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Verbrechen - Ferdinand von Schirach

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Beitrag
erstellt am
LauraCroft

Mitglied gelöscht

 

Verbrechen aus einem anderen Blickwinkel

Bei diesem Buch wird der Leser, nicht wie beim Lesen eines Krimis auf die Täterjagd geschickt, sondern er erhält elf ausgeschmückte Tatsachenberichte über Leute die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. In diesem Werk werden Verbrechen aus der Sicht des Täters geschildert und was diesen dazu veranlasst hat die Tat zu begehen. Hierbei handelt es sich nicht nur um Tötungsdelikte sondern beispielsweise auch um einen Banküberfall. Die elf voneinander unabhängigen Handlungen erzählen von den Lebensumständen und -geschichten der Täter und der Opfer und wie sich die Taten zugetragen haben, mit zum Teil überraschenden Wendungen. Bei den Erzählungen nimmt der Autor kein Blatt vor den Mund und berichtet überaus detailliert über die teilweise sehr blutigen Taten.

Der Autor ist selbst Strafverteidiger und berichtet in seinem Werk aus seinen eigenen beruflichen Erlebnissen. Die Sprache des Schriftstellers ist verständlich und die Sätze sind in der Regel einfach und kurz gehalten. Das Buch hat entfernt etwas von einer Gerichtsreportage, wenn auch etwas ausschmückender geschrieben. Zwei Geschichten konnten mich nicht so sehr in den Bann ziehen, da sie für mich im Vergleich zu den anderen Geschichten nicht diese extreme Bedeutsamkeit hatten, auf die die anderen Handlungen meiner Meinung nach jedoch abgezielt haben.

Das Buch ist all denjenigen zu empfehlen, die auch mal einen Blick auf die andere Seite, nämlich dem Blickwinkel des Täters, werfen möchten.
21.08.2009 20:10:42
Josie0412

Mitglied gelöscht

 

Ich liebe Tatsachenberichte!

Strafverteidiger Ferdinand von Schirach berichtet in elf spannend, tragischen, nachdenklichen oder auch unheimlichen Geschichten von Menschen, die zu Verbrechern aller Art wurden.

Es geht um Mörder, Bankräuber, Folterer, Kleinkriminelle usw..

Faszinierend sind alle Geschichten, man kann eigentlich keine einzige besonders herausheben.

Ob es nun die Gechichte der Geschwister sind, in welcher die Schwester ihren Bruder aus Liebe tötet, Frank, der alles versucht, um wieder zu seiner Familie nach Afrika zu kommen oder auch der junge Türke, der sich sein Leben lang dümmer stellen musste, als er in Wirklichkeit ist.

Man sieht aber auch teilweise sehr anschaulich, wie sich Geschichten entwickeln können. Ob es nun der Raub des Inhaltes eines Tresors ist (dessen Inhalt für den Besitzer von großer Bedeutung ist), eine verzweifelte Prostituierte, die sich illegal in Deutschland aufhält und versucht, sich mittels Prostitution mit ihrer Liebe, einem ehemaligen Obdachlosen, eine neue Existenz aufzubauen, oder eben einen einfach Museumswärter, der kurz vorm Wahnsinn steht.

Ferdinand von Schirach versteht es, den Leser mit seinen Geschichten in den Bann zu ziehen. Das Buch lässt sich flüssig lesen und man giert nach mehr.

Ich hoffe, dass das nicht das letzte Buch dieser Art von dem Autor ist.
23.08.2009 14:14:06
Feelicitas

Feelicitas

(21482 Beiträge)

danke für den Tipp, klingt, als wäre es genau was für mich.
23.08.2009 20:16:12
sabine32

Mitglied gelöscht

 

Er war gestern bei t-t-t im ARD, hörte sich spannend an.
24.08.2009 08:40:38
KCNash

Mitglied gelöscht

 

In der "Berliner Abendschau" war er auch, gestern, also Sonntag, dem 23.8. Kann man beim RBB auch online sehen.
24.08.2009 10:37:01
Everett

Everett

(1223 Beiträge)

Dieses Buch habe ich in Null Komma nichts durch gelesen, schreibe hier nun auch meine Meinung dazu, und auch ich hoffe, dass es noch mehr von dem Autoren geben wird.

