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Leseprojekt - PROUST

 
Beitrag
erstellt am
Buecherleserle

Buecherleserle

(18416 Beiträge)

Hi huuriluuri!
*rüberwinke*

Ich vermute, ich hatte auch eine miese Übersetzung? Keine Ahnung. Aber mir hat auch der Stil nicht gefallen. Deshalb bin ich gerade sehr erstaunt, daß bisher die Kritik bei Euch doch sehr positiv ausfiel. Ich bin offensichtlich kein Proust-Typ.
12.07.2010 17:00:07
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Kennst Du die Verfilmung mit Alain Delon, Bücherleserle? Ich fand sie ganz gut.

Ich frage mich, warum Odette sich Swann entzieht. Es wird wahrscheinlich daran liegen, daß sie sich ihrer Rolle als Geliebte bewusst ist. Da musste man sich schon zur rechten Zeit einen frischen Mann suchen, der die nötigen Ausgaben aufzuwenden bereit ist.

Sie ahnt wahrscheinlich nicht, daß Swann sie wirklich liebt, und entgegen aller gesellschaftlichen Regeln zu einer Heirat bereit wäre. Aber das scheint er selbst ja auch noch nicht zu ahnen. ;)

Oder denkt Ihr, daß ihr Verhalten berechnend ist?
12.07.2010 17:32:48
huuriluuri

Mitglied gelöscht

 

Ich denke sie merkt, dass sie ihn erstmal sicher hat und daher nicht wirklich um ihn kämpfen muss. Da bleibt Zeit für die Erschließung weiterer Finanzquellen. Man weiß ja nie wann die Liaison zu Ende ist.

Außerdem hat sie offenbar immer weniger Respekt vor ihm. Vielleicht weil er sich immer mehr erniedrigt. Die Meinung des Verdurin-Kreises hat bestimmt auch sehr viel Einfluss auf Odette.

Wahrscheinlich langweilt sie sich auch mit Swann. Sie kann mit seinen Interessen einfach nicht viel anfangen. Forcheville scheint dann doch eher ihre Augenhöhe zu sein.

Dass Odette diese Beziehung nicht beendet, liegt nach meiner Auffassung also weniger an der Person Swanns, als vielmehr an seinem Vermögen. Insofern wirkt sie schon seht berechnend.
12.07.2010 18:04:31
Buecherleserle

Buecherleserle

(18416 Beiträge)

Hi Atalante!
Nein, die Verfilmung kenne ich nicht. Vielleicht schaue ich sie mir irgendwann einmal an.

Ich hatte auch den Eindruck, daß Odette langsam einen Ekel vor Swann entwickelte, weil er sich so anbiederte. Auf diese Weise hat er auch offen gezeigt, daß er etwas festes will. Das scheint sie um so mehr abzustoßen. Vor allem, daß sie sich ja in den Dandy und nicht in das "Weichei" verliebt hatte.

Wenn Ihr zu Ende gelesen habt, werdet Ihr es aber verstehen.
12.07.2010 18:52:08
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Odette ist, wie Marcels Großvater sagte, eine Kokotte. Sie lebt von den reichen Kerlen, die sie finanzieren, natürlich nicht ohne entsprechende Gegenleistung. Polygam mit Nutzeffekt. Eine bürgerliche Hochzeit liegt normalerweise nicht im Bereich ihrer Möglichkeiten. Swann nervt sie, weil er sie bedrängt und sich nicht um die unausgesprochene Abmachung, Odettes Leben außerhalb der Rendezvous zu ignorieren, kümmert.
12.07.2010 19:56:16
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Ich leide immer noch mit Swann und merke da haben schon viele mitgelitten und diesen Liebeskummer in ihr Oeuvre einfließen lassen. Man denke nur an den liebenden Mann alias Goethe alias Walser.

Was Walser, Genazino, Ortheil, Bachmann und viele andere mehr über ihre Erfahrungen mit Proust mitteilen, liest man sehr schön im Suhrkamp-Tb "Marcel Proust, Leseerfahrungen".
16.07.2010 17:36:31
Leonina

Leonina

(110 Beiträge)

Hi, ich will mal versuchen, mich wieder einzuklinken.
Wo seid Ihr denn? Ich habe diese gräßliche Fenstergeschichte gelesen. Ziemlich deprimierend, und es ist fast nicht zu glauben, wie dieser weltgewandte Gentleman so die Maßstäbe verliert. Er kann doch eigentlich nichts anderes erwartet haben. Macht Liebe so blind? Und Botticelli hin oder her, kann man das Liebe nennen?
Bringt eine alte Frau mal auf das Laufende!

