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Schneewittchen muss sterben von Nele Neuhaus

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Beitrag
erstellt am
Mary_Poppins

Mary_Poppins

(8564 Beiträge)

Ich habe auch erst das Schneewittchen gelesen und hatte nicht das Gefühl durch die fehlenden Vorgänger etwas "verpasst" zu haben. Trotzdem wollen die anderen Bücher jetzt auch gelesen werden. ;o)


Tobias Sartorius, ein 2-fach verurteilter Mädchenmörder, wird nach 10 Jahren aus der Haft entlassen. Als er zurück nach Altenhain, seinem Heimatdorf, kommt stellt er fest, dass nichts mehr so ist wie es mal war: Nachdem er ins Gefängnis ging, blieben die Gäste in der Gaststätte seines Vaters aus, bis dieser sein gesamtes Hab und Gut zu einem Spottpreis an Claudius Terlinden, den angesehenen Geshäftsmann Altenhains, verkaufte. Seine Eltern sind mittlerweile geschieden und seine Mutter aus Altenhain weggezogen; sie hat die Vorwürfe nicht mehr ertragen. Kurz nach Tobias' Entlassung wird sie überfallen. Zufall oder Absicht?

Sein Vater lebt weiterhin auf dem mittlerweile heruntergekommenen Hof. Auch Tobias hat keinen leichten Start: Obwohl er seine Strafe abgesessen hat, ist für die Dorfbewohner die Sache nicht gegessen. Sie beschmieren die Hauswände mit wüsten Beschimpfungen und überfallen Tobias, der dabei fast zu Tode kommt. Nur seine alte Clique, vor allem Nadja, mit der er ein Verhältnis anfängt, halten zu ihm.

Währenddessen werden nicht weit von Altenhain auf einem stillgelegten Militärflughafen die Überreste eines Mädchens gefunden. Schon bald wird klar, dass es sich bei der Leiche um die damals verschwundene Laura Wagner handelt, die Tobias ermordet haben soll. Was jedoch mit dem 2. in der gleichen Nacht verschwundenen Mädchen Stefanie Schneeberger, genannt Schneewittchen, passiert ist, weiss bis heute niemand. Sartorius schweigt sich aus. Durch erhöhten Alkoholkonsum weiss er nicht, was in der Nacht wirklich geschah. Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein übernehmen den Fall und Pia glaubt nicht an die Schuld von Tobias. Saß er wirklich unschuldig 10 Jahre in Haft?

Amelie Fröhlich, ein 18-jähriges Mädchen, dass Schneewittchen äußerst ähnlich sieht, ist vor kurzem aus Berlin zu ihrem Vater und der Stiefmutter nach Altenhain gezogen. Sie arbeitet als Bedienung im Schwarzen Ross, der neuen Gaststätte Altenhains, und erfährt so von der Freilassung Tobias'. Da sie meint, in dem Kaff sei endlich mal was los, recherchiert sie und glaubt auch nicht am Tobias Schuld. Dieser Verdacht verstärkt sich noch, als Thies Terlinden, Claudius autistischer Sohn, Amelie Bilder bringt, auf denen der Mörder zu sehen ist. Noch bevor Amelie Tobias von den Bildern erzählen kann, verschwindet sie spurlos... Wieder deutet alles auf Tobias hin, der wieder zu viel getrunken hat und sich nicht erinnern kann. Ist er doch ein Mädchenmörder?



Das Buch ist durch den flüssigen Erzählstil von der ersten Seite an spannend. Trotz der knapp 540 Seiten flaut die Spannung nicht ab. Es gibt in dem Buch immer wieder neue Wendungen, die den Leser immer mehr an die Unschuld Tobias Sartorius glauben lässt. Das ändert sich auch nicht, als Amelie Fröhlich verschwindet. Die Vermutung liegt nahe, dass Thies Terlinden, der Außenseiter, etwas mit den damaligen Morden zu tun hat. Die Frage ist: Wie viel weiss er?

