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Das Leben kleben - Marina Lewycka
Beitrag
erstellt am
(6710 Beiträge)
Wieder nur ein weiterer Frauenroman? Oder was möchte uns Marina Lewycka mit diesem Titel nur sagen? Passen Abhandlungen aus der Welt der Klebstoffe in einen Roman? Sie passen - wie die Faust aufs Auge und ihre kurzen Einführungen sorgen für eine ganz besondere Note in dem neuesten Werk der Autorin. Genauso wie die ganzen herrlich skurrilen Personen, die in das Leben von Georgie Sinclair treten, plötzlich und unvorbereitet.
Georgie hat ihren Mann vor die Tür gesetzt, jetzt ist sie alleine mit ihrem Teenager Sohn Ben, der ihrer Meinung nach viel zu häufig vor seinem Computer klebt. Eines Tages lernt sie ihre alte schrullige Nachbarin Naomi Shapiro kennen, die alleine mit ihren Katzen in einer riesigen, verwahrlosten Villa haust. Als sie nach einem Unfall im Krankenhaus landet, tritt der Sozialdienst auf den Plan, der sie am liebsten enteignen und die Villa auf nicht ganz koscheren Wegen gewinnbringend verkaufen möchte. Georgie kommt hinter die Machenschaften und versucht mit allen Mitteln, sie zu enttarnen und Naomi zu helfen. Die beiden Immobilienmakler Mark Diavollo und Nick Wolfe sind ihr dabei - wenn auch nicht ganz uneigennützig - eine große Hilfe. Genauso wie Miss schlechter Aal vom städtischen Sozialdienst, die sich dafür einsetzt, dass Senioren so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden bleiben können. Und dann gibt es noch Mr. Ali, einen All-Round Handwerker mit seinen beiden nichtsnutzigen Neffen. Sie alle wirken wie Karikaturen, völlig skurril und überzogen und eigentlich nicht von dieser Welt. Aber wenn man dann einen Blick hinter ihre Masken wirft, erkennt man Geheimnisse, Verzweiflung und vielschichtige Charaktere, die das Leben geprägt hat.
Wann genau haben sich eigentlich die vielen ernsten Töne eingeschlichen? Davon gibt es eine Menge, denn Marina Lewycka spielt die Melodie des Lebens nicht nur an, sie vertieft sie und bringt den Leser zum Nachdenken und vor allem dazu, Blicke hinter Fassaden zu werfen. Ben, der glaubt, die Endzeit ist nah und sich auf diversen obskuren Websites erkundigt, kommt mit der Trennung seiner Eltern eigentlich ganz gut zurecht. Aber er weiß nicht, was er glauben soll - können sich denn Millionen von Menschen wirklich so irren? Einfühlsam beschreibt die Autorin die verwirrenden Gefühle eines Teenagers, der sich mit allen möglichen Glaubensrichtungen beschäftigt und einfach nicht das Richtige findet. Wer ist Naomi Shapiro wirklich? Auf der Suche nach Papieren stößt Georgie auf einige Ungereimtheiten und merkwürdige Photos und Briefe. Sie reichen weit in die Vergangenheit und enthüllen erschütternde Schicksale im Nationalsozialismus. Besonders schockierend ist der Lebensbericht von Mr. Ali, der aus Palästina fliehen musste, als der Staat den vertriebenen Juden des Zweiten Weltkriegs versprochen wurde. Unfassbar auch die Ignoranz den Senioren gegenüber und deren Hilflosigkeit, sich skrupellosen Geschäftemachern entgegenzusetzen, die ihre wertvollen Besitztümer gewinnbringend für sich ausnutzen wollen. Ein Fünkchen Wahrheit ist bestimmt enthalten in der Art und Weise, wie Naomi Shapiro im Krankenhaus und anschließend im Altersheim behandelt wird.
Marina Lewycka bringt uns all diese ernsten Themen näher, oft mit einer Spur Ironie und Alltagswahnsinn. Ihr Stil ist flüssig und man merkt kaum, wie die Seiten fliegen. Selbst die trockenen Abhandlungen über die verschiedenen Klebstoffarten schildert sie einprägsam und absolut fesselnd. Ihre Sprache ist recht bildhaft und nicht zu übertrieben, wenn die Situationskomik mal wieder zuschlägt. Ihr sprachliches Spiel mit Namen ist sehr gelungen und sorgt für so manchen Schmunzler. Sie beschönigt nichts und mehr als einmal steigen einem beim Lesen nicht nur angenehme Düfte in die Nase. Insgeheim fragt man sich, ob Menschen wirklich so leben wie Naomi Shapiro, aber davon wird es bestimmt mehr geben, als man glaubt.
