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Jodi Picoult - Das Herz Ihrer Tochter
Beitrag
erstellt am
(20466 Beiträge)
Hier meine Rezension zum oben genannten Buch:
Leider konnte mich dieses Buch nicht überzeugen und ich musste es, nachdem ich mich mehrere Tage durch wenige Seiten gequält hab, nach 200 Seiten abbrechen. Die Leseprobe hatte mich etwas ganz anderes erwarten lassen als ich dann bekommen habe ... ich wollte die Kontroverse zwischen dem Leben der Tochter, dem Tod des Mörders und dem Zwiespalt der Mutter erfahren und miterleben. Doch stattdessen basiert 90% der Geschichte auf Religion, Glauben und Glaubenmachen ... für mich ein völliger Fehlgriff.
Leider konnte mich dieses Buch nicht überzeugen und ich musste es, nachdem ich mich mehrere Tage durch wenige Seiten gequält hab, nach 200 Seiten abbrechen. Die Leseprobe hatte mich etwas ganz anderes erwarten lassen als ich dann bekommen habe ... ich wollte die Kontroverse zwischen dem Leben der Tochter, dem Tod des Mörders und dem Zwiespalt der Mutter erfahren und miterleben. Doch stattdessen basiert 90% der Geschichte auf Religion, Glauben und Glaubenmachen ... für mich ein völliger Fehlgriff.
10.09.2009 08:48:46
Mitglied gelöscht
oh ich wills demnächst anfangen habs bei vorablesen gewonnen!
15.09.2009 09:38:41
(26548 Beiträge)
Ich hätte es gerne, falls es jemand abgeben möchte? *fg*
15.09.2009 09:51:24
(18959 Beiträge)
Hier meine Rezi:
Fesselnd geschrieben!
Es gibt in diesem Buch verschiedene Ich-Erzähler, die abwechselnd auftreten: June, Michael, Lucius und Maggie. Das kennt man ja schon von anderen Picoult-Büchern, z.B. "Beim Leben meiner Schwester". Dadurch erhält man gut Einblick in verschiedene Sichtweisen derselben Sache. Sehr schön kommen hier die Gedanken und Gefühle des jeweiligen Ich-Erzählers zum Ausdruck. Es fällt nicht schwer, sie nachzuvollziehen.
June hat durch einen Mord ihren 2. Ehemann und ihre Tochter Elizabeth verloren. Sie wurden scheinbar von Shay Bourne, der als Handwerker bei der Familie arbeitete, erschossen, das Mädchen vorher missbraucht. Kurz danach kommt ihr 2. Kind, Claire, zur Welt, allerdings mit einem kranken Herzen. Als Claire 11 Jahre alt ist, kann nur noch eine Herztransplantation helfen.
Michael, ein junger Student der als Geschworener geladen wurde, muss mitentscheiden, ob der Mörder hingerichtet werden soll oder nicht. Er tut sich sehr schwer damit und ist der letzte der 12 Geschworenen, der für die Todesstrafe stimmt. Doch er hat kein gutes Gefühl dabei. Nach dem Studium wird er Priester und in dieser Eigenschaft Shay Bournes Seelsorger im Todestrakt des Gefängnisses.
Lucius ist Bournes Zellennachbar im Gefängnis. Er hat AIDS, und es geht ihm schon ziemlich schlecht.
Als Bourne in den Todestrakt verlegt wird, kommt es hier zu diversen Wundern und Wunderheilungen. Das kennt man ja auch schon aus Picoults Roman "Die Wahrheit der letzten Stunde" (Die Autorin bringt auch eine Figur aus diesem Buch, nämlich Ian Fletcher, hierher mit.)
Maggie ist Anwältin für Menschenrechte. Sie möchte natürlich gerne die Todesstrafe abgeschafft sehen. Shay Bourne möchte allerdings sterben und nicht gerettet werden. Um noch etwas Gutes zu tun, möchte er Claire sein Herz spenden. Maggie kämpft dafür, dass er das tun kann.
