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Grammatik - Deklination von Eigennamen?

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Beitrag
erstellt am
smaragd12

smaragd12

(9033 Beiträge)

Ich habe gerade zwei Kölnkrimis von Petra Schier gelesen und da hat mich etwas fürchterlich irritiert.

Die Heldin ist Apothekerin mit einem Geschäft an einem Platz, der "Alter Markt" heißt.

Wenn sie nun in der Geschichte über den Platz geht, dann heißt, sie geht über den Alter Markt. Ich finde, es müsste heißen: sie geht über den Alten Markt.

Wie seht Ihr das?

12.11.2007 10:13:33
Feelicitas

Feelicitas

(19351 Beiträge)

genau so.
12.11.2007 10:16:04
Baerbel58

Baerbel58

(4132 Beiträge)

Deine Irritation kann ich verstehen. Ich war am Wochenende in Köln und fragte eine gebürtige Kölnerin (die es nach Hessen verschlagen hat), wo die Feierlichkeiten zum 11.11. statt finden. Und sie sagte mir: Am Heumarkt und am Alter Markt. Da habe ich mich dasselbe gefragt wie Du und bin sehr gespannt auf weitere Antworten...
12.11.2007 10:18:30
ElkeJ

ElkeJ

(17586 Beiträge)

Ich habe das grade mal gegoogled. Tante Wiki
http://de.wikipedia.org/wiki/Alter_Markt_(K%C3%B6ln)

sagt dazu:

"Der heutige Name Alter Markt ist ein feststehender Eigenname und wird nicht flektiert."


12.11.2007 10:29:37
Feelicitas

Feelicitas

(19351 Beiträge)

wie unschön :-(
12.11.2007 10:30:58
Nieselpriem67

Nieselpriem67

(8358 Beiträge)

Bastian Sick hat das Thema in seinem Zwiebelfisch auch schon behandelt:

In Deutschland gibt es viele breite Straßen, große Straßen und lange Straßen, und es gibt große Märkte, alte Märkte und neue Märkte. Nur müssen sie nicht überall gleich heißen. Der eine feiert Weihnachten auf dem Alten Markt, der andere Karneval auf dem Alter Mark

Frage eines Lesers aus Brandenburg:

Die Breite Straße in Berlin und die Breite Straße in Potsdam verführen aufgrund ihrer Breiten zu schneller Fahrt. Deshalb kommen sie häufig in den Warnungen des Verkehrsfunks vor: "Ein Blitzer steht auch in der Breite Straße." Müsste es nicht "in der Breiten Straße" heißen?

Antwort des Zwiebelfischs:

In Berlin und Potsdam kenne ich mich leider nicht so gut aus und weiß daher nicht, wie die Berliner und Potsdamer ihre Straßen behandeln. Ich selbst stamme aus Lübeck, und auch dort gibt es eine Breite Straße, die im Dativ selbstverständlich zur Breiten Straße wird.

Die Hohe Straße in Köln hingegen widersetzt sich der Grammatik und bleibt unveränderlich. So sagt der Kölner ganz selbstverständlich: "Ich steh hier auf der Hohe Straße." Und er sagt auch: "Ich geh auf den Alter Markt". (Er spricht es allerdings etwas anders aus, es klingt eher wie "Ich jehe op d'r Alder Maat", und außerdem wird es mehr gesungen als gesprochen.)
Wer in Köln von der "Hohen Straße" spricht und auf den "Alten Markt" geht, der kennt sich zwar mit der hochdeutschen Grammatik aus, ist aber offensichtlich kein Kölner.

Auch in anderen Städten gibt es Lange Straßen und Alte Märkte, die nicht gebeugt werden. Was es allerdings nicht gibt, ist eine Regel, die einem sagt, wann die Unterlassung der Beugung erlaubt ist und wann nicht.

In Hamburg gibt es eine Straße namens Lange Reihe, und wer dort bummeln geht oder ins Café, der tut dies an der Langen Reihe. Dasselbe gilt für den Neuen Wall. Im Unterschied zum Kölner beugt der Hamburger seine Straßennamen, und darin ist er konsequent. So wird selbst der Stadtteil Rotherbaum im Dativ zum Rothenbaum: Beugung trotz Zusammenschreibung und historischem "th", das ist wahrhaft hanseatisch! Wer also vom "Tennis am Rotherbaum" spricht, der mag zwar Ortsschilder lesen können, ist aber offensichtlich kein Hamburger.

Ob man auf den Alten Markt geht oder auf den Alter Markt, das ist nicht eine Frage von richtig oder falsch, sondern von Geschichte und Tradition. In einigen Gegenden ist der Name irgendwann erstarrt und wurde fürderhin nicht mehr gebeugt, in anderen blieb er lebendig und wird auch heute noch wie ein normales Hauptwort behandelt. Im Zweifelsfall gilt das, was die Eingeborenen sagen. Wenn die Berliner von "Bauarbeiten auf der Breite Straße" statt "auf der Breiten Straße" sprechen, dann will ich das gerne akzeptieren. Schließlich ist es ihre Breite Straße, so wie es auch "dem Kölner singe Alder Maat" ist.

12.11.2007 10:34:50
Fuexxle

Fuexxle

(2092 Beiträge)

Meines Wissens werden Eigennamen an den Kasus angepasst. Man sagt ja auch "Svens Buch" und nicht "Sven Buch" (es sei den man ist in Schwaben, da heißt es "dem Sven sein Buch" ;-) )

Normal ist es ja, dass im Deutschen Satz die Verben verschiedene Satzglieder fordern, die einen bestimmten Kasus tragen müssen (auch der jeweilige Kasus wird normalerweise vom Verb gefordert). Dieser Kasus muss irgendwo innerhalb des Satzgliedes deutlich gemacht werden (normalerweise am Artikel, Adjektiv, Nomen und/oder Pronomen). Das heißt, es müsst "am Alten Markt" heißen.