Fazit
Ein unheimlich vielschichtiges Buch hat uns Marina Lewycka hier präsentiert. Sie schafft es, ernste Themen in einen skurrilen Roman zu verpacken, ohne sie ins Lächerliche zu ziehen. Ein Buch, was den Leser zum Lachen bringt, zum Nachdenken anregt und einfach nur unheimlich gut unterhält. Diese Mischung ist der Klebstoff, der den Leser an das Buch fesselt und ihn auffordert, doch einmal genauer in die Gesichter seiner Nachbarn zu schauen.
LG
Patty
Georgie hat ihren Mann vor die Tür gesetzt, jetzt ist sie alleine mit ihrem Teenager Sohn Ben, der ihrer Meinung nach viel zu häufig vor seinem Computer klebt. Eines Tages lernt sie ihre alte schrullige Nachbarin Naomi Shapiro kennen, die alleine mit ihren Katzen in einer riesigen, verwahrlosten Villa haust. Als sie nach einem Unfall im Krankenhaus landet, tritt der Sozialdienst auf den Plan, der sie am liebsten enteignen und die Villa auf nicht ganz koscheren Wegen gewinnbringend verkaufen möchte. Georgie kommt hinter die Machenschaften und versucht mit allen Mitteln, sie zu enttarnen und Naomi zu helfen. Die beiden Immobilienmakler Mark Diavollo und Nick Wolfe sind ihr dabei - wenn auch nicht ganz uneigennützig - eine große Hilfe. Genauso wie Miss schlechter Aal vom städtischen Sozialdienst, die sich dafür einsetzt, dass Senioren so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden bleiben können. Und dann gibt es noch Mr. Ali, einen All-Round Handwerker mit seinen beiden nichtsnutzigen Neffen. Sie alle wirken wie Karikaturen, völlig skurril und überzogen und eigentlich nicht von dieser Welt. Aber wenn man dann einen Blick hinter ihre Masken wirft, erkennt man Geheimnisse, Verzweiflung und vielschichtige Charaktere, die das Leben geprägt hat.
Wann genau haben sich eigentlich die vielen ernsten Töne eingeschlichen? Davon gibt es eine Menge, denn Marina Lewycka spielt die Melodie des Lebens nicht nur an, sie vertieft sie und bringt den Leser zum Nachdenken und vor allem dazu, Blicke hinter Fassaden zu werfen. Ben, der glaubt, die Endzeit ist nah und sich auf diversen obskuren Websites erkundigt, kommt mit der Trennung seiner Eltern eigentlich ganz gut zurecht. Aber er weiß nicht, was er glauben soll - können sich denn Millionen von Menschen wirklich so irren? Einfühlsam beschreibt die Autorin die verwirrenden Gefühle eines Teenagers, der sich mit allen möglichen Glaubensrichtungen beschäftigt und einfach nicht das Richtige findet. Wer ist Naomi Shapiro wirklich? Auf der Suche nach Papieren stößt Georgie auf einige Ungereimtheiten und merkwürdige Photos und Briefe. Sie reichen weit in die Vergangenheit und enthüllen erschütternde Schicksale im Nationalsozialismus. Besonders schockierend ist der Lebensbericht von Mr. Ali, der aus Palästina fliehen musste, als der Staat den vertriebenen Juden des Zweiten Weltkriegs versprochen wurde. Unfassbar auch die Ignoranz den Senioren gegenüber und deren Hilflosigkeit, sich skrupellosen Geschäftemachern entgegenzusetzen, die ihre wertvollen Besitztümer gewinnbringend für sich ausnutzen wollen. Ein Fünkchen Wahrheit ist bestimmt enthalten in der Art und Weise, wie Naomi Shapiro im Krankenhaus und anschließend im Altersheim behandelt wird.
Marina Lewycka bringt uns all diese ernsten Themen näher, oft mit einer Spur Ironie und Alltagswahnsinn. Ihr Stil ist flüssig und man merkt kaum, wie die Seiten fliegen. Selbst die trockenen Abhandlungen über die verschiedenen Klebstoffarten schildert sie einprägsam und absolut fesselnd. Ihre Sprache ist recht bildhaft und nicht zu übertrieben, wenn die Situationskomik mal wieder zuschlägt. Ihr sprachliches Spiel mit Namen ist sehr gelungen und sorgt für so manchen Schmunzler. Sie beschönigt nichts und mehr als einmal steigen einem beim Lesen nicht nur angenehme Düfte in die Nase. Insgeheim fragt man sich, ob Menschen wirklich so leben wie Naomi Shapiro, aber davon wird es bestimmt mehr geben, als man glaubt.
Fazit
Ein unheimlich vielschichtiges Buch hat uns Marina Lewycka hier präsentiert. Sie schafft es, ernste Themen in einen skurrilen Roman zu verpacken, ohne sie ins Lächerliche zu ziehen. Ein Buch, was den Leser zum Lachen bringt, zum Nachdenken anregt und einfach nur unheimlich gut unterhält. Diese Mischung ist der Klebstoff, der den Leser an das Buch fesselt und ihn auffordert, doch einmal genauer in die Gesichter seiner Nachbarn zu schauen.