Die Bücher von Jodi Picoult sind doch immer wieder eine schöne Diskussionsgrundlage. Sie bringt Themen auf, die nicht einfach abzuhandeln sind. In diesem Buch geht es vor allem um die Todesstrafe und um Religionen. Wobei die Religionen für meinen Geschmack einen viel zu großen Raum einnehmen. Nach dem Titel und dem Klappentext hatte ich eigentlich erwartet, dass das Hauptanliegen dieses Buches die Organspende ist bzw. die Zwickmühle, in der sich June befindet. Das hätte ich auch weitaus interessanter gefunden. Leider wird dieses Thema verhältnismäßig kurz abgehandelt. Stattdessen liest man über irgendwelche Evangelien, die nicht in die Bibel aufgenommen wurden, Shay Bourne kann scheinbar Wunder wirken und hat insgesamt sehr viel Ähnlichkeit mit Jesus. Als er hingerichtet werden soll, ist er 33 Jahre alt, er ist Zimmermann und gibt einige mystische Sätze aus einem gnostischen Evangelium von sich, obwohl er absolut ungebildet ist. Das ist mir persönlich alles zu abstrus, und doch hat mich dieses Buch gefesselt, nicht durch die Geschichte, sondern vor allem durch den typischen Erzählstil von Jodie Picoult.
Fesselnd geschrieben!
Es gibt in diesem Buch verschiedene Ich-Erzähler, die abwechselnd auftreten: June, Michael, Lucius und Maggie. Das kennt man ja schon von anderen Picoult-Büchern, z.B. "Beim Leben meiner Schwester". Dadurch erhält man gut Einblick in verschiedene Sichtweisen derselben Sache. Sehr schön kommen hier die Gedanken und Gefühle des jeweiligen Ich-Erzählers zum Ausdruck. Es fällt nicht schwer, sie nachzuvollziehen.
June hat durch einen Mord ihren 2. Ehemann und ihre Tochter Elizabeth verloren. Sie wurden scheinbar von Shay Bourne, der als Handwerker bei der Familie arbeitete, erschossen, das Mädchen vorher missbraucht. Kurz danach kommt ihr 2. Kind, Claire, zur Welt, allerdings mit einem kranken Herzen. Als Claire 11 Jahre alt ist, kann nur noch eine Herztransplantation helfen.
Michael, ein junger Student der als Geschworener geladen wurde, muss mitentscheiden, ob der Mörder hingerichtet werden soll oder nicht. Er tut sich sehr schwer damit und ist der letzte der 12 Geschworenen, der für die Todesstrafe stimmt. Doch er hat kein gutes Gefühl dabei. Nach dem Studium wird er Priester und in dieser Eigenschaft Shay Bournes Seelsorger im Todestrakt des Gefängnisses.
Lucius ist Bournes Zellennachbar im Gefängnis. Er hat AIDS, und es geht ihm schon ziemlich schlecht.
Als Bourne in den Todestrakt verlegt wird, kommt es hier zu diversen Wundern und Wunderheilungen. Das kennt man ja auch schon aus Picoults Roman "Die Wahrheit der letzten Stunde" (Die Autorin bringt auch eine Figur aus diesem Buch, nämlich Ian Fletcher, hierher mit.)
Maggie ist Anwältin für Menschenrechte. Sie möchte natürlich gerne die Todesstrafe abgeschafft sehen. Shay Bourne möchte allerdings sterben und nicht gerettet werden. Um noch etwas Gutes zu tun, möchte er Claire sein Herz spenden. Maggie kämpft dafür, dass er das tun kann.
