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Firmin ein Rattenleben

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Beitrag
erstellt am
Sillesoeren

Sillesoeren

(107 Beiträge)

Hier kommt noch eine begeisterte Rezi von mir:

Kein Buch für trübe Herbsttage

Firmin schaute mich vom Cover des Buchs an und hatte all meine Sympathien und mein Mitleid. Auch ohne vorher gewusst zu haben, dass er als 13. Junges seiner Rattenmutter vergeblich nach deren 13. Zitze suchte, wusste ich allein beim Anblick des Covers, um was für einen armen Wicht es sich handelte. Und wie gut doch der Zeichner die Beschreibung des Autors umgesetzt hat! Auch der Rough Cut könnte besser gar nicht zu einer Ratte passen, die sich in Ermangelung von Muttermilch von Büchern ernährt. Oberflächlich gesehen könnte ich mich an die vielen enttäuschten Rezensionen anhängen, die Dialoge und Handlungen vermissten. Genau das macht doch dieses Buch aus! Der arme Firmin ist in einem Rattenkörper gefangen, in dem er eben nicht sprechen, tanzen, schreiben,... kann, sondern ganz auf die Literatur, seine Gedanken und seine Träume zurück geworfen wird. Selbst sein Ausflug zum Park und sein Einzug ins Schuhkarton-Hotel wären aus meiner Sicht nicht nötig gewesen. Wer ein fröhliches Buch erwartet, wird enttäuscht. Mir bleibt das Lachen im Hals stecken, wenn Firmin von "Biblio-Bulimie" schreibt oder feststellt, dass er sich theoretisch zwar in Gebärdensprache verständigen könnte, aber mit seinem Rattenkörper nur "Auf Wiedersehen Reißverschluss" sagen kann. Wer sagt denn auch, dass ein Buch den Leser zum Lachen bringen soll? Ich bin fasziniert von der melancholischen, nachdenklichen und traurigen Stimmung, die so deutlich zeigt, wie sich Menschen verhalten, wenn alles verloren zu sein scheint: Wie also der Buchhändler zwar seinen Laden nicht schließt, aber den Staub nicht mehr wischt. Wie Menschen ihr letztes Geld in ein Pornokino tragen. Wie eine Feuerleiter zum Balkon und damit zum letzten Rest Freiheit wird. Sehr passend finde ich dabei, dass der Autor sein Buch im Boston der 1960er Jahre spielen lässt. Ich mag die bildreiche Sprache des Autors und habe Firmins Umgebung stets vor Augen. Ich liebe die vielen unterschiedlichen Bücher, die aus den Regalen geholt werden. Von den beiden Menschen in Firmins Leben könnte ich wahrscheinlich sogar ein Pantombild zeichnen. Und stets wartete ich gespannt darauf, zu erfahren, wie es denn diese traurige Ratte geschafft hat, ihre Memoiren zu Papier zu bringen. Firmin ist für mich eine ganz typische Leseratte, die trotz aller depressiven Phasen immer noch versucht, das Beste aus ihrem Leben zu machen. Und seine Autobiografie war mir ein angenehmer Lesestoff.
Wer allerdings ohnehin zu Depressionen neigt, dem sei gesagt: dies ist kein Buch für trübe Herbsttage.
18.10.2008 11:06:10
monja1995

monja1995

(33784 Beiträge)

Firmin - Ein Rattenleben von Sam Savage

Inhalt:

Firmin, das letzte und dreizehnte Junge eines Wurfes einer alkoholabhängigen Ratte, wurde im Keller einer Buchhandlung (Pembroke Books) in Boston geboren.
Klein und etwas schwächlich, kam er immer zu kurz, wenn seine Mutter ihren Wurf säugte. Also suchte er sich Ersatz für die fehlende Muttermilch... Am Anfang holte er sich im Keller gelagerte Bücher und fraß sich durch die Seiten.
Mit der Zeit brachte er sich selber das Lesen bei und fraß nur noch die weißen Ränder der Buchseiten, um sich durch die großen und kleinen Schriftsteller der Weltliteratur lesen zu können. Tagsüber beobachtete er den Besitzer des Buchladens und dachte, in ihm einen Freund gefunden zu haben. Jedoch irrte sich Firmin gewaltig. Der Besitzer legte Rattengift aus, das ihn aufgrund seiner Begabung zu lesen nicht viel anhaben konnte.
Langsam machte er sich auf den Weg nach draussen und fiel einem Menschen, der ihn mit seinem Spazierstock schwer verletzte, zum Opfer. Er wurde von Jerry Magoon gefunden, mit nach hause genommen und gesund gepflegt. Bei Jerry konnte er einfach Firmin sein, seiner Leselust nachgehen und wurde auch noch gut mit Brot und Erdnussbutter versorgt. Bis Jerry eines Tages einen Schlaganfall erleidet...