So spannend das Buch auch ist, gibt es einige Abstriche: Ich fand es etwas vorhersehbar. Leider kann man sich das Ende, trotz der zahlreichen Wendungen, fast selbst zusammenreimen. Weiterhin tauchen in dem Buch sehr viele Personen auf. Da muss man als Leser zwischendurch überlegen, in welchem Zusammenhang welche Person steht. Vieles hätte man mit Sicherheit auch abkürzen können, das tut aber dem Lesegenuss keinen Abbruch.

Es war mein erstes Buch der Autorin und ich werde mir die anderen Bände auch noch vornehmen. Trotz der kleinen Schwächen ein äußerst empfehlenswertes Buch!
17.06.2010 07:11:47
Gela2310

Gela2310

(14214 Beiträge)

Das Buch von Nele Neuhaus hat mir auch sehr gut gefallen und ich fand es schade, dass ich vorher nur den 1.Teil gelesen hatte. Im zweiten und dritten Buch geschehen ja noch einige Dinge im Privatleben von Pia und Bodenstein, die mir jetzt im 4.Teil schon verraten wurden. Aber nichtsdestotrotz hatte ich spannende Lesestunden mit Schneewittchen muß sterben:


Das auf der Rückseite des Buches gedruckte Zitat von krimi-couch.de trifft es auf den Punkt

"Nele Neuhaus versteht es perfekt, die Spannung auf konstant hohen Niveau zu halten"

Besser hätte ich es nicht sagen können. Mir hat das Buch von der ersten bis zur letzten Seite gut gefallen und ich war sehr gut unterhalten. Viele Verdächtige, eigentlich das ganze Dorf Altenhain, lassen den Leser mitfiebern und auf Tätersuche gehen. Ich war irgendwie mittendrin im Team K11 um Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff. Beim Lesen der "Vorableseprobe" war ich ja der Meinung, den Fall schon gelöst zu haben. Aber tatsächlich löste sich der Verdacht dann beim Lesen des Buches schnell in Luft auf und ich stand mit meinen Privatermittlungen wieder am Anfang.

Dem interessierten Leser würde ich raten, die Reihenfolge der Bücher von Nele Neuhaus einzuhalten. Das Buch ist ein abgeschlossener Mordfall und man vesteht die Handlung ohne Vorwissen. Aber mir wurden hier im vorliegenden 4.Teil der Reihe schon einige Dinge aus dem Privatleben von Pia und Bodenstein verraten, die ich eigentlich in Band 2 und3 erst erfahren sollte.

Trotzdem werde ich auf jeden Fall noch den zweiten und dritten Teil der Reihe lesen, da mir auch der erste Teil "eine unbeliebte Frau" sehr gut gefallen hat.

Ein sehr gelungener Roman. Hoffentlich schreibt Frau Neuhaus noch viele weitere Krimis mit Pia und Bodenstein für ihre stark wachsende Fangemeinde !
20.06.2010 12:22:14
mammutkeks

mammutkeks

(341 Beiträge)

Hier auch meine Rezension:

Schneewittchen starb bereits vor 11 Jahren - und doch wurde die Leiche nicht gefunden. Genausowenig wie die ihrer Freundin oder doch eher Konkurrentin Laura. Gefunden wurde damals allerdings der vermeintliche Mörder - und nicht nur gefunden, sondern auch aufgrund von Indizien verurteilt.

Nun sind die 10 Jahre Strafe vorbei und Tobias kommt zurück in sein Heimatdorf im Taunus. Dieses ist geprägt von der Familie Terlinden - sie besitzen eine Firma, in der viele Dörfler ihr Auskommen finden, sie besitzen die Dorfkneipe und sie besitzen offenbar auch die Deutungsmacht im Dorf. Alle Dörfler richten sich danach, was Claudius Terlinden sagt.