LG
Patty
04.04.2010 12:26:04
(170 Beiträge)
"Das Leben kleben" -
schon den Titel machte mich neugierig: "Was ist wohl damit gemeint?"
Es war passiert: Georgie ist ausgerastet, weil ihr Mann sich nicht vernünftig um sie kümmert, sondern immer nur um seinen Job.. Und er verlässt sie. Sie schmeißt seine Sachen in den Container, doch von dort kramt sich eine alte Frau die Schallplatten wieder heraus.. Der Beginn einer sehr dubiosen Verbindung. Als die alte Frau ins Krankenhaus kommt, gibt sie Georgie als Bekannte an...
Es folgen turbulente Zeiten, das Haus der alten Frau steht wird zum Begehr mehrerer Leute und Georgie versucht alles, um der Frau - Mrs. Shaipro - zu helfen, obwohl sie sie eigentlich gar nicht kennt. Es finden sich immer mehr Menschen verschiedenster Herkunft, die an dem weiteren Werdegang beteiligt sind
Persönliche Meinung:
Das Buch liest sich sehr flüssig und trotz mangelnder Spannung liest man doch immer gern schnell weiter. Gestört haben mich die Erzählungen der Menschen, die tiefe religöse und politische Hintergründe haben, was ich nicht gern lesen... Das Ende kommt jedoch zum Teil völlig anders als man denkt, aber gefühlsmäßig hat mich das Buch jetzt nicht soo mitgerissen. Trotz dessen, dass es durchaus sehr realitätsnah ist.
Die Verbindung des Titels mit dem Inhalt hat ab und zu seine witzige Seite, aber ist irgendwie auch eher Nebensache...
Insgesamt also eine mittlere Bewertung von mir, habe mich trotzdem gefreut, es lesen zu dürfen.
schon den Titel machte mich neugierig: "Was ist wohl damit gemeint?"
Es war passiert: Georgie ist ausgerastet, weil ihr Mann sich nicht vernünftig um sie kümmert, sondern immer nur um seinen Job.. Und er verlässt sie. Sie schmeißt seine Sachen in den Container, doch von dort kramt sich eine alte Frau die Schallplatten wieder heraus.. Der Beginn einer sehr dubiosen Verbindung. Als die alte Frau ins Krankenhaus kommt, gibt sie Georgie als Bekannte an...
Es folgen turbulente Zeiten, das Haus der alten Frau steht wird zum Begehr mehrerer Leute und Georgie versucht alles, um der Frau - Mrs. Shaipro - zu helfen, obwohl sie sie eigentlich gar nicht kennt. Es finden sich immer mehr Menschen verschiedenster Herkunft, die an dem weiteren Werdegang beteiligt sind
Persönliche Meinung:
Das Buch liest sich sehr flüssig und trotz mangelnder Spannung liest man doch immer gern schnell weiter. Gestört haben mich die Erzählungen der Menschen, die tiefe religöse und politische Hintergründe haben, was ich nicht gern lesen... Das Ende kommt jedoch zum Teil völlig anders als man denkt, aber gefühlsmäßig hat mich das Buch jetzt nicht soo mitgerissen. Trotz dessen, dass es durchaus sehr realitätsnah ist.
Die Verbindung des Titels mit dem Inhalt hat ab und zu seine witzige Seite, aber ist irgendwie auch eher Nebensache...
Insgesamt also eine mittlere Bewertung von mir, habe mich trotzdem gefreut, es lesen zu dürfen.
06.04.2010 18:09:47
(2892 Beiträge)
Ich habe es auch gerade angefangen und bin gespannt!
06.04.2010 20:05:26
(1291 Beiträge)
Ich habe mich schon gefragt, ob sich das Lesen lohnt. Danke für Eure Meinungen, jetzt werde ich es mir ganz bestimmt besorgen.
06.04.2010 20:38:35
(18436 Beiträge)
Georgie trennt sich von ihrem Mann. Ihr Sohn Ben lebt nun immer eine halbe Woche bei seinem Vater, so dass Georgie auf einmal sehr viel alleine ist und ihr Leben wieder neu "zusammenkleben" muss. Sie selbst arbeitet als freiberuflich für eine Zeitschrift, die sich vornehmlich mit Klebstoffen befasst. Außerdem ist sie Hobbyschriftstellerin, doch ihr Liebesroman fand bisher noch keinen richtigen Anklang bei diversen Verlagen.
