DIE TAUSCHBÖRSE

Das Thomasevangelium. Seine östliche Spiritualität

Verlag:
Walter Verlag
Jahr:
1993
Seitenzahl:
164
ISBN:
9783530724516
Medium:
Taschenbuch
Sprache:
Deutsch
Anbieter:

Artikel angeboten seit:
13.01.2018
Tickets:
2
Zustandsbeschreibung
Aufkleberrest vorne a.d. Cover, Schnitt nachgedunkelt & angeschmutzt, a.S. 1 und 3 Adresse geschwärzt (scheint durch) und dann überklebt, a.S. 1 Datum mit Bleistift
Artikelbeschreibung
"Dies sind die geheimen Worte, die Jesus der Lebendige sprach und die Didymus Thomas aufgeschrieben hat."
(Eingangsworte des Thomasevangeliums)
Die apokryphe Schrift geht auf den Apostel Judas, genannt Thomas (aramäisch: Zwilling) oder griechisch Didymus zurück und wurde um 100 n. Chr. in Syrien schriftlich niedergelegt. Es kann als das 5. Evangelium (griech.: Frohe Botschaft) angesehen werden. In griechischer Sprache verfasste Fragmente waren bereits 1890 (wieder)entdeckt worden, aber erst durch die 1945 in Oberägypten gefundenen "Nag Hamadi Kodizes" (in Leder gebundene Papyri mit koptischer Schrift) kam sein kompletter Inhalt wieder ans Tageslicht. Von der literarischen Gattung her ist es eine Spruchsammlung. Es besteht aus 114 überlieferten Aussprüchen Jesu, sogenannten Logien (vgl. griech. logos= das Wort) und ist keine Ergänzung der Überlieferungen um sein Wirken, Leben und Tod. Die eine Hälfte der Logien hat Parallelen in den synoptischen Evangelien. Die Logien der anderen Hälfte besitzen einen gnostischen Charakter und sind bisher teilweise völlig unbekannt gewesen.
In Teil I. des Buches werden zunächst Aufbau, Wesen, Inhalt und Botschaft des Evangeliums erläutert. Wie bei allen gnostischen Schriften, wird der Mensch nicht als sündig, sondern unwissend betrachtet. Jesus ist der Erleuchtete, der die Menschen auf ihr ursprüngliches Wesen aufmerksam macht und sie dazu auffordert in das Lichtreich (Königreich Gottes) einzugehen. Es gibt Parallelen zwischen einzelnen Logien Texten der Manichäer, bei denen die Überwindung der Dualität und Rückkehr zum Urzustand (Ungrund) anhand von Gleichnissen offenbart wird. Da das stark spiritualisierte Lichtreich jedoch bereits gegenwärtig ist, fehlt dem Thomasevangelium die eschatologische Ausrichtung auf die Zukunft. Ebenso fehlt ihm der ekklesiologische Gedanke. da es jedem Einzelnen die Zusage zum Eingang (Rückkehr) ins Lichtreich erteilt, wird klar, warum es schon von Kirchenväter, wie Ireaneus, Hippolytus und Epiphanius gefürchtet und als häretisch bekämpft wurde. Setzt sich doch die selbsterlangte Erkenntnis des Einzelnen (Gnosis) über jegliche Autorität hinweg und macht jede hierarchische Organisation ? mit all ihrer Macht, Dogmen und Konzilen- überflüssig.
Thomas wird als geistesverwandter Bruder von Jesus vorgestellt. Neben der Frage, ob er vielleicht wirklich sein Zwilling gewesen sein könnte, wird auch erörtert, ob er oder Jesus möglicherweise nach Indien (dortige "Thomaschristen") gereist waren. Wie der Untertitel des Buches "seine östliche Spiritualität" bereits andeutet, gibt es verblüffende Kongruenzen mit dem Buddhismus (Hsin-Hsing-Ming) und dem Hinduismus (Bhagava Gîtâ). So findet man die Sublimation von Bedürfnissen und die Askese als Frucht eines erfahrungsreichen Lebens sowohl bei Buddha, als auch bei Franz von Assisi. - Der (Wieder)eintritt in das Reich Gottes durch Transzendierung der Welt. Auch die gnostische Trinitätsvortellung "Logos-Christos-Sophia" findet dort ihre Entsprechungen. Die Verbindung zu den Essenern von Qumran und der Übergang zur Esoterik und Hermetik ist fließend. Daneben wird auch das Fortwirken gnostischer Vorstellungen bei den Manichäern und Katharern beschrieben. Schließlich wird darauf hingewiesen, dass das "Gesetz von Bewegung und Ruhe im Universum" seine Bestätigung in der Quantenmechanik findet.....
In Teil II werden die 114 Logien vorgestellt und interpretiert. Das Buch kann jedem Leser, der an Religion(en) interessiert ist, empfohlen werden und ist mit 4 Amazonsternen zu bewerten.

Ama-Rezension
Schlagworte
sumsemann

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