Da jetzt aber die beiden Gegenbeispiele jeweils aus Köln kommen, könnte es natürlich sein, dass es dort regional oder zumindest bei diesem Namen anders gehandhabt wird.
Es gibt ja viele Fälle, die dialektal, regional oder in der gesprochen Sprache anders gemacht werden, als es die Schriftsprache oder die Grammatik vorschreiben.
12.11.2007 10:36:54
Baerbel58

Baerbel58

(4132 Beiträge)

Danke, Nieselpriem, so etwas habe ich mir doch gedacht. Die Kölner sind halt etwas eigen. Ich denke aber, als Nicht-Kölner kann man das ruhig beugen, den Dialekt können wir sowieso nicht...
12.11.2007 10:39:20
Buchliese65

Buchliese65

(1994 Beiträge)

Nein, in Köln spricht man immer und nur vom Alter
Markt.
Einen Alten Markt gibt es in Köln nicht.

Man fragt ja auch nicht: Wo ist der Alte Markt?

Sondern: Ich möchte zum Alter Markt.

:-))
12.11.2007 10:49:42
Baerbel58

Baerbel58

(4132 Beiträge)

Also gut, dann werde ich mir Mühe geben: Ich war am Sonntag auf dem Alter Markt.

Na - geht doch!
12.11.2007 10:50:03
Buchliese65

Buchliese65

(1994 Beiträge)

ganz toll, Baerbel
:-))
12.11.2007 10:58:43
smaragd12

smaragd12

(9033 Beiträge)

Na gut, ich wohne nicht in Köln und muss auch auf diesen Platz.

Und mit den beiden Büchern muss ich mich auch nicht mehr viel ärgern; eines ist schon weggetauscht und eines reserviert. Aber ganz ehrlich: ich finde diese fehlende Beugung so hässlich, dass ich schon deswegen die Bücher nicht behalten will.

Danke allen, die hier für Aufklärung gesorgt haben.
12.11.2007 13:33:47
nicki04

nicki04

(23227 Beiträge)

Bei uns gibt es eine "Lange Straße". Mein Bruder hat eine Weile dort gewohnt und ich wäre nie auf die Idee gekommen, zu sagen: "Er wohnt an der Langen Straße". Mein Bruder wohnte immer an der Lange Straße.
12.11.2007 16:22:11
senta99

senta99

(34602 Beiträge)

... und die Breite Str. in Köln ist gar nicht so sehr breit ... *g*
12.11.2007 17:01:26
hoerbuecherwurm

hoerbuecherwurm

(1646 Beiträge)

@ smaragd: Ich find's ja auch immer unschön, wenn ich das Gefühl habe, dass AutorInnen die deutsche Sprache nicht beherrschen. Aber in dem Fall muss ich doch sagen, dass es der Autorin definitiv anzukreiden wäre, wenn sie vom Alten Markt, der Breiten Str. etc. sprechen würde, denn so ist das im Rheinland nunmal!
12.11.2007 17:45:44
Nina2401

Nina2401

(1345 Beiträge)

Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass sich ein "Nichtrheinländer" darüber ärgern könnte *lol*

Gruß
Nina
12.11.2007 21:50:56
frolleinvomamt

frolleinvomamt

(2688 Beiträge)

In meiner Zeit als Korrektorin sind mir da auch nette Sachen untergekommen.
In einem Buch hieß es "in Weil der Stadt". Der Lektor des Verlages hat es berichtigt in "in der Stadt Weil". Also hab ich angemerkt, dass es doch korrekterweise heißen müsse "in Weil der Stadt".
Der Redakteur, der das so verbogen hatte, hat die Lehre nicht angenommen; es steht also immer noch falsch im Buch.

Apropos: Der Alter Markt irritiert mich auch immer, aber das ist wohl richtig so ;-)
12.11.2007 23:18:28
glassilass

glassilass

(5113 Beiträge)


Ohje!

Das verwirrt ja die kleine schüchterne Schwedin, die die Grammatik nur sehr dürftig beherrscht, total... Wie soll ich jemals ein "ordentliches Deutsch" lernen...?

Ich glaube, ihr müsst weiterhin mit meine Fehler leben müssen, auch wenn es den Augen weh tut...

Tut mir leid, aber versprochen, ich gebe mir immer Mühe, auch wenn es nicht immer so scheint ;-)

13.11.2007 09:40:30
Fuexxle

Fuexxle

(2092 Beiträge)

@glassilass,
Mach dir mal keinen Kopf deswegene. Die Hälfte der Deutschen beherrscht die deutsche Grammatik und auch die deutsche Sprache nicht richtig. Und seit der Einführung der neuen deutschen Rechtschreibung interessiert sich auch keiner mehr dafür...

Also schreibe einfach so, wie du annimmst, dass es richtig ist. Du würdest eher auffallen, wenn du alles korrekt schreiben würdest ;-)
13.11.2007 09:57:41
Fuexxle

Fuexxle

(2092 Beiträge)

Wobei es sich in diesem Fall ja um regionale und dialektale Varianten handelt, die auch nur in diesem dialektalen Bereich richtig sind.
So etwas gibt es in Schweden ja auch und auch da ist es ja nicht schlimm, wenn man nicht alle Varianten kennt. Man outet sich dadurch höchstens als jemand, der halt nicht zu der jeweiligen Gruppe gehört.
13.11.2007 09:59:58
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