Stories steht auf der ersten Seite, vielleicht fehlt da noch der Zusatz true, denn diese Stories sind größtenteils so unglaublich, dass es einfach nur faszinierend war. So unglaublich, dass es sicher schwer fallen würde, sich diese in der Form auszudenken.
Der Autor hat die Geschichten einiger seiner Mandanten ohne Partei- und Stellungnahme aufgeschrieben, er erzählt ihm die bekannten Fakten ohne Ausschmückungen und Abschweifungen. Da merkt man den Beruf! Gerade deshalb war ich als Leser gefesselt und wünschte mir am Ende des Buches mehr Stories dieser Art.
Es sind spektakuläre und auch stille Geschichten von psychologischen und existenziellen Problemen, die durch Tod, Gewalt ihre Auflösung finden, wo die Zerstörung ein Leben rettet, oder das Glück gefunden wird. Ein Fall ließ mich mit einem großen Fragezeichen zurück. Wie wohl auch den Autoren.
Auf jeden Fall unheimlich interessant hinter die geschilderten Verbrechen zu gucken.
Die interessantesten Geschichten schreibt das Leben, und diese hier sind lakonisch und da-durch besonders eindringlich geschrieben.
24.08.2009 22:11:18
KesseZiege

KesseZiege

(27372 Beiträge)

Titel: Verbrechen
Autor: Ferdinand von Schirach
ISBN: 3492053629

Inhalt:
Ferdinand von Schirach hat es in seinem Beruf alltäglich mit Menschen zu tun, die Extremes getan oder erlebt haben. Das Ungeheuerliche ist bei ihm der Normalfall. Er vertritt Unschuldige, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten, ebenso wie Schwerstkriminelle. Deren Geschichten erzählt er - lakonisch wie ein Raymond Carver und gerade deswegen mit unfassbarer Wucht.

Meine Meinung:
Ferdinand von Schirach schildert mehrere Verbrechen deren Täter er verteidigen musste. Diese Verbrechen werden recht detailiert beschrieben, vor allem aber aus zwischenmenschlicher Sicht und nicht trocken und voller Fakten heruntergerasselt. Schon beim lesen überlegt man wie man selbst gehandelt oder entschieden hätte. War es Recht oder Unrecht. Hätte hier die Strafe milder sein müssen und dort vielleicht härter???
Ich habe dieses Buch innerhalb von 2 Tage gelesen, nein ich habe es regelrecht verschlungen. Ich habe mit gelitten und mich mit gefreut, mit den Tätern und den Opfern. Dieses Buch hängt mir noch immer ein wenig nach. Es beschäftigt den Leser.
Der Schreibstil ist schlicht gehalten, man kann dieses Buch leicht lesen ohne Paragraphen und Fremdwörter.
Ich empfehle dieses Buch jedem der sich ein wenig für zwischenmenschliche Kurzgeschichten und Gerichtsfälle interessiert.
Dieses Buch ist nicht aus der Sicht der Opfer, sondern aus der Sicht der Täter geschildert. Waren am Ende womöglich einige Täter die Opfer?
25.08.2009 09:51:34
Ich151

Mitglied gelöscht

 

Ich habe das Buch ebenfalls verschklungen und möchte deshalb hier auch mal eine Rezension veröffentlichen. :-)

In dem Buch "Verbrechen" von Strafverteidiger Ferdinand von Schirach geht es um verschiedenste Schicksale und Verbrechen. Der Autor schreibt in seinen 11 kurzen wahren Storys über wahre Verbrechen und beleuchtet dabei in beeindruckender Weise die einzelnen Schicksale und Hintergründe seiner Fälle.

Beeindruckend zum einen, wegen Schirachs Schreibstil, der sehr sachlich und schnörkellos bleibt egal wie grausam das gerade beschriebene Verbrechen auch sein mag. Er wertet nicht und versucht auch nicht dem Leser seine Meinung zu vermitteln oder aufzudrängen. Er erzählt lediglich völlig wertfrei die Fakten, aber dennoch nicht trocken sondern sehr spannend und mitreißend. Die Wertung der Geschichte bleibt beim Leser und zumindest ich musste mehr als einmal über die ein oder andere Geschichte länger nachdenken.