Und vielen Herzlichen Dank für die guten Wünsche - geht leider langsamer als gedacht.
19.07.2010 19:05:00
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Hallo leonina, schön, daß es Du Dich wieder hier melden kannst.

Ich habe das Liebesleid von Swann seit einigen Tagen beendet. Verstehen kann ich ihn sehr gut. Er erkennt ja erst sehr spät, daß er von Odette nicht geliebt wird. Bis dahin durchleidet er alle Qualen des oft vergeblichen Wartens und der Eifersucht. Ich finde, Proust hat sehr gut diese Gefühle getroffen. Dieses Aufsuchen von Orten, die die geliebte Person besuchen könnte, um wenigstens auf ihren Spuren zu wandeln und so indirekt in Berührung zu kommen.

Für mich wenig vorstellbar ist, daß Swann ja, wie wir aus dem ersten Teil wissen, schließlich Odette doch geheiratet hat, obwohl er sich am Ende des zweiten Teils anscheinend erfolgreich entliebt hat.
19.07.2010 20:15:29
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Zum liebenden Swann gibt es ab sofort einen Blog-Eintrag bei atalantes.
20.07.2010 18:09:18
huuriluuri

Mitglied gelöscht

 

Wunderbar! Den les ich dann mal gleich.
20.07.2010 18:22:30
Leonina

Leonina

(110 Beiträge)

Ich habe in einem par force Ritt Swanns Welt durcheilt. Anstrengend.

Wunderbar lesen sich die von Ironie triefenden Berichte aus der Gesellschaft, diese Schilderung des "Unser Lied" Musikstücks ist bezaubernd, aber die Innenansichten sind mir zu narzistisch. Mein Gott nehmen sich diese Leute wichtig- entspricht aber sicherlich der Realität dieser Gesellschaft.

Atalante, Dein Blog ist sehr einfühlsam und gibt das wieder, was der Autor uns vermitteln will. Und trotzdem muss ein Mann dieser Gesellschaftsschicht von Anfang an gewusst haben,,wen er in Odette vor sich hatte. Es wäre für ihn einfach weltfemd gewesen, anzunehmen, dass eine Frau, die sich auf diese Weise aushalten lässt, eine Unschuld vom Lande sein könnte.

Das ist für mich nicht schlüssig. Soll ich nun Herrn Swann oder Herrn Proust für naiv halten?

Und wie geht es jetzt weiter? Nächstes Buch?
21.07.2010 17:33:03
huuriluuri

Mitglied gelöscht

 

Danke Atalante, du hast eine schöne Zusammenfassung verknüpft mit eigenen Gedanken geschrieben.

Monsieur Proust ist einfach blind vor Liebe. Er trägt in sich ein Bild von Odette, dass mit der realen Person nicht viel gemeinsam hat.
21.07.2010 18:38:26
MissPhoenix

MissPhoenix

(10035 Beiträge)

Ich habe gerade noch eine Proust-Leseblockade ;) wo seid Ihr denn inzwischen, damit ich Euch irgendwann wieder einholen kann (könnte)? :)
21.07.2010 19:05:27
huuriluuri

Mitglied gelöscht

 

Ich stecke auf S. 400. Atalante hat die "Liebe" abgeschlossen und Leonina anscheinend den ganzen ersten Band (?).
21.07.2010 19:13:08
Leonina

Leonina

(110 Beiträge)

Nee, um Gottes Willen. Ich bin auf Seite 503. Jetzt kommt, käme: Dritter Teil Ortsnamen, Namen überhaupt. Kann ich mir gar nichts drunter vorstellen. Soll ich mal reinschnuppern? Sind nur 60 Seiten.