Nachdem sie sich den persönlichen Dingen ihres Mannes entledigt, lernt sie die alte Dame Mrs. Shapiro kennen, die sie immer mehr ihre Angelegenheiten verstrickt, die im Zusammenhang mit ihrem Haus, dem Canaan House, stehen. Durch den ganzen Trubel rund um das Haus lernt Georgie viele neue, sehr verschiedene Menschen kennen: welche, die die Lage der alten Mrs. Shapiro ausnutzen und ihr das Haus wegnehmen wollen, und welche, die Georgie über viele Dinge nachdenken lassen. So gerät sie ein bisschen ungewollt in den Konflikt zwischen Palästinsern und Juden. So stößt sie auf schlimme Ereignisse aus der Vergangenheit, die bis heute noch wirken.
"Das Leben kleben" ist ein sehr nachdenkliches Buch, doch Marina Lewycka gelingt es wunderbar, diese doch manchmal schwere und düstere Kost in einer Leichtigkeit dem Leser zu übermitteln. Frau Lewycka scheint eine Meisterin der Situtionskomik zu sein.
Fazit:
Marina Lewycka präsentiert uns eine Geschichte, die einerseits voller Schicksalschläge sind und doch so voller Humor gepickt ist. Allerdings gelingt es der Autorin aber auch, die ganzen Problematiken, wie Juden-Palästinser-Konflikt, Antisemitismus, Endzeitstimmung durch den Humor dennoch nicht ins Lächerliche zu ziehen.
Auch diesmal hat mich Frau Lewycka mit ihrem neuen Werk nicht enttäuscht.
Nachdem sie sich den persönlichen Dingen ihres Mannes entledigt, lernt sie die alte Dame Mrs. Shapiro kennen, die sie immer mehr ihre Angelegenheiten verstrickt, die im Zusammenhang mit ihrem Haus, dem Canaan House, stehen. Durch den ganzen Trubel rund um das Haus lernt Georgie viele neue, sehr verschiedene Menschen kennen: welche, die die Lage der alten Mrs. Shapiro ausnutzen und ihr das Haus wegnehmen wollen, und welche, die Georgie über viele Dinge nachdenken lassen. So gerät sie ein bisschen ungewollt in den Konflikt zwischen Palästinsern und Juden. So stößt sie auf schlimme Ereignisse aus der Vergangenheit, die bis heute noch wirken.
"Das Leben kleben" ist ein sehr nachdenkliches Buch, doch Marina Lewycka gelingt es wunderbar, diese doch manchmal schwere und düstere Kost in einer Leichtigkeit dem Leser zu übermitteln. Frau Lewycka scheint eine Meisterin der Situtionskomik zu sein.
Fazit:
Marina Lewycka präsentiert uns eine Geschichte, die einerseits voller Schicksalschläge sind und doch so voller Humor gepickt ist. Allerdings gelingt es der Autorin aber auch, die ganzen Problematiken, wie Juden-Palästinser-Konflikt, Antisemitismus, Endzeitstimmung durch den Humor dennoch nicht ins Lächerliche zu ziehen.
Auch diesmal hat mich Frau Lewycka mit ihrem neuen Werk nicht enttäuscht.
07.04.2010 09:10:00
(18123 Beiträge)
Ein geklebtes Leben
Georgie, nach einem Streit über Lappalien frisch von ihrem Mann Rip getrennt, begegnet bei der Entsorgung seiner Sachen der etwas schrulligen aber durchaus recht liebenswerten Mrs. Shapiro. Damit beginnt für Georgie eine recht turbulente Zeit, in der sie auch eine Menge neuer Leute kennenlernt:
Der deutschen Jüdin Mrs. Shapiro und ihren sieben Katzen, Mr. Ali, einem Handwerker aus Palästina und seinen beiden "nichtsnutzigen" Neffen, einer geldgierigen sowie einer ganz netten Sozialarbeiterin, ihrem schwulem Chef und dessen Vater Tati und natürlich Mr. Diabello und Mr. Wolfe, die Immobilienmakler, die es auf Mrs. Shapiros Haus und Grundstück abgesehen haben.
Natürlich muss zwischen den Geschichten mit all diesen Personen auch Georgies "normales" Leben inklusive ihrer Arbeit bei einem Magazin über Klebstoffe sowie ihren Kindern Stella und hauptsächlich dem Sorgenkind Ben, der auf eine Art "Apokalypse" zu warten scheint und sich fanatisch der Bibel zuwendet, weitergehen...
Fazit:
Ich war von der Leseprobe begeistert und habe auf eine schöne verschrobene Geschichte zum Schmunzeln gehofft.
Dieses war durchaus teilweise gegeben, jedoch wurden die Charaktere einige Male durchaus total überspitzt gezeichnet.
Die Geschichte zwischen Juden und Palästinensern passte in die Geschichte eben wegen der Charaktere hinein und war auch sehr lehrreich, allerdings war mir dann die Story um Ben und seine Endzeit-Angst doch zuviel des Guten.