Alle? Nein, als Tobias wieder ins Dorf zurückkehrt, brechen einige seiner alten Freunde aus dem kollektiven Schweigen aus - und es kommt dazu, dass der bereits gelöste Kriminalfall wieder aufgerollt wird. Dabei kommt es zu neuen, teilweise brutalen Überfällen und Entführungen - und einer überraschenden Lösung des Falles.

Neuhaus ist ein gut geschriebener Krimi gelungen, der viel Lokalkolorit hat. Gleichzeitig könnte ein solcher Fall in jeder dörflichen Enge passieren. Mief und falsch verstandende Dorfgemeinschaft sind keine Domäne des Taunus. Die in der LP sehr präsenten hessischen O-Töne gibt es im weiteren Roman nicht mehr - deshalb finde ich sie im Nachhinein eher überflüssig. Neuhaus braucht solche Spielchen nicht, um Lokalkolorit zu entwickeln.

Parallel zur Ermittlung um die gefundene Mädchenleiche entwickelt sich die familiäre Geschichte um von Bodenstein und seine Frau Cosima, die die Ermittlungen zu beeinträchtigen drohen. Auch Pia Kirchhoff, die zweite Ermittlerin, ist nicht vor privaten Problemen gefeit.

Insgesamt gelingt es Neuhaus, die vielen verschiedenen Geschichten gut miteinander zu verknüpfen, ohne dass man das Gefühl hat, sie seien aufgepfropft oder unlogisch. Plötzliche Zufälle gibt es ebensowenig in größerem Maße als Unlogiken. Und alle vorher gelegten Fäden werden zuende erzählt - Respekt!

Zu einem gut und flüssig geschriebenen Roman kommt eine sehr ansprechende Gestaltung des Covers - die Bluttropfen sehen aus wie echt. Besonders positiv finde ich den Aufkleber, der nicht schon vor Veröffentlichung von "Bestseller" spricht, sondern einen "Taunus-Krimi" ankündigt.
30.06.2010 16:30:37
Patwelli

Patwelli

(6710 Beiträge)

Nele Neuhaus kann einfach gut schreiben, schon nach den ersten Seiten ist man gefesselt, das Buch klebt förmlich in der Hand. Mit ihrem vierten Krimi um das Ermittlerteam Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff ist ihr ein wahres Meisterwerk menschlicher Intrigen gelungen. Zwei junge Mädchen sind vor 11 Jahren verschwunden, eine klare Sache für die gesamte Dorfgemeinschaft - es war Tobias, der zuerst mit Laura befreundet war und sie dann Stephanies wegen verlassen hat. Eine Beziehungstat? Ein Eifersuchtsdrama? Dumm nur, dass Tobias sich so überhaupt nicht mehr an die entscheidenden Stunden erinnern kann. Aber für das Dorf und den Richter reichen die Indizien aus und so wird Tobias des Doppelmordes schuldig gesprochen - obwohl die Leichen nie gefunden wurden. Bis heute bestreitet Tobias die Tat.

Neid, Missgunst, Hass, Vergewaltigung, Nötigung, Mord - nichts lässt die Autorin aus. Ein Dorf mit seiner ganz eigenen Dynamik. Jedes Genre ist hier vertreten, jeder spielt seine Rollen. Da gibt es die Krämerin, die den Klatsch des ganzen Dorfes in sich aufsaugt und genüsslich weiterverbreitet. Den Wohltäter, der trotz seines Reichtums immer dafür sorgt, dass es dem Dorf finanziell gut geht. Den Kultusminister, der von seiner 20 Jahre älteren Frau, einer Ärztin, in die richtigen Bahnen gelenkt wird. Das Gastwirtspaar und Eltern des angeblichen Mörders, die konsequent vom ganzen Dorf in den Ruin getrieben werden, man darf sie ungestraft hänseln und erniedrigen. Und natürlich die Jugendclique, die nach ihren eigenen Gesetzen handelt, die den Einserschüler, die Dorfschönheit, die Verwegene und die Eifersüchtige integriert haben. Als Tobias wieder nach Hause kommt, eskalieren die Ereignisse, die Anständigen wollen keinen Mörder in ihren Reihen. Denn solange er als Mörder gebrandmarkt ist, solange schaut keiner in sein eigenes Mäntelchen der Wohlanständigkeit. Denn dort gäbe es ja so viel zu entdecken.