Zum anderen schaffte es Schirach tiefe Einblicke in einzelne Schicksale zu vermitteln, besonders bei Menschen, die von der Gesellschaft nur allzu leicht vorverurteilt werden (Obdachlose, Prostituierte, gewaltbereiter Imigrant, etc....) Er zeigt auf, dass es manchmal nicht so einfach ist ein klares und besonders ein gerechtes Urteil für ein bestimmtes Verbrechen zu finden und es sehr wichtig ist, sich die Hintergründe genau anzusehen um zu verstehen wieso es zu einem bestimmten Verbrechen kommen konnte.

"Verbrechen" ist ein Buch mit 11 meist unglaublichen (aber wahren) Geschichten, das einen so leicht nicht loslässt. Absolut empfehlenswert!
25.08.2009 11:29:33
Honkongpfui

Mitglied gelöscht

 

Ich kann euch nur zustimmen und möchte dringend ergänzen, dass es ein richtiges "Männerbuch" ist.
Selbst ich (ansonsten recht schwerfälliger Leser) habe es in einer Nacht geschafft. Wer also noch ein Geschenk für einen Mann sucht...
25.08.2009 19:33:42
Spatzi79

Mitglied gelöscht

 

*g* Ich hab es nun auch für meinen Freund (der auch noch Jurist ist) angefordert!
25.08.2009 20:38:01
Blackie

Blackie

(1166 Beiträge)

@spatzi: Aber nicht hier aus dem TT-Forum, oder?
:)
25.08.2009 21:59:37
Spatzi79

Mitglied gelöscht

 

Nicht übers Forum, ich hab es von Start gefischt :-)
26.08.2009 07:01:24
Glasschmetterling

Mitglied gelöscht

 

Bei mir wird das Buch ein Behalti. Ich habe es regelrecht verschlungen und werde es wohl noch ein zweites Mal Lesen, dann aber die einzelnen Geschichten/Berichte auf mich wirken lassen.



Verbrechen

Klappentext und Leseprobe haben mich nicht enttäuscht, im Gegenteil, das Buch war noch besser als erwartet.
Ferdinand von Schirach, Strafverteidiger in Deutschland, schildert in seinem Buch 11 Verbrechen die tatsächlich so geschehen sind. Er berichtet über die Hintergründe und beschreibt die Personen, Opfer wie Täter, so erfährt der Leser mehr als es in der Tageszeitung der Fall wäre. Manchmal fühlt man mit dem Täter, der auch eine Art Opfer sein kann. Manche Begebenheiten sind fast unglaublich und man staunt, was sich hinter den Kulissen in Deutschland abspielt.

Beinahe hatte ich ein schlechtes Gewissen, kam ich mir teilweise wie ein Voyeur vor, der in das Privateste der Menschen schaut. Und ich fand es spannend und faszinierend, was mein Gewissen nicht gerade beruhigte und trotzdem hätte ich gern weiter gelesen. Ich würde einen zweiten Band über Verbrechen von Ferdinand von Schirach kaufen.

Der Klappentext macht neugierig und hält was er verspricht. Das Cover gefällt mir ausgesprochen gut. Die Art über die Taten zu schreiben, die Personen, Opfer wie Täter, einzuführen ist sachlich ohne trocken zu wirken. Doch auch ein wenig ausgeschmückt, besonders an Stellen, die uns die Charaktere näher bringen sollen, um uns so ein Gefühl für sie zu geben. Und eins wird einem immer wieder vor Augen geführt: Es ist nicht alles schwarz und weiß. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen und habe es an einem Nachmittag gelesen.
26.08.2009 11:38:27
Feelicitas

Feelicitas

(21482 Beiträge)

ich habe es mir gestern gekauft und freue mich nun darauf, es im Urlaub zu lesen.
26.08.2009 12:15:58
Katina1978

Katina1978

(2621 Beiträge)

Selbst erleben möchte man diese Storys natürlich nicht, aber was uns Ferdinand von Schirach hier auftischt war sehr interessant zu lesen. Da war einmal der Mann der nach vielen Ehejahren am Ende seines Lebens doch noch seine Frau um die Ecke bringt, die ihn immer gescholten hat.