Die Handlung spielt zur Zeit des zweiten Weltkrieges, als Amerika, wie viele andere Länder auch, eine Umschwungphase durchmachte.

Zum Autoren:

Sam Savage hat eine angenehme, unaufdringliche Schreibweise, die den Leser dazu verleitet, bei der Handlung zu bleiben. Jedoch lässt er sich streckenweise dazu verleiten, etwas langatmig und verwirrend zu werden. Danach geht es wieder flüssig weiter.
Lustig beschreibt er, wie Firmin versucht, sich mangels eigener Stimme, die Zeichensprache beizubringen. Was jedoch aufgrund anatomischer Unterschiede zum Menschen nicht gelingen mag.
Savage hat gut über den Zeitabschnitt, den er beschreibt recherchiert, so dass man allein durch Nennung von Namen, die in dieser Zeit in aller Munde waren weiß, wann die Handlung stattfindet.

Meine Meinung:

Es war für Sam Savage sicher nicht einfach, sich in eine Ratte hinein zu versetzen, daher ist das Buch für mich so interessant gewesen. Eine Ratte, die sich quer durch die Weltliteratur liest, lässt für mich nur eine Schlussfolgerung zu: Jetzt ist klar, warum manche Menschen als "Leseratte" bezeichnet werden.
Aufgrund des Covers möchte man annehmen, dass dieses Buch eher für jüngere Leser geeignet ist, was sich aber schnell als Irrtum herausstellt.
25.10.2008 19:11:31
urlaubsbille

urlaubsbille

(1040 Beiträge)

Die Ratte Firmin, kommt als als Schwächster einer alkoholabhängigen Mutter im Keller einer Buchhandlung im Bostoner Stadtviertel Scollay Square zur Welt, bekommt nur selten Muttermilch und ernährt sich daher von Büchern. Erst frißt er sie und dann beginnt er zu entdecken, daß Bücher auch geistige Nahrung sind. Firmin liest sich durch die Weltliteratur und wird dadurch unter seinesgleichen immer mehr zum Außenseiter. Seine erste Liebe, Buchhändler Norman, versucht, Firmin mit Rattengift umzubringen. Das Stadtviertel verfällt, während Firmin sich eine Fantasiewelt erträumt.
Dem Buch fehlt es an Spannung, sprachlich ist es recht anspruchsvoll. Immer wieder begegnen dem Leser Zitate aus der Weltliteratur. Es ist tragisch und lädt zum Nachdenken ein. Das Cover ist passend und auch die Ratte wirkt sehr gut. Zu diesem Buch paßt der Rough-Cut, den ich ansonsten überhaupt nicht leiden kann.
05.11.2008 14:26:01
Lilli33

Lilli33

(24338 Beiträge)

Ich habe mir dieses Buch privat besorgt, obwohl ich schon einige negative Rezensionen darüber gelesen hatte. Aber eigentlich bekommt bei mir jedes Buch eine Chance. Ich breche auch nie ein Buch ab, sonst hätte ich das hier sicher getan.

Sehr ansprechend ist das Äußere des Buchs: das Cover und der Rough Cut passen super zu der Geschichte einer Ratte.

Toll ist auch die Idee: das Leben einer lesenden Ratte in einer Buchhandlung, wobei sich die Ratte durch die gesamte Weltliteratur frisst bzw. liest. Da hätte man sehr viel mehr draus machen können.

Das Ganze ist allerdings absolut langweilig geschrieben, da ist keine Spannung drin, nur viele Wiederholungen. Es passiert nicht wirklich etwas, es gibt keine Dialoge, und die Literatur bleibt leider nur im Hintergrund.

23.12.2008 08:07:05
TinaScheler

TinaScheler

(35880 Beiträge)

Guten Morgen!

Mir ging es haargenau so. Das Cover hat mich angesprochen, beim Lesen des Klappentextes fand ich die Idee nett und den Rest fand ich langweilig, distanziert, einfach enttäuschend.

Ich hab mich halt ein wenig gewundert. Ich habe vor kurzem irgendeine Sendung gesehen, wo Bücher vorgestellt werden. Die wurde von so nem komischen kleinen Kerl mit noch komischerem Namen - glaub ich - moderiert und der war ganz begeistert von dem Buch und hat es als absoluten Lesetipp dargestellt. Männer! *ggg*
23.12.2008 10:08:30
andrea2208

andrea2208

(5122 Beiträge)

Ist schon ein paar Wochen her, aber ich möchte meine Leseeindrücke auch noch posten.