Was sagt Ihr denn zu dem Musikerlebnis? Ich bin ganz begeistert. Habe ich schon zweimal gelesen.
21.07.2010 21:43:25
Leonina

Leonina

(110 Beiträge)

Übrigens Atalante, was die Heirat angeht: ich nehme an, dass er der gemeinsamen (?) Tochter einen ehelichen Status geben will. Er muss sich über die gesellschaftlichen Folgen für ihn im Klaren gewesen sein. Einen anderen Grund kann ich mir nicht vorstellen. Aber wir werden ja sehen. Oder meinst Du, die Liebe flackert wieder auf?
21.07.2010 21:47:58
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Ganz bestimmt kannte Swann Odettes Ruf. Sie wurde ihm geradezu empfohlen und der Zusatz, daß sie schwer zu erobern sei, hat ihn vielleicht angespornt, obwohl sie nicht sein Frauentyp ist. Zwischendurch vergnügt er sich mit kleinen rosig-molligen Arbeiterinnen.

Huuriluuri hat es ja schon gesagt, er rechnet überhaupt nicht damit, daß er sich verliebt. Geplant waren wohl nur ein paar körperliche Zusammentreffen, und selbst diese nicht so recht.

Abgesehen davon, wie Proust die Sentiments beschreibt die mit dem Hören dieses Musikstückes verbunden sind, fand ich diese Passage ein wenig langatmig. Ich hab's nicht so mit Musik und halte es eher mit Wilhelm Busch. "Musik oft störend wird empfunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden." ;)

Umso interessanter finde ich die Liste der Künstler und Kunstwerke, die Proust uns präsentiert. Außer Botticelli und Vermeer habe ich noch Pieter de Hooch, Antonio Rizzo, Rembrandt, Frans Hals und den Bildhauer der Nike von Samothrake erwähnt gefunden.

Ich muss mir unbedingt das weiter oben von Huuriluuri zitierte Buch über die Gemälde bei Proust ausleihen.

Außerdem sind mir noch einige Schriftsteller aufgefallen: Dumas, Mademoiselle de Scudéry, Georges Ohnet. Von dem letztgenannten habe ich noch nie etwas gehört.


Man könnte also noch ein ganzes Kapitel über die Kunst in Swanns Welt aufmachen.
22.07.2010 16:34:12
Atalante

Atalante

(9977 Beiträge)

Ach ja die Heirat, keine Ahnung, warum es soweit kommen musste. Um zu sehen, ob Du mit Deiner Vermutung recht hast, müssen wir also unbedingt weiterlesen.

Mir hat ehrlich gesagt Combary besser gefallen als Swann, ich habe schon einige Seiten des dritten Teils gelesen, der mich wieder an Combray erinnert.

Heute habe ich mir "Im Schatten junger Mädchenblüte" bestellt.
22.07.2010 16:39:08
Leonina

Leonina

(110 Beiträge)

Also, ich bei leider eher unmusikalisch, aber mir ist bei der Lektüre der Gedanke gekommen, ob Proust hier in der Schilderung der Musik nicht auch seine eigene Gestaltungsweise beschreibt?

Es ist ja auch auffallend, dass das Musikstück sozusagen seine Beziehung zu Odette einrahmt, zu Anfang, als er sich verliebt und am Ende als, er während des Hörens, das ihn nach wie vor ergreift, erkennt, dass seine Liebe zu Ende geht.

Du hast bestimmt Recht, mit den Gemälden sollte man sich auch befassen. Bei dieser hintergründigen Gestaltung stehen sicher auch Sujet und Gestaltung in Bezug zum Inhalt des Buches.

Was glaubt Ihr, wieviele Leute die Recherche wirklich gelesen haben? Eine Zeitlang war es ja schick, so nebenbei anzugeben, dass Proust immer auf dem Nachttisch läge. Er wird schon da gelegen haben . . .

Was mir übrigens auch im Gedächtnis bleibt, ist diese Schilderung der Bediensteten "mit ihren Windhundgesichtern". Man sieht den Raum förmlich um sich herum. Starke Schilderung. Hat durchaus etwas erotisches, oder?
22.07.2010 20:05:39
huuriluuri

Mitglied gelöscht

 

Die Rolle der Musik finde ich auch eine spannende Frage. Ich habe auch den Eindruck, dass sie ebenso wie die Malerei, ein Medium der Liebe ist. Sie hat anfänglich zur Verstärkung der Liebe beigetragen.

Was mich noch so ein bisschen bewegt ist die Beschreibung der Liebe als Krankheit. Verwendet Proust das lediglich als Metapher oder ist für ihn der Zustand wirklich pathologisch?

Ich denk mal die ersten beiden Bücher der Recherche werden schon häufiger gelesen. Aber dann hört es wahrscheinlich schon auf.

23.07.2010 09:48:43
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