DIE TAUSCHBÖRSE

Fama. Eine Geschichte des Gerüchts

Verlag:
Berlin Verlag
Jahr:
1998
Seitenzahl:
320
ISBN:
9783827002662
Medium:
Hardcover
Sprache:
Deutsch
Anbieter:
(175)

Artikel angeboten seit:
21.02.2011
Tickets:
4
Zustandsbeschreibung
Guter Zustand!
Artikelbeschreibung
Hätte man auf dem Höhepunkt des Lewinksky-Clinton-Skandals ein passenderes Buch vorlegen können? Keine Frage, Hans-Joachim Neubauers Kulturgeschichte des Gerüchts kommt zur rechten Zeit. Andererseits: Wann käme ein Ausflug ins "Reich des Hörensagens" je zur Unzeit? Gerüchte gibt es, seitdem Menschen miteinander reden. Formeln wie "man sagt", "es heißt", "ich habe gehört" nimmt jeder in den Mund. Wen interessiert es, ob es wahr ist? Wichtig sei nur, schreibt Neubauer, daß es aktuell ist. Die Sache mit der Glaubwürdigkeit erledigt sich von selbst. "Es ist so, weil es alle sagen, und alle sagen es, weil es so ist." Wo sollte man da einhaken? Neubauer, von Haus aus Literaturwissenschaftler, nähert sich der vielgesichtigen Figur des Gerüchts als rhetorischem Phänomen. Für ihn sind Gerüchte selbstbezüglich, immer zugleich Information und Verweis auf die Kommunikationssituation: "Wer sie erwähnt, meint eine Nachricht und zugleich ihr Medium, die Botschaft und den Boten." Deshalb sei nicht schon das ein Gerücht, was alle sagen, "sondern das, von dem man sagt, daß es alle sagen". Den Versuch einer theoretischen Fixierung der Fama unternimmt Neubauer nur kursorisch. Das trägt viel bei zum Vergnügen an diesem Buch, ohne daß man sich intellektuell unterfordert fühlen müßte. Im Vordergrund stehen die Episoden aus der abendländischen Gerüchteküche, an denen Neubauer sein Fama-Modell ausprobiert. Der Parcours führt von Vergil und Ovid über die römischen Imperatoren zur allegorischen Literatur und Kunst der Renaissance und des Barock und endet im Internet -- Neubauers Geschichte des Gerüchts ist also auch eine Geschichte des Medienwandels. Im Zentrum des Buchs steht allerdings die Frage nach dem historischen Zusammenspiel von Krieg und Gerücht. Beispiel Zweiter Weltkrieg: Hier diente die Gerüchteproduktion gezielt als strategisches Instrument psychologischer Kriegsführung. Auf deutscher wie auf amerikanischer Seite war längst nicht mehr die Flut der Gerüchte, sondern nur noch der Schaden zu begrenzen: "Feind hört mit" oder "Zip your lip and save a ship". Ein kluges, gutgeschriebenes Buch, ein Beispiel dafür, daß Wissenschaft keineswegs trocken, geschweige denn der Zeit hinterher sein muß. Dies ist mit Sicherheit eine der ersten Kulturgeschichten, die im Register zwischen Lessing und Louis XV. den Namen einer gewissen Praktikantin aufführt. Neue Zürcher Zeitung Das historische Buch Von der Macht des Hörensagens Die Geschichte des Gerüchts nach Hans-Joachim Neubauer Bedeckt mit unzähligen Augen, Ohren und Zungen, geistert Fama, die Göttin des Gerüchts, als allegorische Darstellung durch die Geschichte der europäischen Kultur. In der einen Hand hält sie das «schwarze Blechhorn Übelruf», in der anderen lockt die «Goldtrompete Lobeklar». Oft schreitet sie kräftig aus - und erlangt im Gehen schliesslich jene Kraft, die auch ihren göttlichen Brüdern, den Giganten, eigen war. Sogar der angeblich mächtigste Mann der Welt kann sich ihr nicht entziehen: Bill Clintons Glaubwürdigkeitsprobleme begannen mit der Reaktion auf ein Gerücht. Für einmal wurde seine Agenda von dem bestimmt, «was die Leute sagen». Die Furcht davor kannten schon die alten Römer. Pheme, Fama, Rumor - das Hörensagen scheint eine Konstante menschlicher Vergesellschaftung zu sein. Wie kann da einer eine Geschichte des Gerüchts schreiben? Wohl nur dank einem sanften Ebenenwechsel. In Hans-Joachim Neubauers «Fama» verschwinden die Gerüchte in den Untergrund und machen einer Geschichte des gesellschaftlichen Umgangs mit dem Hörensagen Platz. Sein Buch untersucht die Funktion der Bildung antiker Mythen über Pheme und Fama, es stellt literarische Werke vor, die sich mit dem Phänomen auseinandersetzen, und es handelt von der wissenschaftlichen Gerüchteforschung der neuesten Zeit. So entsteht eine Meta-Geschichte des Gerüchts...
Schlagworte
Fama. Eine Geschichte des Gerüchts Hans-Joachim Neubauer Geschichte Kulturgeschichte Berlin Verlag G