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Leseprojekt - PROUST

 
Beitrag
erstellt am
huuriluuri

Mitglied gelöscht

 

Ich verstehe den Satz in diesem Kontext auch ironisch. Proust will nicht das Theodizee-Problem umfassend erörtern aber die Bezugnahme lässt sich trotzdem nicht verleugnen.

zur Gretchenfrage:
Proust ist ja offenbar in einem sehr weltlichen Haushalt groß geworden. Sein Vater war Naturwissenschaftler, seine Mutter war nur den Wurzel nach Jüdin.



Bei der Marcel Proust Gesellschaft habe ich ich einen etwas längeren Aufsatz zu der Frage "Proust und die Bibel" gefunden:
http://www.dmpg.de/marcel_proust/iessay/bibel.pdf

Ich habe ihn jetzt nur mal kurz angelesen, finde ihn aber sehr interessant.




20.06.2010 19:40:26
Leonina

Leonina

(110 Beiträge)

Meiner Ansicht nach kann man den Satz nicht anders als ironisch lesen. Auch wenn man ihn als schlichte Aussage nimmt, deutet er ja gerade nicht auf Gläubigkeit hin, sondern definiert den Glauben sozusagen als eine Marotte des Gehirns, die rationalen Erkenntnissen Hohn spricht. Das deckt sich schon ein wenig mit den Erkenntnissen der modernen Hirnforschung, die den Glauben ja auch in einemSchläfenlappen lokalisiert.

Was ich übrigens nicht verstehe, Atalante, ist, wo Du hier Selbstkonditionierung erkennst. Wahrscheinlich kann ich mit dem Begriff generell wenig anfangen. Könntest Du mich mal erleuchten?
20.06.2010 19:57:25
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Als Selbstkonditionierung würde ich die Weißdornepisode bezeichnen. Mehrere Seiten später, S. 246, räsoniert er darüber, daß er manchmal Personen zugeneigt ist, weil diese ihn an Weißdorn erinnern, und erst später feststellt, daß die Sympathie nur eingebildet ist.

"Durch die Tatsache, daß sie in mir verschiedene Eindrücke unauflöslich miteinander verknüpft haben, weil ich sie in ihnen zu gleicher Zeit erlebte, haben mich (...).Denn oft habe ich einen Menschen wiedersehen wollen, ohne mir darüber klar zu sein, daß es nur deswegen war, weil er mich an eine Weißdornhecke erinnerte..."

Ein interessanter link, huuriluuri, gibt es auch einen zu Deinem Namen. ;)
20.06.2010 20:32:54
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Im Glaubenszitat schlägt er ja eine schöne Volte von der Verblendung väterlicher Liebe über die Vertrauensseligkeit von Patienten zum Fatalismus der Gläubigen. Wenn man es isoliert sieht, wäre es ein Aufmacher für ein evangelikales Leseheftchen. ;)
20.06.2010 20:38:53
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Da sich niemand mehr gemeldet hat, gehe ich davon aus, daß ihr alle mit Swann schmachtet und am Wochenende über die ersten hundert und noch was Seiten dieser Amour Fou diskutieren wollt.
22.06.2010 10:13:26
Leonina

Leonina

(110 Beiträge)

Ja, gute Idee.

Liest sich leichter (und schneller?)

Wer ist denn noch dabei?

Wenn das Wetter sich hält, werde ich unter dem Apfelbaum lesen. Finde ich angemessen.
22.06.2010 17:42:30
elfi67

elfi67

(62526 Beiträge)

bin dabei, hab auch schon angefangen, aber bin zu erörterungen im moment nicht so recht in der lage. nebenher kämpfe ich mit dem neuen irving, der sich ungleich zäher liest als alles, was wir mit swann erleben...
22.06.2010 19:24:36
huuriluuri

Mitglied gelöscht

 

Das Hörbuch von Leonina ist heute bei mir angekommen. Wer noch Interesse daran hat, kann sich bei mir melden.
24.06.2010 11:15:34
sdulcamara

sdulcamara

(28670 Beiträge)

ich höre gerade den ersten teil noch mal.
mal sehen ob beim hören und auf englisch die feine ironie mal bei mir ankommt. die langen schachtelsätze sind in der englischen übersetzung, wie erhofft, deutlich leichter verständlich.
26.06.2010 20:25:21
muncy

muncy

(13033 Beiträge)

Bin immer noch dabei und mir fehlen jetzte nur noch wenige Seiten bis zum Ende des ersten Teils.

Wie weit seit Ihr im zweiten Buch? Konnte das im Thread jetzt nicht so schnell finden.
27.06.2010 22:08:51
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Wir wollten bis Sonntag die ersten 100 Seiten gelesen haben. Ich bin leider noch nicht soweit und muss Euch auf morgen vertrösten.
28.06.2010 18:06:17
elfi67

elfi67

(62526 Beiträge)

ich habe es auch nicht geschafft und muss noch weiter vertrösten. sorry! das lesen bleibt sowas von auf der strecke im moment...
29.06.2010 16:54:20
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Wie hat Euch der erste Teil dieser Liaison zwischen Swann und Odette gefallen?