Dann das Mädchen, das für seinen Freund Geld anschaffen ging und als er es erfuhr sie ermordete, ohne den Hintergrund zu wissen auf sehr brutaler Weise. Wie erst jemand anders Verdächtigt wird und wie der Anwalt dann aber doch noch den richtigen Täter entlarven kann. Dinge die die Polizei übersah, hat er geklärt. Da sieht man mal, wie wichtig Anwälte sind.

Da waren viele gute Storys. Mir hat es auch gezeigt, das so ein Anwalt mehr können muss, als in TV Serien dargestellt wird.

Dazu kamen manch gute Gerichts-Story. So etwas lese ich immer gerne und da es nach "wahrer Begebenheit" aufgeschrieben ist, macht das ganze recht interessant.

Gut war, das das Buch unter dem Titel in roter Schrift "Verbrechen" und einen in schwarz dargestellten Mann auf dem Cover erschienen ist, das macht das ganze sofort interessant und man fragt sich was es mit dem Buch auf sich hat.

Ferdinand von Schirach hat die Geschichten auch so aufgeschrieben das sie für Laien verständlich sind, fremdes erklärt und die vielen Absätze im Buch haben mich nicht gestört, ich denke in diesem Fall war das sogar gut so.

Es war ein dünnes Büchlein das ich an 2 Abenden durch hatte. Es hat sich gelohnt und ich habe mich sehr über meinen Gewinn gefreut. Vielleicht schreibt von Schirach ja noch einmal ein Folgeband, ich wäre jeden Falls interessiert.
30.08.2009 09:51:21
metamarta

Mitglied gelöscht

 

Ehrlich gesagt, konnte ich mir, als ich den Klappentext gelesen habe, nicht so richtig vorstellen, wie der Autor das spannend verpacken will, ich habe angenommen, dass es sich hierbei um eine trockene und langweilige "Berichterstattung" handelt und ich wurde eines besseren belehrt.

Dieses Buch zeigt, dass, wie es so schön heißt, das Leben wirklich die besten Geschichten hervorbringt. Ich habe das Buch so gut wie in einem Rutsch durchgelesen. Ich hatte das Gefühl, als hätte ich Krimikurzgeschichten gelesen.

Der Autor versucht, so objektiv wie möglich die einzelnen Geschichten zu schildern, was ihm bei der ein oder anderen emotionalen Geschichte natürlich nicht immer gelingt. Manche Fälle sind so skurril, als hätte ein Drehbuchautor zur Feder gegriffen und oftmals musste ich mir wirklich ins Gedächtnis rufen- hey, das sind alles wahre bzw. echte Fälle. Und das kuriose ist, man hat für den ein oder anderen Täter Verständnis oder Mitgefühl. Es zeigt sich, dass nicht jedes Verbrechen gleich anzusehen ist, nicht schwarz oder weiß, manche haben ein äußerst menschliches Motiv. Sie regen zum Nachdenken an, teilweise habe ich mich gefragt, wie hätte ich in der Situation reagiert? Einige Geschichten zeigen aber auch, wie schnell Wahnsinn oder Verrücktheit um sich greift und einen Menschen in die Verzweiflung stürzen kann.

Sehr interessant fand ich auch die (kurzen) Einblicke in den Alltag der Justiz, d. h. der Anwälte oder Richter und wie manche Urteile zu stande kommen, aber auch wie schwierig es manchmal sein kann, zu einem Urteil zu kommen. Wo fängt Strafe an, was soll sie bewirken, was beinhalten? Das ist dem Autoren ebenfalls sehr gut gelungen.

Mit seiner pointierten Erzählweise hat uns Herr Schirach jedenfalls einen interessanten Einblick in seinen vielseitigen Berufsalltag gegeben.
03.09.2009 11:30:18
harakiri

harakiri

(44102 Beiträge)

11 Verbrechen, 11 Geschichten, 11 Schicksale: ein(e) jede(s) anders.

Aber eins haben alle gemeinsam: sie sind ungewöhnlich und werden vom Strafverteidiger Ferdinand von Schirach in seinem Buch erzählt.
Die Geschichten sind alle relativ kurz, spannend erzählt, jede mit Aha-Effekt am Ende und alle sollen auf einem wahren Ereignis beruhen.