Das Buch hat mich nicht vom Hocker gerissen. Zwar hat das HC ein ansprechendes Äußeres, was aber über die inhaltlichen Schwächen nicht hinwegtäuschen kann. Trotz seiner Kürze hat es so einige Längen. Die Geschichte plätschert so dahin und wird teilweise ermüdend, was mit unter wohl auch dem Fehlen von Dialogen zuzuschreiben ist. Es wirkt recht konstruiert (wie kann eine Ratte Dinge wissen, die es nie gesehen hat - z.B. dass ein Kind den Löffel in der Faust hält usw.)? Firmin wurde für mein Empfinden zu sehr vermenschlicht. Es ist eine Geschichte, die mir wohl nicht länger im Gedächtnis bleiben wird. Es liest sich zwar ganz nett, aber das wars auch schon.
26.12.2008 16:15:52
KlaraDonna

KlaraDonna

(10210 Beiträge)

schubs
05.01.2009 21:11:46
silkedb

silkedb

(17072 Beiträge)

Geschwätzig, aber zum Schweigen verdammt

Inhalt:
Firmin ist eine Ratte. Als jüngstes und schwächstes von 13 Geschwistern musste er sich schon früh andere Nahrungsquellen suchen als die nie für ihn reichende Muttermilch. Geboren im Keller einer Buchhandlung, gebettet auf zerrissenen Buchseiten, versuchte er sich am Papier. So merkte er, dass jedes Buch, jede Seite, sogar jedes Wort seinen unverwechselbaren Geschmack hat. Doch er entdeckte auch noch anderes: Er kann lesen! Und so unterscheidet sich Firmin deutlich von seinen Artgenossen. In seinen Gedanken ist Firmin so gar nicht wie andere Ratten und so entfernt er sich immer mehr vom typischen Rattenleben. Zum Schweigen verdammt, ist er ein Beobachter der Menschen und ohne die Möglichkeit sich nach außen mitzuteilen, lässt uns Firmin teilhaben an seiner Gedankenwelt und seiner Lebensgeschichte ...

Meine Meinung:
"Firmin - Ein Rattenleben" von Sam Savage überzeugt vor allem durch seine Originalität. Das Leben einer Ratte, aus Sicht einer Ratte, die jedoch so gar kein typischer Vertreter ihrer Art ist. Dieses Buch wird besonders für alle Leser faszinierend sein, die ebenfalls begeisterte Buchliebhaber sind.
Firmin wirkt in seinen Beobachtungen und mit seinem Intellekt sehr menschlich. Mit einem Leben als Ratte kann er sich schon lange nicht mehr abfinden. Gerne würde er nicht nur Lesen, sondern sich auch seiner Umwelt mitteilen. Doch hier steht ihm die Rattenanatomie im Weg. Zu klein für übliche Schreibwerkzeuge, zu unbeweglich für die Gebärdensprache und mit keinen Stimmbändern ausgestattet, die ihm eine verständliche Sprache ermöglichen würden. Und so ist dies auch Firmins großes Leid, dass er seine großen Erkenntnisse mit niemandem teilen kann und auch nicht als intellektuelles Wesen wahrgenommen wird. Für den Leser führt dies jedoch auch zu einigen humorvollen Passagen. In seinen Gedanken ist Firmin sehr direkt und schreckt auch nicht vor direkter Kritik an sich selber zurück. Sei es nun sein eigenes groteskes Äußeres, oder auch die negativen Veranlagungen seines Wesens.
Hierbei möchte ich auch die hervorragende Covergestaltung hervorheben, die Firmin genau so darstellt, wie er auch beim Lesen bildhaft vor den Augen erscheint. Auch insgesamt kann die Buchgestaltung überzeugen durch die passende Farbgestaltung und den absichtlich zerfetzt wirkenden Seitenschnitt.
Das einzige was mir am Buch "Firmin" nicht gefallen hat, sind die Nacherzählungen einiger Groschenromane im Text. Darauf hätte gut verzichtet werden können.
Firmin ist bereit jeden zu lieben, der ihm nur ein wenig Aufmerksamkeit gibt und sei es auch nur in seiner eigenen Vorstellung. Dieser Wunsch nach Geltung ist es, die ihn für mich besonders menschlich erscheinen lässt und so kann durch Firmins Analyse und Selbsteinsicht vielleicht noch so mancher Mensch etwas von einer Ratte lernen.