Der Roman hätte nicht verloren, sondern eher gewonnen, wenn man einige Passage kürzer abgefasst oder sogar weggelassen hätte. So bekommt es noch 3 Sterne von mir.
Georgie, nach einem Streit über Lappalien frisch von ihrem Mann Rip getrennt, begegnet bei der Entsorgung seiner Sachen der etwas schrulligen aber durchaus recht liebenswerten Mrs. Shapiro. Damit beginnt für Georgie eine recht turbulente Zeit, in der sie auch eine Menge neuer Leute kennenlernt:
Der deutschen Jüdin Mrs. Shapiro und ihren sieben Katzen, Mr. Ali, einem Handwerker aus Palästina und seinen beiden "nichtsnutzigen" Neffen, einer geldgierigen sowie einer ganz netten Sozialarbeiterin, ihrem schwulem Chef und dessen Vater Tati und natürlich Mr. Diabello und Mr. Wolfe, die Immobilienmakler, die es auf Mrs. Shapiros Haus und Grundstück abgesehen haben.
Natürlich muss zwischen den Geschichten mit all diesen Personen auch Georgies "normales" Leben inklusive ihrer Arbeit bei einem Magazin über Klebstoffe sowie ihren Kindern Stella und hauptsächlich dem Sorgenkind Ben, der auf eine Art "Apokalypse" zu warten scheint und sich fanatisch der Bibel zuwendet, weitergehen...
Fazit:
Ich war von der Leseprobe begeistert und habe auf eine schöne verschrobene Geschichte zum Schmunzeln gehofft.
Dieses war durchaus teilweise gegeben, jedoch wurden die Charaktere einige Male durchaus total überspitzt gezeichnet.
Die Geschichte zwischen Juden und Palästinensern passte in die Geschichte eben wegen der Charaktere hinein und war auch sehr lehrreich, allerdings war mir dann die Story um Ben und seine Endzeit-Angst doch zuviel des Guten.
Der Roman hätte nicht verloren, sondern eher gewonnen, wenn man einige Passage kürzer abgefasst oder sogar weggelassen hätte. So bekommt es noch 3 Sterne von mir.
08.04.2010 19:58:33
(904 Beiträge)
"Klebstoffe können manchmal ziemlich zäh sein", stellt die Protagonistin dieses Romans fest, als sie bei dem Schreiben eines Artikels für das Klebstoffemagazin, bei dem sie tätig ist, mal wieder abschweift.
Bücher können auch manchmal ziemlich zäh sein. Dieses gehört aber trotz der ganzen klebrigen Angelegenheiten nicht dazu! Ich habe es in Windeseile durchgelesen.
Es war als wären meine Augen an dem Buch festgeklebt gewesen, weil es sich einfach wunderbar so runterlesen lässt ohne zu ermüden oder zu langweilen.
Weder der Titel, noch der Klappentext oder die ersten Seiten lassen vermuten, was sich wirklich hinter dem Buch verbirgt. Ich muss zugeben, dass ich aufgrund der Covergestaltung und der Vorab-Leseprobe etwas ganz anderes erwartet hatte, aber gerade deshalb wurde meine Erwartungen nur übertroffen.
Es lässt sich eigentlich gar nicht so leicht auf den Punkt bringen, worum es in dem Buch konkret geht. Es ist die Geschichte von Georgie, einer auf den ersten Blick ziemlich gewöhnlichen Frau der englischen Mittelschicht, die sich gerade von ihrem Mann getrennt hat. Auf den zweiten Blick ist Georgie gar nicht so gewöhnlich, wie sie scheint. Es fiel mir leicht diese Protagonistin, mit allen ihren Macken und ihrem großen Herz, liebzugewinnen.
Georgie trifft Mrs. Shapiro, eine alte, etwas verschrobene Dame, die (Achtung Klischee!) mit ihren zahlreichen Katzen in einem großen, aber ziemlich heruntergekommenen Haus lebt. Zwischen den beiden entwickelt sich so etwas wie eine ungewöhnliche Freundschaft.
In dieser turbulenten Geschichte werden viele Themen, wie der Konflikt um Israel und Palästina und Armageddon und die Rückkehr von Jesus auf die Erden angeschnitten. Irgendwo zwischendrin muss Georgie auch noch die Trennung von ihrem Mann überwinden und Mrs. Shapiro helfen.
Auch wenn vielleicht deshalb keines der Themen total ausführlich besprochen wird, stört mich das nicht weiter. Es ist in erster Linie ein Unterhaltungsbuch und keine politische Diskussion.