Als dann auf einem brachliegenden Flughafengelände die Knochen eines der Mädchen entdeckt werden, bricht alles wieder auf. Beherzt greift Pia Kirchhoff ein, sie vertieft sich in die damaligen Ermittlungsakten und deckt recht schnell Unstimmigkeiten auf. So stimmt der Zeitraum zwischen zwei Zeugenaussagen nicht, Tobias hätte in dieser kurzen Zeit niemals die Leiche soweit wegschaffen können. Auch fehlen auf einmal Aussagen und Protokolle, ihr fallen sofort fehlende Fragen und Nachforschungen auf, die die Ermittler nie gemacht haben, da sie von Anfang an von Tobias' Schuld überzeugt waren. Die Dorfgemeinschaft will dieses aber nicht wahrhaben, selbst vor körperlichen Angriffen schrecken sie nicht zurück, ihnen ist alles recht, Tobias und seine Familie zu vertreiben. Dabei lebt die Mutter schon gar nicht mehr bei ihnen, sie konnte die Intrigen nicht mehr vertragen. Bei einer Auseinandersetzung mit einem unbekannten Mann wird sie von einer Brücke gestoßen und überlebt schwer verletzt. Ein Mordanschlag?

Amelie, eine junge rebellische Fasterwachsene, wohnt mit ihrem Vater und ihrer Stiefmutter in dem Haus, in dem einst Schneebergers wohnten, die Eltern der verschwundenen Stephanie. Selbst eine Fremde in dem kleinen Dorf fallen ihr als Außenstehende sofort die veränderten Stimmungen und merkwürdiges Verhalten der Dörfler auf. Sie mag Tobias, bei ihrem Versuch ihm zu helfen und Erkundigungen einzuziehen, wird man auf sie aufmerksam. Als sie verschwindet, steht Tobias sofort wieder im Fokus der Ermittlungen. Oder hat doch Thies, ein autistischer junger Mann, der Zwillingsbruder von Tobias' früherem besten Freund Lars, mehr mit der Sache zu tun, als allgemein angenommen? Thies spricht nicht, außer zu Amelie, aber er malt und als verstörende Bilder über das damalige Geschehen von ihm auftauchen, nehmen die Ermittlungen dramatische Wendungen an.

Stück für Stück kommt die Autorin dem Geschehen auf die Spur, immer wieder gibt es neue Ermittlungserkenntnisse und verdächtiges Verhalten einiger Leute. Sie deckt die dunklen Geheimnisse des Dorfes auf, was die Gemeinschaft doch lieber geheim halten möchte. Es ist schon perfide, wie ein Opfer auserkoren wurde und es auch bleibt, nur damit andere ihr Leben weiterführen können. Die Dynamik eines Dorfverbandes, dessen Mitglieder alle ein Stückchen Geheimnis eines großen Ganzen hüten, wird auf eine harte Probe gestellt. Wir gut, dass sich doch endlich ein paar Gewissen regen und so nach und nach Klarheit in die Sache kommt. Manchmal wird es ein bisschen unübersichtlich, denn es sind recht viele Personen, die eine Rolle spielen.

