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Leseprojekt - PROUST

 
Beitrag
erstellt am
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Nachdem Swann und Odette schon länger liiert sind, Swann besucht schon seit einem Jahr, wenn nun auch seltener, den "Kleinen Kreis" der Verdurins, beschert das Auftauchen Forchevilles ihm Eifersucht und uns eine der schönsten Szenen dieses zweiten Teils.
Die Provokationen Forchevilles, gemischt mit den Bemerkungen und Angebereien der anderen Gäste, rufen bei Swann nur äußerst coole Reaktionen hervor. Das hat Stil und führt die Borniertheit der anderen erst so richtig vor. Leider ist Odette auch in der Gruppe mit hohem Erklärungsbedarf. ;)
04.07.2010 13:46:26
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Leonina, huuriluuri, muncy, elfi, es ist doch Wochenende, ich erwarte ein winzig kleines Lebenszeichen. Bei Anna K. hatten wir wenigstens Wronskjiy Gaul um ins Gras zu beißen. ;)
04.07.2010 20:40:17
huuriluuri

Mitglied gelöscht

 

*leb*

Ich bin momentan auf S. 320, hinke als noch leicht hinterher. Mit der weiteren Leseinteilung bin ich einverstanden.

Bei der Suche nach Botticellis Sephora bin ich auf ein interessantes Buch gestoßen, indem alle erwähnten Bilder aus der Recherche versammelt sind und dem jeweiligen Textstellen gegenübergestellt werden:

Karpeles: Marcel Proust und die Gemaälde aus der verlorenen Zeit."


Und hier die gute Sephora:


http://tinyurl.com/375583t
04.07.2010 21:45:02
huuriluuri

Mitglied gelöscht

 

"Ebenso kann ich auch Swanns negative Einschätzung einer Botticelli-Schönheit ... verstehen."

Wie meinst du das genau?



04.07.2010 21:56:16
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Selbstzitat: Ebenso kann ich auch Swanns negative Einschätzung einer Botticelli-Schönheit und seine Bevorzugung des Frauentyps Miss Piggy nicht verstehen.

;)


04.07.2010 23:52:48
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Also die genauen Zitate müsste ich nun noch suchen, abgesehen davon, daß Proust natürlich weder auf die Botticelli Mädels noch auf die Landschönheiten je etwas gab, sondern eher den feschen Ragazzi zugeneigt war, äußert sich jedoch der Marcel diese Buches so, daß der Anblick eines drallen blonden Superweibes in ihm mehr Entzücken auslöste als der einer ranken klassisch-griechischen Jungfrau, was ich natürlich überhaupt nicht nachvollziehen kann.

Schön, daß du noch lebst, huuriluuri. Erkläre doch mal endlich Deinen Namen.
05.07.2010 00:01:12
huuriluuri

Mitglied gelöscht

 

Auf die Stelle bin ich noch nicht gestoßen.

Aber ich finde die Frage generell sehr spannend: Warum Odette?

Wieso beginnt er sich erst auf sie einzulassen, obwohl sie ihm rein optisch erst gar nicht reizt, (auch intellektuell kann sich nicht mal annähernd das Wasser reichen) und er offenbar durchaus auch offenbar jede Frau bekommt, die ihm wirklich gefällt? War es reine Eitelkeit, weil sie ihm gleich von Anfang an, das Gefühl gegeben hat, sehr wichtig für ihn zu sein?


Er verliebt sich ja erst ihn sie, als er die Ähnlichkeit zu einer Botticelli-Figur bemerkt. Durch die Vermittlung der Kunst, wird die reale Odette überhöht.

"...wenn eine Frau mit welkenden Reizen sie gewährt, nun, wo sie zur Krönung der anbetenden Bewunderung für ein Meisterwerk wurden, für ihn etwas Übernatürliches und Köstliches bekamen." (S. 298)

Seine persönlichen optischen Maßstäbe sind damit ja hinfällig geworden.


________________
OT:
"huuriluuri" ist ein Wort aus dem Schweizer Jenischen (Sprache der fahrenden Bevölkerung) und bedeutet "Flugzeug". Irgendwann bin ich mal in einer Monographie auf das Wort gestoßen und fand Klang und Optik lustig. Bei TT hab ich mich dann so genannt, weil ich nicht erst lange nach einem nicht-vergebenen Namen suchen wollte.

05.07.2010 09:04:09
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

S. 289f., Swann glaubt, wenn er Odette merken lässt, daß er sich noch mit anderen Frauen trifft, erhöhe dies ihre Aufmerksamkeit. Seine Wahl fällt auf eine Arbeiterin, die "frisch und blühend wie eine Rose, an Schönheit in seinen Augen Odette bei weitem übertraf und in die er verliebt war".

Da müssen wir vielleicht dieses "verliebt sein" bei Swann erst einmal definieren. ;)

Stimmt, die Botticelli-Stelle hatte ich nicht richtig gelesen. Durch die Ähnlichkeit mit der Sephora idealisiert er Odettes Erscheinung und bastelt sich so gleichzeitig eine Rechtfertigung, warum er sich dauernd "ergebnislos" mit Odette trifft.
Es scheint ihm selbst unerklärlich.

