleimer wird aufgezählt. Spätestens nach dem 10. Straßennamen war ich nur genervt. Man kann es auch übertreiben!

Das Schlimmste an dem ganzen Geschwafel ist aber, das nichts passiert. Es gehen 300 Seiten ins Land, bis man annährend das Gefühl hat, dass es nun losgeht. Aber selbst ab da wird man getäuscht.
Das Ende kommt total unbefriedigend daher, dass ich z.B. nur sauer war, diese Zeit auch noch investiert zu haben! Auf den letzten 50 Seiten muss alles flott gehen, was am Anfang für Zeit draufgegangen ist, um Sinnloses zu beschreiben, der Rest wird nun in 3 Seiten abgehandelt. Ich weiß nicht, aber ich war da nur noch verwirrt von allem. Ich wusste ehrlich nicht, was da nun eigentlich los war, da bleibt zu viel offen und die ganze Endhandlung ist schlicht wirr. Und der Epilog ist eine Katastrophe, aber es würde mich nicht wundern, wenn es einen Folgeband gibt. Von daher...

Sarah Lukas hat sich in meinen Augen mit diesem Thema einfach übernommen. Alles wird in den Topf geschmissen, einmal kräftig durchgerührt. Am Anfang scheint noch eine Idee dagewesen zu sein, aber dann verliert sich Lukas in endlosem Geschwafel, wo sie vergeblich versucht am Ende den Bogen zu kriegen. Es geht komplett nach hinten los.

Das Beste an dem Buch ist das Cover, und die schöne Gestaltung mit Leseband und Karte. Über den Inhalt werfen wir liebe das Tuch des Schweigens.
19.03.2010 17:54:24
Ich151

Ich151

(1755 Beiträge)

Sehr schöne Rezension und ich seh das ganz ähnlich ;-):

Sophie geht nach dem Tod ihres Verlobten nach Paris um dort zu leben und sich gleichzeitig abzulenken. Da sie aber ihre Trauer nicht überwinden kann, fasst sie eines nachts den Entschluss sich von einer Brücke zu stürzen. Zufällig fährt genau dort unter ihr ein Schiff vorbei auf dem sie ihren eigentlich toten Verlobten wiedersieht. Nun macht sie sich natürlich auf die Suche nach ihm, findet ihn und erfährt, dass er ein Engel ist.

Die Leseprobe gefiel mir noch ganz gut, wie sich die Geschichte und ganz besonders die Hauptfigur dann jedoch weiterentwickelte war einfach nur lächerlich. Die Hauptfigur Sophie verhält sich meiner Meinung nach einfach nur unlogisch und dumm. Sie gibt sich mit fadenscheinigen Erklärungen zufrieden, lässt sich herumschubsen, fremdbestimmen und hinterfragt viel zu wenig. Zudem fand ich extrem nervig, dass sie zwar einerseits recht klug sein soll und ihre Ausbildung in Paris mit Bravour meistert, aber andererseits als armes dummes Ding dargestellt wird, sich selbst nicht helfen kann und auf einen starken Mann als Beschützer angewiesen ist. Derer gibt es dann natürlich gleich zwei, zwischen denen sie hin und hergerissen ist. Auch sämtlich Nebenfiguren sind blass und ziemlich klischeehaft.

Und nicht nur die Hauptfigur, sondern auch der Leser muss sich mit fadenscheinigen Erklärungen zufriedengeben. Als Hintergrund dient ein religiöses Thema, welches mir nicht wirklich gut durchdacht und ausgearbeitet erscheint. Das Thema des ganzen Buches bleibt irgendwie schwammig, weshalb auch die ganze Story sehr unausgegoren und zusammenhanglos erscheint. Auch der Sprachstil, gefiel mir nicht. Zwar wurden einige Orte in Paris beschrieben aber der Roman schaffte es nicht irgendeine Stimmung aufzubauen, eine romantische schonmal garnicht. Die beschriebenen Beziehung ähnelt eher einer ungesunden Abhängigkeit als einer großen Liebesgeschichte.
29.03.2010 23:49:58
Patwelli

Patwelli

(6710 Beiträge)