Genauso gelungen ist auch die Integration des Privatlebens der Ermittler Bodenstein, Kirchhoffs und ihres Teams. Es passt einfach und man ist genauso gefangen in ihren privaten Problemen, wie man auch endlich den Mord lösen möchte. Vielschichtige, tiefgründige Charaktere hat Nele Neuhaus hier geschaffen, menschlich und mit Fehlern, die sich auch manchmal auf ihre Arbeit auswirken. Auch wenn man die anderen Bände nicht kennt, ist es nicht weiter schwierig, den Ereignissen zu folgen. Einfühlsam und sensibel bringt sie mit dem Autisten Thies einen schwierigen Charakter unter, das Krankheitsbild des Aspererger Syndroms verstört bei ihr nicht, sondern bringt es dem Leser näher, es erklärt anschaulich und lässt Berührungsängste schwinden. Sie lässt ihn nicht als Trottel dastehen, verschönert aber auch seine Krankheit nicht, sondern schildert gefühlvoll seine Symptome und Eigenschaften. Man merkt schon, dass Thies Empfinden gestört ist - aber er handelt wesentlich normaler als so mancher in der Dorfgemeinschaft.

Ein absolut gelungenes Buch, nicht nur ein Krimi sondern auch ein Gesellschaftsdrama, welches auf perfide Art dem Leser zeigt, wozu Menschen in der Lage sind. Menschlichkeit ist manchen ein Fremdwort, ein Eintreten auf den schon am Boden liegenden ist feige und hinterhältig. Die angebliche Abhängigkeit von sogenannten Wohltätern treibt üble Auswüchse ans Licht, mit Anklagen und Verurteilungen ist man schnell bei der Hand. Sie zu verbreiten ist strafbar, aber die Selbstgerechtigkeit sogenannter anständiger Menschen ist ohne Grenzen. Lediglich das Ende war dann doch zu übertrieben, hier wäre etwas weniger Dramatik besser gewesen.

Fazit

Nele Neuhaus lässt ihre Figuren wachsen und gibt ihnen viel Raum, sich zu entfalten. Sie beschränkt sich nicht nur auf ein paar Personen, sondern lässt viele verschiedene Menschen zu Wort kommen. Dadurch ergibt sich eine unheimliche Bandbreite von verschiedenen Charakteren, die man als Leser ein Stück ihres Lebens begleitet und mit ihnen leidet, weint oder sich freut. Viele verschiedene Ereignisse bilden einen gelungenen Roman, dessen Krimihandlung zu einem überraschenden Ende führt, bei dem sich so manche Personen anschließend neu orientieren müssen.
11.07.2010 12:48:43
BineL

BineL

(18436 Beiträge)

Vor elf Jahren starben zwei Mädchen im hessischen Dorf Altenhain. Dem damaligen Abiturienten Tobias Sartorius wurde der Prozess gemacht. Er wurde wegen Mordes an den beiden Mädchen zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt. Er selbst konnte sich an nichts mehr erinnern, weil er bei der Dorfkerb sehr viel Alkohol zu sich genommen hatte.
Nun kehrt Tobias nach elf Jahren in sein Heimatdorf im Taunus zurück und weckt damit schlafende Hunde. Nachdem auch noch Tobias Mutter von einer Brücke gestoßen wird, kommen auch Oliver von Bodenstein und seine Kollegin Pia Kirchhoff ins Spiel. Und so wird der Fall wieder aufgerollt und insbesondere die Kommissarin Pia möchte wissen, was vor elf Jahren wirklich in Altenhain passiert ist.

Wieder ist es Nele Neuhaus gelungen, einen rasanten Krimi zu schreiben. Nichts ist vorhersehbar. Immer wieder gibt neue Wendungen und viel Action. Sie wählt auch eine Sprache, die sich flüssig lesen lässt. Ihr besonderes Talent ist es, das Geschehen aus vielen Perspektiven zu erzählen, ohne zu viel zu verraten. Immer wenn es besonders spannend wird, setzt sie eine Zesur und beginnt gemeinerweise mit einem neuen Abschnitt, auch wenn man als Leser eigentlich unbedingt wissen möchte, was jetzt im Brief steht oder was der Anrufer so Wichtiges mitzuteilen hatte. Das macht diesen Krimi zu einem absoluten Pageturner. Man legt nur unter Zwang das Buch aus den Händen.