Als sich auch bei Odette eine gewisse Gefühlsermüdung bemerkbar macht, treibt Swann seine Spielchen noch weiter und schickt ihr diese Vorwurfsbriefchen, damit sie ihm wieder Liebesbriefe schreibt.

Bewusst wird ihm jedoch erst sein Zustand als er sich der anscheinenden Verfügbarkeit Odettes nicht mehr sicher ist. Allerdings kann er ihn sich immer noch nicht erklären.

S. 314, "er war sich darüber klar, daß Odettes Vorzüge es nicht rechtfertigten, daß die in ihrer Nähe verbrachten Augenblicke ihm so wertvoll waren."

_____
OT: Interessant!


05.07.2010 10:05:02
muncy

muncy

(13033 Beiträge)

habe ein paar Tage nur leichte Literatur gelesen. Für Proust war es mir einfach zu warm.
05.07.2010 20:22:30
Leonina

Leonina

(110 Beiträge)

Ihr Lieben, "ins Gras beißen" ist gar nicht so weit her geholt. Ich wurde mit Blaulicht und Sirene ins Krankenhaus geschafft: Allergischer Schock. Bis seit heute zu Hause, aber unglaublich klapprig. Ich kann nicht mal Zeitung lesen, geschweige denn Proust. Ich verfolge aber mit Interesse Eure Kommentare und werde versuchen, Euch auf den Fersen zu bleiben.
06.07.2010 21:30:18
huuriluuri

Mitglied gelöscht

 

Ach herrje, ich wünsch dir gute Besserung Leonina!
06.07.2010 22:19:43
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Von mir ebenfalls herzliche Genesungswünsche, leonina.

Vielleicht träumst Du einfach ein bißchen von Combray bei einem Glas Tee und einer Madeleine.
07.07.2010 14:20:54
elfi67

elfi67

(62526 Beiträge)

ich trau mich schon gar nicht mehr hier reinzugucken :-(

gelesene wörter in den letzten zwei wochen: null.
leider komme ich euch zur zeit nicht nach. in anderthalb wochen ist urlaub. dann werde ich aufholen.
07.07.2010 15:52:01
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Das wird schon, elfi! ;)

Ist vielleicht irgendeiner von Euch schon bei der peinlichen Fenster-Szene angelangt?

Ich habe mich gefragt, in wie vielen Filmen und Romanen ich dieser Szene schon begegnet bin, ohne zu wissen, daß es ein Zitat sein könnte, bewußt oder unbewußt?
09.07.2010 15:30:59
huuriluuri

Mitglied gelöscht

 

So weit habe ich noch nicht gelesen. Momentan bin ich auf S. 353, habe also gerade das Dinner mit Forcheville bei den Verdurins abgeschlossen. Gesellschaftssatire vom Allerfeinsten.

10.07.2010 12:51:25
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Ja, diese Szene finde ich bisher auch am besten, s.o..

Swann tut mir hingegen oftmals richtig leid. Aber so ist dies, wenn man verliebt ist, macht man sich gerne zum Affen. ;)
10.07.2010 15:26:48
huuriluuri

Mitglied gelöscht

 

Die Beziehung wird immer asymmetrischer. Swann fokussiert seine komplette Aufmerksamkeit auf Odette und organisiert sein Leben um sie herum. Sie hingegen verhält sich von Mal zu Mal abweisender.

Allerdings scheint in kurzen Momenten die Erkenntnis durch, dass das Interesse an dieser Frau nichts mit ihr selbst zu tun haben, sondern in ihm selbst begründet ist. Diese Liebe hat ihn wie eine Krankheit befallen, die einer Heilung bedarf. (S. 369)
12.07.2010 15:29:07
huuriluuri

Mitglied gelöscht

 

Nachtrag:

Zum Abschluss der Dinnerszene führt der Erzähler die ganze Gesellschaft noch einmal mittels Madame Verdurin herrlich vor:

"Das ist so einer, der einem ins Gesicht freundlich tut und schlecht über einen redet, sobald man den Rücken kehrt." (S. 352)

Scheinheiligkeit par excellence.
12.07.2010 15:51:16
Buecherleserle

Buecherleserle

(18416 Beiträge)

*lach* Ich habe gerade erst entdeckt, daß Ihr "Eine Liebe Swanns" lest, sonst hätte ich hier schon früher mal reingeguckt.
Bin ja mal gespannt, wie es Euch gefällt. Ich fand es irgendwie ... hmmm... merkwürdig? *vorsichtig ausgedrückt*
12.07.2010 16:02:39
huuriluuri

Mitglied gelöscht

 

Das Leserle macht eine Stippvisite. *g*

Proust zu lesen erfordert schon viel Konzentration. Die momentanen Temperaturen machen die Lektüre auch nicht unbedingt einfacher. Und ich blicke noch sehr verschüchtert auf die vor uns liegenden Tausende von Seiten, auch wenn mir Proust bisher gefällt.

Vor kurzem habe ich ein Haiku entdeckt, das ganz gut auf meine Empfindung passt:

"Die kleine Schnecke / ganz langsam steigt sie hinauf / auf den Berg Fuji." (Kobayahi Issa)
12.07.2010 16:51:18
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