Wie würden Sie empfinden, wenn Sie das Gesicht eines Totgeglaubten plötzlich in der Menge entdecken? Gerade, als Sophie sich entscheidet, in Paris von einer Brücke in die Seine zu springen, entdeckt sie auf einem Ausflugsboot ein Gesicht, welches genauso aussieht wie das ihres verstorbenen Verlobten. Immerhin ist er ja der Grund, warum sie sich verzweifelt nach Paris geflüchtet hat und jetzt ohne ihn nicht mehr weiterleben möchte. Wichtiger ist allerdings jetzt, herauszufinden, wer der Mann auf dem Boot war. Ist es wirklich Rafe, ihr Verlobter, der als Arzt in Kolumbien war und dort erschossen wurde? Kann das überhaupt sein? Nach einem Gespräch mit seiner Schwester, die ihn identifiziert hat, fühlt Sophie sich wieder hoffnungslos. Als sie ihn dann endlich aufstöbert, ist sie verblüfft. Er riecht wie Rafe, er sieht aus wie Rafe, er spricht wie Rafe - aber sein Verhalten ist völlig anders. Sophie ist hin und hergerissen und kann überhaupt nicht einordnen, wie sie sich nun verhalten soll.

Sie lernt Jean Maric kennen, der sie aus einer unangenehmen Situation rettet. Angeblich weiß er, was mit Rafe los ist, aber die Geschichte von gefallen Engeln kann Sophie nicht überzeugen. Dann schon eher Rafes Erklärung, er hätte sein Gedächtnis verloren. Aber warum ist dann seine Stimme so einschmeichelnd? Und warum trägt er immer die gleichen Sachen, die auch nie zerknittern oder dreckig werden? Sophie ist zerrissen, einerseits hätte sie gerne ihren Rafael zurück, andererseits muss sie auch erkennen, dass es nicht ihr Rafael ist, sondern vom Wesen her jemand völlig Fremdes.

Sarah Lukas kann erzählen, sie lässt Paris mit seinen wundervollen verwinkelten Gassen und sonnenüberfluteten Plätzen erstehen, dass es ein wahres Lesevergnügen ist. Schweiß rinnt einem förmlich die Stirn herunter, wenn Sophie im superheißen Sommer mal wieder durch die Gassen schlendert, um dem Geheimnis um Rafael auf die Spur zu kommen. Wunderbare lebhafte Bilder vom typischen Pariser Flair lassen im Leser den Wunsch erwachsen, selbst vor Ort zu sein. Hilfreich ist dabei auch die kleine Karte von Paris, im inneren vorderen und hinteren Cover gezeichnet, um die Vorstellungskraft zu beleben und mit Sophie durch Paris zu laufen.

Leider schafft Sarah Lukas es nicht, die Spannung zu halten. Nachdem Sophie von den gefallenen Engeln überzeugt ist, driftet das Buch etwas ins Philosophische ab. Dialoge über Bibeltexte und das Entstehen der gefallenen Engel nehmen dem Buch das Tempo und sorgen für Verwirrung, man schweift einfach ab und kann dem Kontext nicht mehr folgen. Die Handlung wird auch immer abstruser, gespannt wartet man Seite für Seite, wie sich Sarah Lukas nun aus dem Ende windet. Immerhin muss es ja eine halbwegs glaubwürdige Erklärung geben, auch wenn Dämonen und Engel erscheinen, so sollte die Geschichte doch zumindest einen würdigen Abschluss erhalten. Dies gelingt nur bedingt, das Ende ist versöhnlich, der Weg dahin allerdings ein bisschen übertrieben. Positiv fällt allerdings noch die Gestaltung des Buches auf, die Karte im Innenteil und schöne Verzierungen an jedem Kapitelanfang.

Fazit

Ein recht gelungener Debütroman einer jungen deutschen Autorin, allerdings noch mit ein paar Kinderkrankheiten. Sprachlich hervorragend, inhaltlich noch nicht ganz überzeugend. Potential ist aber auf jeden Fall vorhanden - und wer auf einen sommerlichen Bummel durch Paris mit seinen verwinkelten Gassen und historischen Häusern gehen möchte, der kann hier unbesorgt zugreifen.
09.04.2010 23:28:30