Natürlich gefällt mir auch der Lokalkolorit, da ich selbst im Taunus lebe und mir so einige Orte auch selbst bekannt sind. Man fühlt sich in dem Krimi dann fast "heimisch".

Frau Neuhaus, ich bitte um mehr Fälle aus dem Taunus zusammen mit Pia und Bodenstein!

18.07.2010 08:45:55
silkedb

silkedb

(17071 Beiträge)

Mir hat der Krimi gut gefallen. Ich vergebe 4 von 5 Sternen.
Ein Dorf sieht rot

Inhalt:
10 Jahre lang hat Tobias Sartorius eine Haftstrafe verbüßt. Verurteilt wurde er in einem Indizienprozess für den Mord an zwei Mitschülerinnen, die gleichzeitig seine Ex-Freundinnen waren. Aus der Haft entlassen kehrt Tobias in sein Heimatdorf Altenhain zurück. Doch als verurteilter Mörder ist er dort nicht gerne gesehen. Seine Eltern sind inzwischen wirtschaftlich ruiniert, die Ehe zerbrochen. Das Ganze Dort ist gegen Tobais und seine Familie. Als Tobias Mutter Rita Cramer von einer Brücke auf eine Straße gestoßen wird, werden die Ermittler Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff hinzugezogen. Sie sehen die Verbindung zu den alten Mordfällen und entdecken immer mehr Ungereimtheiten. Dann wird auch noch die Leiche eines der Mädchen gefunden. Ist Tobias damals zu Unrecht verurteilt worden? Aber wer ist dann der Mörder und was haben die Dorfbewohner zu verheimlichen?

Meine Meinung:
Insgesamt hat mir "Schneewittchen muss sterben" von Nele Neuhaus sehr gut gefallen. Ich hatte bisher noch keine anderen Bücher der Autorin gelesen, fand aber, dass sich dieses Buch gut losgelöst von anderen der Reihe lesen lässt.
Die Grundidee der zehn Jahre zurückliegenden Mordfälle und dem verurteilten Mörder der selber nicht genau weiß, ob er die Taten begangen hat, fand ich sehr interessant.
Durch die vielen Figuren ist noch nicht von Anfang an klar wer nun wie in die Geschichte verwickelt ist und ich wurde zunächst aufs Glatteis geführt.
Das Ermittler-Duo wirkt auf mich sehr sympathisch, menschlich und nicht zu abgehoben. Es sind weder Langweiler, noch extreme Charaktere wie sie leider zu häufig in der Position des Ermittlers auftauchen. Ich kann mir daher sehr gut vorstellen, weitere Bücher aus der Reihe zu lesen.
Auch der Schauplatz im Taunus nahe Frankfurt hat mir gut gefallen. Die Atmosphäre im Buch wirkt ausgeglichen und stimmig, wobei die regionalen Besonderheiten nicht zu sehr ausgereizt oder ins lächerliche gezogen wurden. So lässt sich das Buch auch für alle gut lesen, die keine Verbundenheit zur Region haben.
Sehr schön ist auch das Cover mit den eingearbeiteten Blutstropfen.
Negativ aufgefallen ist mir, dass der Krimi zu konstruiert wirkt. Es treten zu viele unerwartete Wendungen und Zufälle auf und so ziemlich jeder Dorfbewohner hat Dreck am Stecken. Das war dann doch etwas zu viel des Guten, auch wenn es sich hier um eine fiktive Geschichte handelt. Dies ist auch der Grund, warum "Schneewittchen muss sterben" nicht die volle Punktzahl von mir erhält, obwohl es mich gut unterhalten hat.

Fazit:
Gute Unterhaltung, die den Taunus nach ganz Deutschland bringt.
25.08.2010 11:07:25
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