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Leseprojekt - PROUST

 
Beitrag
erstellt am
elfi67

elfi67

(62521 Beiträge)

wir reden ja vermutlich von einer zeit, in der kinder ihre eltern gesiezt haben, das war ja in frankreich noch bis weit in das letzte jahrhundert hinein absolut üblich. also schon ein sehr distanziertes eltern-kind-verhältnis...
01.06.2010 08:01:57
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Hm, ich weiß nicht, ob es bei Proust eine Kinderfrau gegeben hat. Im Lexikon, was sehr genau alle fiktiven und realen Personen um Proust erwähnt, ist jedenfalls keine Rede davon.

Proust wurde sehr früh asthmakrank. Seine Mutter übernahm in diesen Perioden auch seine schulische Ausbildung. Sie und die Großmutter sind aus diesem Grund oft mit ihm in die Seebäder gereist. Nicht nur im sg. Proust-Fragebogen, der keine eigentliche Prousterfindung ist, werden Mutter und Großmutter stets als wichtigste Bezugspersonen genannt. Bis zum Tod der Mutter, gab es einen regen Briefverkehr mit ihrem Sohn. Ich kann darin keine Distanz sehen.
01.06.2010 08:43:23
Kleine_Raupe

Kleine_Raupe

(4807 Beiträge)

Hallo alle miteinander!
Ich bin aus dem Urlaub zurück, mit dem Buch habe ich allerdings noch nicht angefangen. Ich werde mich heute mal dranwagen, aber ich bin mir mittlerweile nicht mehr so sicher, ob ich es momentan schaffe, da ich mit meiner Staatsarbeit anfangen muss und noch für zwei Prüfungen lernen muss...
01.06.2010 09:18:00
elfi67

elfi67

(62521 Beiträge)

gehen wir davon aus, dass wir einen sehr streng autobiografischen roman lesen? ich habe das kind bisher einfach als kind betrachtet, nicht als den jungen marcel proust!
01.06.2010 12:54:38
huuriluuri

Mitglied gelöscht

 

Ich glaube man kann die Recherche schon als Autobiographie Prousts lesen, wenngleich natürlich die realen Lebensumstände eine künstlerische Überformung erhalten haben.

An einer Stelle des Romanzyklus soll wohl auch der Name des ansonsten anonymen Ich-Erzählers erwähnt sein, der Marcel lautet.
01.06.2010 13:32:18
muncy

muncy

(12868 Beiträge)

Mir geht es da wie elfie. Ich bin auch von einem Kind in der Zeit ausgegangen, als ich das mit der Kinderfrau geschrieben habe.

Ich glaube, dass auch wenn das Verhältnis zur Mutter nahe war, es immer noch viel distanzierter war als es heutzutage ist.
Daher ist der abendliche Kuß was besonders.
01.06.2010 13:39:26
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Streng autobiographisch ist er nicht, da hat elfi schon recht.
Das Lexikon sagt dazu:

"In einem Brief an Lucien Daudier, der dieser Verwissung ein Ende bereitet, präzisiert Proust, daß es sich durchaus um einen Roman handelt und nicht um eine ichbezogene Autobiographie. Er hat zudem Züge von sich selbst auf andere Personen - wie Swann, Charlus, Bergotte, Elstir, octave oder Vinteuil- übertragen."

Trotzdem stehen viele Ereignisse im Roman in engen Zusammenhang mit dem Leben von Marcel Proust.
01.06.2010 13:51:09
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Toi, toi, toi, kleine Raupe, Prüfungen gehen natürlich vor. Du kannst ja später wieder mitlesen.
01.06.2010 13:54:35
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Ja, natürlich war das Verhältnis anders als in der heutigen Zeit.

Wahrscheinlich gab es ja auch eine Kinderfrau, genug Domestiken waren vorhanden, eventuell hat ja auch die echte Françoise die Aufgabe mit erfüllt.
Trotzdem habe ich den Eindruck, daß eine sehr Enge Mutter-Sohn-Beziehung vorhanden war.
01.06.2010 13:59:44
muncy

muncy

(12868 Beiträge)

Den Eindruck kann ich bestätigen, den habe ich auch.

Ich denke, dass es in der damaligen Zeit selten war, dass die Mutter noch zu einem Gute-Nacht-Kuss zum Kind geht.

Dagegen habe ich eher ein Bild vor Augen, wie die Kinder oder ein Kind, angeleitet von der Kinderfrau zu den Eltern hingeht, die selbstverständlich gesiezt werden, und ihnen einen Kuss zur Guten Nacht gibt, auf die Wange. (jeder hat so seine Vorurteile ;-))
01.06.2010 17:48:20
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Die Szene, die du schilderst, würde ich eher ein Jahrhundert früher oder dem Adel zuordnen.

