DIE TAUSCHBÖRSE

Der Weg des Falken

Autor:
Verlag:
Hoffmann und Campe
Jahr:
2013
Seitenzahl:
186
ISBN:
9783455403947
Medium:
Hardcover
Sprache:
Deutsch
Anbieter:
(327)

Artikel angeboten seit:
14.09.2017
Tickets:
1
Zustandsbeschreibung
Ganz leichte Gebrauchsspuren
Artikelbeschreibung
Der Falke ist ein freier Vogel, der seine Kreise am Himmel zieht und sich um irdische Grenzen, versperrte Wege und die Härten eines nomadischen Lebensstils nicht kümmert.
Was für die Menschen und Stämme, die seit Jahrhunderten ihren Lebensstil im Grenzgebiet zwischen Afghanistan, Pakistan und dem Iran pflegen, nicht in solcher Freiheit gilt.

Denn die Verhältnisse ändern sich. Von jetzt auf gleich. Grenzen werden gesperrt, Soldaten in Forts, die lange Zeit dem Schutz der Karawanen und der hin- und herziehenden Stämme dienten, richten nun die Waffen auf die Nomaden. Mit Folgen. Ungläubig nimmt sich eine der Frauen ein Herz und zieht mit einigen Gefährten und Kamelen voran. Ein Versuch, „einfach zu gehen“, der im Blei erstickt werden wird.
Nicht nur in dieser Szene wird deutlich, wie sehr das tradierte Leben und die kommende Moderne mit allen ihren auch politischen Verstrickungen beginnen, aufeinander zu. Eine Veränderung, welche die Stammesführer kaum wahrhaben wollen, der sie aber letztlich doch nur ohnmächtig gegenüber stehen. Eine Veränderung, die in kürzester Zeit die Herden, von denen die Stämme leben, zerstören wird. Und damit den gesamten gewohnten Lebensstil. Ohne Alternativen zu bieten.

„Kopf hoch, Vater“.
„Es war das erste Mal in seinem Leben als Sohn, dass er „den General“ so anredete“.
Mit flehendem Klang, dass doch der gebeugte und wie erloschen wirkende Vater wieder zu alter Stärke als Führer seines Stammes finden möge.
Eine raue und harte Welt, in der nicht nur das Nomadische, sondern auch noch alles andere weitgehend wie vor Jahrhunderten untereinander geregelt wird. Nicht nur, das „Dawa Khan“, ein weiterer der Stammesführer, seit Jahren bereits „alle Jahre wieder“ in einem bestimmten Dorf vorbeischaut, ob die Söhne eines derer, mit denen sein Clan in Fehde liegt, bereits „Hosen tragen“. Denn dann könnte er die beiden töten um die Ehre wieder herzustellen.
Das Buch beginnt bereits direkt mit der Erzählung dieser archaischen „Gerechtigkeit“. Ein Paar flieht, kommt unter den Schutz eines Hauptmannes, die Frau gebiert einen Sohn. Doch sicher werden sie nie sein, denn die Frau war bereits verheiratet und Ehemann und Vater der Frau werden nicht ruhen, diese Schmach zu tilgen. So wird der Geliebte die Mutter seines Kindes erschießen und selber mitten in der Wüste gesteinigt werden.

Am Lebensgang des zurückgelassen Jungen Tor Baz vollzieht Ahmad nun (mit vielen kleineren Nebenlinien) die Lebensart, die Traditionen, die „alten“ Härten und „neuen“ Schwierigkeiten des Lebens der „Menschen zwischen den Grenzen“ nach. Ahmad nutzt für diese Darstellung (entgegen mancher Vorurteile gegenüber Erzählern mit arabischen Wurzeln) in keiner Weise eine überladen und blumige Sprache. Gerade aber sein klarer Stil, seine prägnanten, nüchternen Bilder von Menschen und Landschaft, seine manchmal wie unbeteiligt wirkende Erzählweise (die Steinigung ist ein fast sachlicher, nicht dramatischer Vorgang) aber sind es, die diesem Buch seine große, erzählerische Kraft geben.

Mitten hinein versetzt er den Leser Kraft dieser Sprache und, durch die verschiedenen Stationen des Weges des Jungen in seinem Aufwachsen und Erwachsen werden, bietet Ahmad einen sehr breiten und vielfältigen Eindruck dieses ganz besonderen, alten Lebensstils und führt den Leser ebenso hinein in das Denken, die Selbstverständlichkeiten, auch die befremdlichen Härten der Menschen in diesem Gebiet.
Sprachlich und inhaltlich eine hervorragende, sehr zu empfehlende Lektüre, die mit präzisen, sparsamen Worten eine unbekannte und fremde Welt für den Leser öffnet.
Schlagworte
Afghanistan, Nomaden, Ehrenmord

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