Swann scheint zunächst gar nicht zu bemerken, wie ihm geschieht und warum er diesen "kleinen Kreis" der Verdurins jeden Abend besuchen will oder eher muss. Eigentlich findet er diesen Salon unsäglich langweilig. Der beflissene Verdurin und seine überkandidelte Gattin müssen sich ihre Gäste mühsam zusammen suchen. Wie Legrandin drehen sie den Spieß um, und finden die Leute der "Besseren Gesellschaft", die nicht bei ihnen verkehren möchten, einfach zu langweilig um sie zu empfangen. Aus Frauenmangel werden dann auch halbseidene Geschöpfe wie Odette empfangen.

Swanns Unentschlossenheit, seine gleichzeitige Abneigung und Anziehung Odettes, finde ich sehr gut nachvollziehbar für einen Lebemann, der das Gefühl des Verliebtsein sich nicht eingestehen will, weil er es vielleicht gar nicht mehr erkennt. Die Spielchen, die er mit Odette treibt, werden ihm letztendlich selbst zum Verhängnis, das in den Cattleyas endet.

Spätestens auf S. 322 habe ich Odette als dumme Nuss tituliert, nicht ohne mich zu fragen, ob Proust frauenfeindlich ist, Mütter und Großmütter natürlich ausgenommen.

Wie findet ihr Odette?

Ebenso kann ich auch Swanns negative Einschätzung einer Botticelli-Schönheit und seine Bevorzugung des Frauentyps Miss Piggy nicht verstehen. Aber ich bin auch kein Mann, Proust eigentlich auch nicht. ;)
01.07.2010 12:23:07
muncy

muncy

(13033 Beiträge)

Ich habe beim Lesen ein wenig aufgeholt und habe jetzt ca. die ersten 50 Seiten gelesen.

Mir fällt dieses Buch zum Teil leichter zu lesen als das andere, wahrscheinlich weil weniger Beschreibung von Orten und Gegenstände vorhanden sind.

Wir wissen ja aus dem ersten Buch, dass die beiden heiraten werden.

Spannend finde ich zu lesen, wie sie zueinander kommen, vor allem da Swann Odette am Anfang nicht anziehend findet. Aber dennoch ihre Nähe sucht.

*grübel* warum eigentlich?

Auch ist mir jetzt entfallen, wo sich die beiden das erste Mal getroffen haben. Spontan hätte ich gesagt bei den Vendurins, aber da hatte Odette Swann ja als ihren Freund eingeführt.

*seufz* Nachher nochmal nachlesen.
01.07.2010 14:18:55
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Gute Frage, muncy, das kann ich auch nicht ohne Nachschlagen beantworten.

Findet Ihr nicht auch, daß dieser Doktor ein herzallerliebster Zeitgenosse ist?Etwas tumb aber bemüht. Diese Ahnungslosen können allerdings in der Kreation neuer Redensarten sehr amüsant sein.

Eine meiner Bekannte löffelt ausgesprochen gerne die heißen Kohlen aus. Wohl bekomms. ;)
01.07.2010 14:28:01
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

In meinem Blog findet Ihr jetzt den Eintrag zu unserem vorletzten Abschnitt, den Spaziergängen nach Méséglise und Guermantes. Ich habe noch ein paar schöne Photos aus der Gegend gefunden und verlinkt.

In den nächsten Tagen gibt es dann etwas zu Swann und Odette.
01.07.2010 19:49:06
muncy

muncy

(13033 Beiträge)

Swann wird Odette im Theater vorgestellt durch einen Bekannten.

02.07.2010 00:17:47
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Dieser Bekannte behauptet noch dazu, daß Odette sich schwer erobern lasse. ;)
02.07.2010 14:26:42
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Ich habe gestern Michael Maar, Proust Pharao gelesen. Ein dünnes Buch mit mehreren Essays zu Proust und der Recherche. Sehr unterhaltsam zu lesen und man erfährt sehr viel, vielleicht sogar mehr als in einer dicken Biographie. Tante Léonie war eindeutig nach eignem Vorbild gestrickt, hinter jeder Angebetenen verbirgt sich natürlich ein Angebeteter. Sehr interessant ist auch der Vergleich zwischen der Recherche und dem Zauberberg, die ja fast gleich entstanden sind.

Ein empfehlenswertes Buch für alle Proust-Adepten.
03.07.2010 12:38:16
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Wie wäre es, wenn wir die nächsten beiden Abschnitte festlegen. Ich finde, es bietet sich S. 353-503 an, damit wäre "Eine Liebe von Swann" beendet. Dann bliebe vom ersten Band noch der dritte Teil "Ortsnamen", S. 507-563.

Vielleicht könnten wir tatsächlich so in zwei bis drei Wochen mit dem zweiten Band der Recherche beginnen.

Was meint ihr dazu?
04.07.2010 13:38:21
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