Fazit:
Ein Buch von einem Buchliebhaber für Buchliebhaber und für jeden, der gerne die menschliche Seite einer Ratte kennenlernen möchte.
08.02.2009 13:20:15
tigercat666

tigercat666

(119332 Beiträge)

schubs für meinLuke
04.06.2009 08:58:41
MeinLuke

MeinLuke

(5558 Beiträge)

Danke!
04.06.2009 10:36:16
BineL

BineL

(18436 Beiträge)

Naja, das Buch hat mich nichtb wirklich vom Hocker gerissen.

Eine Ratte, die in einem Bostoner Buchladen der 60er Jahre zur Welt kommt und sich dort buchstäblich durch die Bücher frisst, bis er eines Tages entdeckt, dass auf den Seiten Buchstaben sind, die man lesen kann und damit Bücher auch auf andere Weise verschlingen kann.

Mit seiner Mam, die ständig alkoholisierte Flo, und seinen Geschwistern kann er nicht wirklich viel anfangen. Sie sind ihm zu primitiv. Doch mit Norman, dem Buchhändler sieht es da schon anders aus, bis Firmin merkt, dass auch er ihn nur loswerden will, indem er in mit Rattengift füttert. Doch unser Ratterich überlebt diesen Mordanschlag und flüchtet sich zu Jerry, einem Schriftsteller, der noch berühmt werden will.

Aber auch hier hat er auf Dauer nicht wirklich Glück, denn Jerry kommt bei einem Treppensturz ums Leben.

Das Viertel, in dem die Buchhandlung und das Kino Rialto steht und in dem Jerry lebt, wird abgerissen und so geht Firmin mit dem Viertel unter.

Soweit der Ablauf der Geschichte. Im Prinzip eine sehr nette Idee, die man mit viel Schwung, Witz und Feingefühl hätte umsetzen können, was leider nicht passiert ist. Im Gegenteil: In einer Aufzählung von literarischen Werken und irgendwelchen Pornofilmen wird die Erzählung eingewoben. Damit plätschert der Roman so vor sich hin, wohl in der Hoffnung intellektuell und gebildet zu wirken, zumal auch einige Passagen nicht wirklich nachvollziehbar sind. Ein Ratterich, der auf Menschenfrauen scharf ist? Firmin wirkt mir zu sehr vermenschlicht und verliert dadurch seine Glaubhaftigkeit.

Fazit:

Ich wurde mit diesem Buch nicht wirklich warm und konnte mich partout nicht in die Geschichte einfinden. Ja, ich kann schon behaupten, dass ich mich doch ein bisschen durch das Buch gequält habe und am Ende doch etwas verwirrt das Werk von Herrn Sam Savage aus der Hand legte.

11.06.2009 22:26:36
sumisueffie

sumisueffie

(26 Beiträge)

Liebe zu Büchern ist nicht nur Menschen vergönnt

Als eines der 13 Geschwister wird Firmin geboren. Firmin ist der Kleinste und Schwächste von allen und geht um im Kampf um Nahrung unter. Überleben kann er nur indem er die Bücher frisst, die sich überall um ihn herum befinden. Mit der Zeit merkt Firmin, dass das was er da frisst auch was anderes ist als nur "Nahrungsersatz". Er liest sich durch die Literatur und lernt diese lieben. Dem Autor ist ein sehr schönes aber auch überaus trauriges Buch gelungen.
16.07.2009 22:08:51
Buecherleserle

Buecherleserle

(16899 Beiträge)

Also ich persönlich fand das Buch einfach nur schlecht! Die Zeichnung auf dem Einband fand ich abstoßend und der Rücktext selbst hat schon ein langweiliges Buch versprochen.
Der Inhalt war ein langatmiges Blabla gewürzt mit einer absurden Mischung aus Selbstbeweihräucherung und Selbstmitleid. Aus biologischer Sicht ist es außerdem naiver Blödsinn, daß man sich längerfristig von Papier ernähren kann, mal abgesehen von der giftigen Druckerschwärze, und daß Firmin so schlau ist, daß sein Kopf anwächst, ist auch hirnrissig. Die angerissenen Rezensionen zu irgendwelchen Büchern waren völlig sinnlos, weil zu kurz, und langweilig, wenn man die Bücher noch nicht gelesen hat (ansonsten auch).
Im Großen und Ganzen ist "Firmin" der Beweis dafür, daß Papier geduldig ist und jeder mit der richtigen Werbung berühmt werden kann.
22.07.2009 11:55:17
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