Und das hat es wahrlich getan. Es gibt nur wenige Bücher die ein so gut laut los lachen lassen können, und gleichzeitig zum Nachdenken anregen, ohne dabei zu tiefgründig und deprimierend zu werden oder aber auch zu oberflächlich zu bleiben. Ich kann ohne zu überlegen sagen, dass dies das beste Buch ist, das ich bisher in diesem Jahr gelesen habe (obwohl das Jahr noch jung ist und dieser Superlativ vielleicht nicht bis Ende Dezember Bestand haben wird).
Bücher können auch manchmal ziemlich zäh sein. Dieses gehört aber trotz der ganzen klebrigen Angelegenheiten nicht dazu! Ich habe es in Windeseile durchgelesen.
Es war als wären meine Augen an dem Buch festgeklebt gewesen, weil es sich einfach wunderbar so runterlesen lässt ohne zu ermüden oder zu langweilen.
Weder der Titel, noch der Klappentext oder die ersten Seiten lassen vermuten, was sich wirklich hinter dem Buch verbirgt. Ich muss zugeben, dass ich aufgrund der Covergestaltung und der Vorab-Leseprobe etwas ganz anderes erwartet hatte, aber gerade deshalb wurde meine Erwartungen nur übertroffen.
Es lässt sich eigentlich gar nicht so leicht auf den Punkt bringen, worum es in dem Buch konkret geht. Es ist die Geschichte von Georgie, einer auf den ersten Blick ziemlich gewöhnlichen Frau der englischen Mittelschicht, die sich gerade von ihrem Mann getrennt hat. Auf den zweiten Blick ist Georgie gar nicht so gewöhnlich, wie sie scheint. Es fiel mir leicht diese Protagonistin, mit allen ihren Macken und ihrem großen Herz, liebzugewinnen.
Georgie trifft Mrs. Shapiro, eine alte, etwas verschrobene Dame, die (Achtung Klischee!) mit ihren zahlreichen Katzen in einem großen, aber ziemlich heruntergekommenen Haus lebt. Zwischen den beiden entwickelt sich so etwas wie eine ungewöhnliche Freundschaft.
In dieser turbulenten Geschichte werden viele Themen, wie der Konflikt um Israel und Palästina und Armageddon und die Rückkehr von Jesus auf die Erden angeschnitten. Irgendwo zwischendrin muss Georgie auch noch die Trennung von ihrem Mann überwinden und Mrs. Shapiro helfen.
Auch wenn vielleicht deshalb keines der Themen total ausführlich besprochen wird, stört mich das nicht weiter. Es ist in erster Linie ein Unterhaltungsbuch und keine politische Diskussion.
Und das hat es wahrlich getan. Es gibt nur wenige Bücher die ein so gut laut los lachen lassen können, und gleichzeitig zum Nachdenken anregen, ohne dabei zu tiefgründig und deprimierend zu werden oder aber auch zu oberflächlich zu bleiben. Ich kann ohne zu überlegen sagen, dass dies das beste Buch ist, das ich bisher in diesem Jahr gelesen habe (obwohl das Jahr noch jung ist und dieser Superlativ vielleicht nicht bis Ende Dezember Bestand haben wird).
09.04.2010 22:32:00
(341 Beiträge)
Auch ich war von "Leben kleben" ziemlich begeistert und würde 4 von 5 Sternen geben.
"Manchmal, wenn ich zu verstehen versuche, was auf der Welt vor sich geht, denke ich unwillkürlich an Klebstoffe. Jeder Klebstoff reagiert mit den Oberflächen und der Umgebung auf seine ganz spezifische Weise; manche Klebstoffe binden unter Lichteinfluss ab, andere durch Hitze, andere durch den Austausch subatomarer Teilchen, andere brauchen einfach nur Zeit. Die Kunst, eine gute Bindung herzustellen, besteht darin, für die jeweiligen Fügeteile das passende Bindemittel zu kleben."
Nach dieser Maßgabe funktioniert auch das Leben von Georgie Sinclair: etwas chaotisch, etwas ungefügt, aber zusammengehalten durch vielfältige Bindungen an die Familie, an Mrs. Shapiro, an Mr. Ali und die vielen anderen Figuren aus dem Roman von Marina Lewycka. Dabei lernt sie Mrs. Shapiro, die fortan ihr Leben bestimmen wird, nur zufällig kennen, als sie den Hausrat ihres Mannes in den Container schüttet. Was ihr aber durch die skurrile alte Dame alles an Abenteuern bevorsteht, vermag sie bei der ersten Begegnung noch nicht zu ermessen.
Lewycka verarbeitet in diesem, ihrem dritten Roman wieder einmal Historisches - diesmal ist es die Geschichte der Judenverfolgung u.a. anhand des Schicksals von Arti, dem vermeintlichen Mann von Mrs. Shapiro. Auch die Auseinandersetzungen um den Staat Israel nach Ende des zweiten Weltkriegs - sowie die daraus folgenden Unversöhnlichkeiten zwischen Juden und Palästinensern - wird aufgegriffen. Daneben gehören Erziehungs- und Liebesprobleme genau wie die Sinnhaftigkeit einer Schnäppchenjagd zu den vielfältigen Themen.