Die Eltern des Erzählers stammen aus dem wohlhabenden, akademisch gebildeten und besonders in Frankreich liberalen Bürgertum. Sie verbringen ihre Zeit ja durchaus mit dem Jungen, Spaziergänge, Vorlesen, etc.. Ich finde man kann schon von einer Familienintimität sprechen. Beim Weiterlesen entdecken wir sicher noch mehr Hinweise, die wie schon die Bereitschaft der Mutter bei dem Jungen zu schlafen. Von Distanziertheit kann ich da wenig entdecken.
01.06.2010 18:40:18
muncy

muncy

(12868 Beiträge)

Die Onkelszene habe ich gelesen, einfach schön die Naivität des KIdnes. Auch diese Sichtweise von Marcel, das seine Sicht die einzig mögliche ist. Aus dieser Sicht heraus erzählt er ja seinen Eltern von der Begegnung.
Es schimmert ein Begreifen hervor, dass andere Menschen auf die gleiche Begebenheit eine andere Sicht haben, das die eigene Sicht, die eigenen Gedanken nicht alles sind.


Weiter bin ich leider nicht gekommen. Gestern im Zug war das Lesen einfach unmöglich.
03.06.2010 08:07:22
elfi67

elfi67

(62521 Beiträge)

in meiner aupair-mädchen-zeit bei einer akademischen pariser familie habe ich gelernt, dass die eltern früher ihre eigenen eltern noch gesiezt haben... *nurmalsoanmerk*
04.06.2010 13:37:23
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Das Siezen habe ich auch nicht gemeint. Elfi, Du könntest also locker das Original lesen, Du weißt ja, die Übersetzung verliert immer. ;-)
04.06.2010 14:55:25
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Rückblicke, Erinnerungen und Spaziergänge gab es auf den letzten hundert Seiten.

Wir lernen zwei sehr amüsante Personen kennen, den arroganten Bloch und den Schwätzer Legrandin.
Am besten gefällt mir, daß auf diesen Seiten die drei großen Leidenschaften des Erzählers zur Sprache kommen. Die Liebe zum Theater - man vergleiche den Starkult der Jugendlichen damals mit dem heutigen. Die Liebe zur Literatur - genaue Ausführungen zum Lesen und zum Schreiben von Büchern- und die Liebe zu Gilberte.
Diese drei Dinge scheint der Lieblingsautor Bergotte, eine Erfindung Prousts, in sich zu vereinen. Er kennt die angesagten Schauspielerinnen und er unternimmt mit Gilberte Bildungsexkursionen. Der junge Marcel wird ein wenig neidisch und eifersüchtig und beginnt sich bereits in die Tochter Swanns zu verlieben, obwohl er sie bisher nur in den Weißdornblüten herbei phantasiert hat. Kurz darauf kommt es zu wirklichen Begegnung, natürlich beim rosa Weißdornbusch, der nebenbei auch der Lieblingsstrauch der Hypochondertante ist, deren Launen er mit der despotischen Bosheit Ludwigs XIV vergleicht.

Proust lesen funktioniert nur mit Geduld und Zeit, ich bin froh, daß ich nicht allzu viel nebenher lese. Außerdem ist es voller Details und Geschichten. Wenn man tatsächlich eines Tages am Ende angekommen sein wird, kann man gleich noch mal von vorne anfangen.
04.06.2010 17:28:16
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Sehr gelacht habe ich auch über die Beschreibung der Caritas von Giotto, die die "Schätze der Erde unter ihre Füße" tritt; "und wenn sie Gott ihr Herz in Flammen darbietet, so reicht sie es ihm eigentlich in einer Weise heraus, wie eine Köchin einen Korkenzieher aus dem Kellerfenster jemandem hinhält, der am Parterrefenster stehend ihn von ihr haben will."

Köstlich, das Bild muss ich mir ansehen.

Welche Stellen haben Euch besonders gefallen?
04.06.2010 17:39:14
huuriluuri

Mitglied gelöscht

 

Die Kunstbetrachtungen haben mir auch sehr gut gefallen.

Hier zwei Links zu den erwähnten Fresken von Giotto in der Arenakapelle:


Neid:
http://www.zeno.org/Kunstwerke/B/Giotto di Bondone: Arenakapelle in Padua: Die Missgunst

Caritas:
http://www.zeno.org/Kunstwerke/B/Giotto di Bondone: Arenakapelle in Padua: Die Barmherzigen

04.06.2010 17:53:06
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Hier die Korkenzieher-Caritas

http://de.wikipedia.org/wiki/Cappella_degli_Scrovegni
04.06.2010 18:02:52
muncy

muncy

(12868 Beiträge)

Hinke zur Zeit etwas hinterher, hoffe aber heute zum Proust lesen zu kommen.

Es fällt schwer nebenbei noch anderes zu lesen. Wenn es ein ganz anderes Genre wie Krimi oder Fantasy ist geht es, aber bei Mrs Dalloway tu ich mich schwer, das jeweils gelesene gedanklich zu trennen, dem jeweiligen Roman zuzuordnen.

Aber neben Proust wirken andere Bücher noch trivialer, als es die meisten schon sind.
05.06.2010 05:36:30
Babicka

Mitglied gelöscht

 

Der frühe Morgen ist die beste Tageszeit zum Proust lesen ;-)
(sofern man keine Termine hat)
05.06.2010 10:10:08
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