Trotzdem will sich mir nicht erschließen, was der Autor uns mit dem Buch sagen will: sollen wir bei Verbrechen immer den Hintergrund suchen und abwägen? Oder hat er sich einfach nichts gedacht und lässt uns nur an seinen spektakulären Fällen teil haben?

Mir hat das Buch jedenfalls gut gefallen, es lässt sich locker leicht lesen, ist mal was Neues, was Anderes und hebt sich in meinen Augen von der Alltagsliteratur ab. Geht ein bisschen in die Tiefe.

Besonders gut gefallen hat mir die erste Geschichte, Fähner, die auch in der Leseprobe zu lesen war. Und die Notwehr-Geschichte fand ich auch ganz toll. Da konnte man sich quasi denken, was Sache war, aber aufgeklärt wurde schlussendlich nichts.
09.09.2009 19:24:39
silkedb

Mitglied gelöscht

 

Ich fand dieses Buch sehr faszinierend und vergebe daher 5/5 Punkten.

Verbrechen hautnah

Inhalt:
Ferdinand von Schirach ist als Anwalt tätig. Durch seine Spezialisierung auf Strafrecht, erlebt er täglich welche Fälle hinter den echten Verbrechen stehen.
Wertfrei schildert er hier diese Geschichten. Dabei sind die Klienten bei weitem nicht immer unschuldig, doch ihre Fälle sind so ungewöhnlich, dass sie aus dem Gerichtsalltag heraus ragen. Es sind vor allem persönliche Schicksale, die hier im Vordergrund stehen. Der Autor schildert dies aus der Perspektive des Anwalts, mal sind es seine Klienten, mal ist es jemand der sich ihm anvertraut hat. Doch alle diese Personen haben eins gemeinsam: eine außergewöhnliches Geschichte die erzählt werden sollte.

Meine Meinung:
"Verbrechen" von Ferdinand von Schirach hat mir sehr gut gefallen. In der Form einer Sammlung von Kurzgeschichten oder eines Episodenromans hat der Autor hier außergewöhnliche Geschichten zusammengetragen, die alle in Verbindung zu einem Verbrechen stehen. Dabei steht jedoch nicht das Verbrechen an sich im Vordergrund, sondern die Menschen, ihre Beweggründe oder ihre Lebensgeschichte.
Besonders gefallen hat mir dabei, dass Herr von Schirach immer sachlich bleibt und auf Effekthascherei verzichtet. Juristische Abläufe oder Begriffe werden kurz erläutert, so dass auch das Verhalten des Anwalts verständlich ist.
Trotz der Sachlichkeit des Autors gelang es mir nicht immer die Distanz zu den Geschichten und ihren Figuren zu wahren. Einige der Schicksale sind einfach zu bewegend und das Wissen, dass es sich hier um authentische Fälle handelt, führt noch mehr dazu die Geschichten an sich heran zu lassen.
Nicht bei allen Fällen handelt es sich um Verbrechen und Personen, die man mit einem Strafverteidiger in Verbindung bringt. Manchmal ist es auch wirklich nur eine Geschichte, die Ferdinand von Schirach von Klienten erzählt wurde oder der Autor konnte seiner Tätigkeit als Anwalt in diesem Fall nicht weiter nachgehen. Eine Wertung der Ereignisse wird dem Leser überlassen. Der Autor nimmt sich lediglich das Recht heraus, die Frage nach dem Sinn einer Bestrafung in den Raum zu stellen und so bleibt auch im Nachhinein noch genug Material um darüber zu grübeln.
Ganz deutlich hat mir dieses Buch gezeigt, auf welcher Gradwanderung man sich als Anwalt für Strafrecht befindet. Das wäre ganz sicher kein Beruf für mich.
Insgesamt bietet "Verbrechen" für den Laien einen interessanten Einblick in die kuriosen Fälle eines Anwalts, wobei jedoch jedem Leser klar sein sollte, dass diese nicht die Regelfälle sind, die einem vor deutschen Gerichten begegnen. Leider ist das Buch sehr dünn, so dass es nur ein kurzes Lesevergnügen bot.