Nun hätte es überladen sein können - was es auch an manchen Stellen ist -, aber es gelingt Lewycka trotzdem, eine Lockerheit beizubehalten, die das Lesen äußerst flüssig macht. Sprachlich ist Lewycka auf einem hohen Niveau. Insbesondere die immer wieder eingestreuten Klebstoff-Vergleiche sind mehr als interessant. Oder die Beschreibung einer Liebesszene mit diesen Worten: "Dann hatte er sein Hemd ausgezogen, und meine Bluse, und seine Hose, und mein Rock war hochgerutscht und ... was dann passierte, ist viel zu abstoßend, um es zu beschreiben. Er ging die Etappen durch wie jemand, der sich durch die Gebrauchsanweisung eines Autos arbeitet, und ich ergab mich mit der Leidenschaft eines Ford Fiesta bei der Hundertdreißigtausend-Kilometer-Inspektion."
Ein sehr schönes Buch - unbedingt lesenwert!
"Manchmal, wenn ich zu verstehen versuche, was auf der Welt vor sich geht, denke ich unwillkürlich an Klebstoffe. Jeder Klebstoff reagiert mit den Oberflächen und der Umgebung auf seine ganz spezifische Weise; manche Klebstoffe binden unter Lichteinfluss ab, andere durch Hitze, andere durch den Austausch subatomarer Teilchen, andere brauchen einfach nur Zeit. Die Kunst, eine gute Bindung herzustellen, besteht darin, für die jeweiligen Fügeteile das passende Bindemittel zu kleben."
Nach dieser Maßgabe funktioniert auch das Leben von Georgie Sinclair: etwas chaotisch, etwas ungefügt, aber zusammengehalten durch vielfältige Bindungen an die Familie, an Mrs. Shapiro, an Mr. Ali und die vielen anderen Figuren aus dem Roman von Marina Lewycka. Dabei lernt sie Mrs. Shapiro, die fortan ihr Leben bestimmen wird, nur zufällig kennen, als sie den Hausrat ihres Mannes in den Container schüttet. Was ihr aber durch die skurrile alte Dame alles an Abenteuern bevorsteht, vermag sie bei der ersten Begegnung noch nicht zu ermessen.
Lewycka verarbeitet in diesem, ihrem dritten Roman wieder einmal Historisches - diesmal ist es die Geschichte der Judenverfolgung u.a. anhand des Schicksals von Arti, dem vermeintlichen Mann von Mrs. Shapiro. Auch die Auseinandersetzungen um den Staat Israel nach Ende des zweiten Weltkriegs - sowie die daraus folgenden Unversöhnlichkeiten zwischen Juden und Palästinensern - wird aufgegriffen. Daneben gehören Erziehungs- und Liebesprobleme genau wie die Sinnhaftigkeit einer Schnäppchenjagd zu den vielfältigen Themen.
Nun hätte es überladen sein können - was es auch an manchen Stellen ist -, aber es gelingt Lewycka trotzdem, eine Lockerheit beizubehalten, die das Lesen äußerst flüssig macht. Sprachlich ist Lewycka auf einem hohen Niveau. Insbesondere die immer wieder eingestreuten Klebstoff-Vergleiche sind mehr als interessant. Oder die Beschreibung einer Liebesszene mit diesen Worten: "Dann hatte er sein Hemd ausgezogen, und meine Bluse, und seine Hose, und mein Rock war hochgerutscht und ... was dann passierte, ist viel zu abstoßend, um es zu beschreiben. Er ging die Etappen durch wie jemand, der sich durch die Gebrauchsanweisung eines Autos arbeitet, und ich ergab mich mit der Leidenschaft eines Ford Fiesta bei der Hundertdreißigtausend-Kilometer-Inspektion."
Ein sehr schönes Buch - unbedingt lesenwert!
13.04.2010 12:42:19
(2892 Beiträge)
Georgie Sinclair bittet ihren Mann, einen Zahnbürstenhalter im Bad anzubringen, doch dieser ist mit wichtigeren Sachen beschäftigt. Das ist der Auslöser für einen Streit, nach welchem Georgies Mann Rip sie verlässt. Georgie ist traurig und verblüfft, aber auch wütend, weshalb sie Rips Sachen in einen Müllcontainer entsorgt. Dabei begegnet ihr Mrs. Shapiro, eine seltsame alte Dame, die mit zahlreichen Katzen in einem heruntergekommenen, aber faszinierenden alten Haus in der Nähe wohnt.
