DIE TAUSCHBÖRSE

Der ungetaufte Pope

Verlag:
List
Jahr:
1960
Seitenzahl:
190
Medium:
Taschenbuch
Sprache:
Deutsch
Anbieter:
(328)

Artikel angeboten seit:
24.12.2017
Tickets:
1
Zustandsbeschreibung
Gut
Artikelbeschreibung
Sawwas Vater, der reiche Kosak Petro Sacharowitsch, genannt Dukatsch, galt, als der Sohn noch nicht geboren war, als verwegen und streitsüchtig. Keinem im Dorf hatte er etwas Gutes getan. Mancher hatte von ihm beträchtliches Leid erfahren müssen.
Auch der Kinderlosigkeit seiner Ehe wegen hatte der Dukatsch seinen verwaisten Neffen Agap ins Haus genommen und ihm das Fürchten gelehrt. Noch als inzwischen 40 Jähriger hat Agap großen Respekt vor dem Onkel. Als der Dukatsch im Alter doch noch Vater wird, bedeutet er dem eingeschüchterten Neffen, nun sei es aus mit der großen Erbschaft. Agap darf der Pate des Neugeborenen werden, weil keiner in Paripsy dem Dukatsch diesen Gefallen tun will. Nun möchte der trotzige Dukatsch den neugeborenen Sohn nicht im Heimatdorf, sondern im acht Werst entfernten Nachbardorf Peregudy taufen lassen. Als Patin gewinnt der Dukatsch die Paripsyer Hebamme Christja Kerassiwna. Diese verheiratete Frau gilt als Hexe, weil sie einst, wie fast jeder im Dorf miterlebt hatte, ihren Gatten, den Kerassenko, durch einen Kobold genarrt und in einen Dämon verwandelt hatte. Die Hebamme kommt mit dem Peregudyer Popen Jerjoma, einem Schriftgelehrten, wie überhaupt mit Repräsentanten der Männerwelt, hervorragend zurecht. Also fahren Pate und Patin im Pferdeschlitten mit dem Neugeborenen zum Popen Jerjoma. Der Dukatsch hat – der Jahreszeit entsprechend – der Hebamme einen Mantel geschenkt, der mit einem weiten blauen Hasenpelz gefüttert ist. Darin geborgen, schlummert der Säugling am Busen der Hebamme. Als der Schlitten das Dorf verlässt, bewundern die Paripsyer Gaffer die mit Hasenfell weit aufgeschlagenen Ärmel jenes Mantels. Die Drei erreichen im Schneesturm Peregudy nicht, sondern bleiben in der Steppe in einer Wehe stecken.
Der äußerst besorgte Dukatsch macht sich auf die Suche und fällt dabei auf dem zugewehten Paripsyer Friedhof in ein ausgeschaufeltes Grab. Ohne Erfolg wieder daheim, muss der Dukatsch das Gejammer seiner abergläubischen Frau über sich ergehen lassen. Er müsse unbedingt gleich etwas gegen das Unglück, das dem Neugeborenen nun drohe, unternehmen: ein Lebewesen erschlagen und in das Grab werfen. Die Dukatschicha schlägt als solches Opfer ein Schaf vor. Der Dukatsch, ein erfahrener Jäger, erlegt am Rande der Steppe einen Hasen, so meint er. Die Schrotladung aber zerfetzt dem eingeschneiten Neffen Agap das Gesicht. Den Pelz der Hebamme auf der Schneewehe hatte der Schütze für einen Hasen gehalten. Die Anklage bei Gericht lautet auf Mord. Nach einem drei Jahre andauernden Gerichtsverfahren kommt der Dukatsch frei, weil sich die Paripsyer letztendlich für den Unglücklichen verwendet hatten.
Der Dukatsch tut fortan in einem Kloster Buße. Die Dukatschicha zieht derweil ihren kleinen Jungen solo auf. Die Hebamme hatte den Eltern weisgemacht, das Kind sei auf den Kosakennamen Sawwa getauft worden. Der Junge wird Pope. Jahre vergehen. Der Dukatsch stirbt. Im Alter von fünfunddreißig Jahren muss Sawwa erfahren, dass er nicht getauft wurde. Der Bischof in der Gouvernementshauptstadt weiß von den Verdiensten seines Untergebenen Sawwa. Da kommt Seiner Eminenz die Beichte der sterbenden Hebamme zupasse. Auf der Stirn des eingeschneiten Neugeborenen sei seinerzeit eine Schneeflocke geschmolzen. Die Hebamme habe mit dem Wassertröpfchen ein Kreuz auf dem Gesicht des Kindleins gezogen und den Taufspruch hergesagt.
Schlagworte
k.A.

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