Fazit:
Faszinierend durch den Bezug zur Realität
28.10.2009 14:21:39
Farin_Urlaub

Mitglied gelöscht

 

Nichts ist härter als die Realität

Diese These sah ich durch die Lektüre von Verbrechen des Münchner Anwalts Ferdinand von Schirach einmal mehr bestätigt. Die Fälle, mit denen sich der Strafverteidiger im Laufe seiner Karriere befassen musste, sind manchmal kurios, traurig oder einfach grausam. Für sein Erstlingswerk gibt er nun Einblick in seinen Alltag als Anwalt und erzählt seine größten Fälle quasi aus dem Nähkästchen. Um seine Geschichten vorzutragen hat er die Gattung Kurzgeschichte gewählt, was dem vorliegenden Band sehr guttut, da er wegen der Kürze der Geschichten gleich auf den Punkt kommt. Lange Schilderungen sind Schirachs Sache nicht und er schafft es, komplexeste Fälle auf 20 Seiten zu schildern, ohne dass man das Gefühl hat, es würden wichtige Komponenten fehlen.
Der Strafverteidiger erzählt nun unter anderem von einem Geschwisterpaar, bei dem die Schwester ihren Bruder aus Liebe tötet oder er beschreibt im Fall Tanatas Teeschale die Story eines Einbruchs, bei dem die titeltragende Teeschale entwendet wurde, und welche grausame Rache die an dem Einbruch Beteiligten ereilt. In Äthiopien gibt er dann die Geschichte eines Bankräubers zum Besten, dessen Schicksal sehr bewegend ist und der dann am Ende des Verfahrens zu seinem Lebensglück findet. All diese unfassbaren Verbrechen, 11 an der Zahl, erzählt Schirach aber sehr distanziert und lakonisch. Der Jurist schafft es, menschliche Schicksale und Geschichten in teils kürzesten Abschnitten zu entwerfen, was ich so von noch nicht vielen Kriminalautoren gelesen habe. Wie er in Interviews betont, gelingt im diese Authentizität schlicht und ergreifend dadurch, dass es nicht mehr und nicht weniger als die Wahrheit ist, die er in leicht abgeänderter Form niedergeschrieben hat.
Positiv ist zudem, dass Schirach nicht den Fehler begeht, seine Rolle angesichts der Fälle besonders herauskehren zu wollen, sondern er bleibt absolut sachlich und erwähnt die Rolle, die er während der Fälle spielte, nur in wenigen Sätzen. Man merkt ganz klar, dass es ihm nicht um seine eigene Person sondern um die titelgebenden Verbrechen geht.
Fazit: Selten hat mir ein Klappentext so aus der Seele gesprochen! Das Buch ist aufgrund seiner Kürze und seinem lakonischen Erzählstil sehr gelungen und bleibt mir nachdrücklich im Gedächtnis. Es ist wieder ein Beweis dafür, dass die spannendsten Geschichten noch immer das Leben schreibt!
07.11.2009 13:53:53
Mulle_B

Mulle_B

(10501 Beiträge)

Moin!:-)

Selten so viel Einigkeit über ein Buch, gelle!

Auch ich stimme ein und zu - diese Sammlung von Geschichten gehört zu meinen diesjährigen Highlights.

Truman Capote, für mich einer der Meister der Kurzgeschichte, meinte:
"Mein hartgesottener Ehrgeiz kann nicht ablassen von dieser Form. Nimmt man sie wirklich ernst, dann wird die Kurzgeschichte - das ist meine Meinung - zur schwierigsten aller Prosaformen, denn keine andere verlangt vom Autor soviel Disziplin."


Herr von Schirach beherrscht anscheinend nicht nur ein "Fach" - den Beruf des Juristen - sondern auch die "Königsdisziplin" beim Schreiben: mit wenig Worten soviel mehr zu sagen, als manch anderem mit dem Vielfachen nicht gelingt...

Dieses Buch ist ergreifend und was am Schönsten ist - es ist "übergreifend" - geeignet für alle Erwachsenen, egal welchen Geschlechts oder Alters oder welche Genres sonst bevorzugt gelesen werden.

Sehr zu empfehlen!:o)
08.11.2009 13:29:30
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