Das ist der Anfang von Marina Lewyckas Roman "Das Leben kleben" und auch der Beginn einer Freundschaft zwischen Georgie und Mrs. Shapiro. Die beiden begegnen sich öfter, beginnen, sich anzufreunden und als Mrs. Shapiro schließlich ins Krankenhaus muss, kümmert Georgie sich um die Katzen und das Haus, wobei sie immer tiefer in das Leben der seltsamen alten Dame und in ihre Vergangenheit eintaucht. Im Laufe der Geschichte muss Georgie sich als alleinerziehende Mutter mit ihrem Sohn auseinandersetzen, der immer mehr zum religiösen Fanatiker wird, sie lernt den palästinensischen Handwerker Mr. Ali und die Nichtsnutze kennen und sie hat einen Affäre mit einem Immobilienmakler. Beruflich schreibt Georgie für ein Klebstoff-Magazin, was sie manchmal langweilt, manchmal aber auch erstaunliche Erkenntnisse bringt. Als Mrs. Shapiro schließlich entführt wird, spitzen die Ereignisse sich zu: Immer mehr Menschen interessieren sich für Mrs. Shapiros Haus, Georgie deckt alte Geheimnisse auf und versucht ihre Ehe zu kitten. Nebenbei lernt sie viel über den Konflikt zwischen Juden und Palästinensern. Und dann sind da ja immer noch Mrs. Shapiros Katzen, allen voran der exzentrische Wonder Boy, der noch eine wichtige Rolle spielen wird...
Das Buch hat mir richtig gut gefallen! Die Leseprobe versprach eine lustige und interessante Geschichte, mit verschrobenen, einzigartigen Figuren und der Roman hat dieses Versprechen gehalten! Manchmal sind die Figuren etwas überspitzt gezeichnet, dennoch blieben sie für mich lebensecht und ich hatte das Gefühl, man könnte ihnen jederzeit in der Realität begegnen. Marina Lewycka greift mehrere Themen in dem Buch auf, hat aber meiner Meinung nach keine Probleme, die einzelnen Erzählstränge zusammenzuführen und schließlich zu beenden. Das Buch hat genau die richtige Länge. Die einzigartigen Figuren, der Schreibstil, der wundervolle Humor und die Detailverliebtheit machen für mich den besonderen Reiz dieses Buches aus. Es wird einen Platz in meinem Regal bekommen und ich werde es sicher irgendwann nochmal lesen.
Das ist der Anfang von Marina Lewyckas Roman "Das Leben kleben" und auch der Beginn einer Freundschaft zwischen Georgie und Mrs. Shapiro. Die beiden begegnen sich öfter, beginnen, sich anzufreunden und als Mrs. Shapiro schließlich ins Krankenhaus muss, kümmert Georgie sich um die Katzen und das Haus, wobei sie immer tiefer in das Leben der seltsamen alten Dame und in ihre Vergangenheit eintaucht. Im Laufe der Geschichte muss Georgie sich als alleinerziehende Mutter mit ihrem Sohn auseinandersetzen, der immer mehr zum religiösen Fanatiker wird, sie lernt den palästinensischen Handwerker Mr. Ali und die Nichtsnutze kennen und sie hat einen Affäre mit einem Immobilienmakler. Beruflich schreibt Georgie für ein Klebstoff-Magazin, was sie manchmal langweilt, manchmal aber auch erstaunliche Erkenntnisse bringt. Als Mrs. Shapiro schließlich entführt wird, spitzen die Ereignisse sich zu: Immer mehr Menschen interessieren sich für Mrs. Shapiros Haus, Georgie deckt alte Geheimnisse auf und versucht ihre Ehe zu kitten. Nebenbei lernt sie viel über den Konflikt zwischen Juden und Palästinensern. Und dann sind da ja immer noch Mrs. Shapiros Katzen, allen voran der exzentrische Wonder Boy, der noch eine wichtige Rolle spielen wird...
Das Buch hat mir richtig gut gefallen! Die Leseprobe versprach eine lustige und interessante Geschichte, mit verschrobenen, einzigartigen Figuren und der Roman hat dieses Versprechen gehalten! Manchmal sind die Figuren etwas überspitzt gezeichnet, dennoch blieben sie für mich lebensecht und ich hatte das Gefühl, man könnte ihnen jederzeit in der Realität begegnen. Marina Lewycka greift mehrere Themen in dem Buch auf, hat aber meiner Meinung nach keine Probleme, die einzelnen Erzählstränge zusammenzuführen und schließlich zu beenden. Das Buch hat genau die richtige Länge. Die einzigartigen Figuren, der Schreibstil, der wundervolle Humor und die Detailverliebtheit machen für mich den besonderen Reiz dieses Buches aus. Es wird einen Platz in meinem Regal bekommen und ich werde es sicher irgendwann nochmal lesen.
14.04.2010 10:13:44