Die Bücher von Jodi Picoult sind doch immer wieder eine schöne Diskussionsgrundlage. Sie bringt Themen auf, die nicht einfach abzuhandeln sind. In diesem Buch geht es vor allem um die Todesstrafe und um Religionen. Wobei die Religionen für meinen Geschmack einen viel zu großen Raum einnehmen. Nach dem Titel und dem Klappentext hatte ich eigentlich erwartet, dass das Hauptanliegen dieses Buches die Organspende ist bzw. die Zwickmühle, in der sich June befindet. Das hätte ich auch weitaus interessanter gefunden. Leider wird dieses Thema verhältnismäßig kurz abgehandelt. Stattdessen liest man über irgendwelche Evangelien, die nicht in die Bibel aufgenommen wurden, Shay Bourne kann scheinbar Wunder wirken und hat insgesamt sehr viel Ähnlichkeit mit Jesus. Als er hingerichtet werden soll, ist er 33 Jahre alt, er ist Zimmermann und gibt einige mystische Sätze aus einem gnostischen Evangelium von sich, obwohl er absolut ungebildet ist. Das ist mir persönlich alles zu abstrus, und doch hat mich dieses Buch gefesselt, nicht durch die Geschichte, sondern vor allem durch den typischen Erzählstil von Jodie Picoult.
17.09.2009 13:32:50
(2187 Beiträge)
Ich habe das Buch vor einiger Zeit auf Englisch gelesen (naja, zumindest bis zur Hälfte --- danach habe ich aufgegeben), und war total enttäuscht! Das ist sicherlich das bisher schlechteste Buch von Jodi Picoult ...
Meiner Meinung nach ist es bei ihr immer so ein bisschen "Hit and Miss" --- einige ihrer Bücher (so wie "19 Minuten", "Beim Leben meiner Schwester" oder "Die einfache Wahrheit") sind überragend gut ... andere - wie eben auch dieses - sind katastrophal schlecht ...
Meiner Meinung nach ist es bei ihr immer so ein bisschen "Hit and Miss" --- einige ihrer Bücher (so wie "19 Minuten", "Beim Leben meiner Schwester" oder "Die einfache Wahrheit") sind überragend gut ... andere - wie eben auch dieses - sind katastrophal schlecht ...
17.09.2009 18:11:47
Mitglied gelöscht
demnach brauch ich überhaupt kein schlechtes Gewissen zu haben wenn ich das Buch abbreche?!
17.09.2009 18:57:50
(3602 Beiträge)
Ich habe es heute abend erst angefangen (bin jetzt auf seite 50 oder so) und jetzt echt mal gspannt.
Bisher gefällt es mir ganz gut.
Bisher gefällt es mir ganz gut.
17.09.2009 22:58:34
(20466 Beiträge)
@ruhrpott: Meiner Meinung nach nicht, ich hab einige Rezis bei vorab überflogen und da waren mehrere dabei, die es abgebrochen haben - aber wie man an Lilli sieht, gibt es doch auch Leute, denen es gefallen hat :) Also durchquälen brauchst du dich nicht, aber anfangen sollte man es schon, wenn man es hat, vllt gefällts einem ja :)
18.09.2009 08:43:15
(7816 Beiträge)
Ich würde noch durchhalten *g*, die Diskussionen über Religion kannst du getrost überspringen, die letzten 100 Seiten sind wieder besser. Besonders Maggie und der nette Arzt, der hat so einen tollen Sarkasmus.
Aber hier meine Rezi, vielleicht hilft dir das ja, ich fand das Buch auch nicht so besonders.
Bekomme ich im Moment nicht gepostet - irgendwelche ungültige Zeichen, die ich nicht ordnen kann.
Aber hier meine Rezi, vielleicht hilft dir das ja, ich fand das Buch auch nicht so besonders.
Bekomme ich im Moment nicht gepostet - irgendwelche ungültige Zeichen, die ich nicht ordnen kann.
19.09.2009 15:56:35
(7816 Beiträge)
Nach Neunzehn Minuten, ein bewegender und höchst zeitgemäßer Roman über den Amoklauf an einer Schule, so der Klappentext, hier nun das neueste Werk von Jodi Picoult. Wieder packt sie brisante Themen an, die Todesstrafe und die Organspende. Und nicht zu vergessen der Glaube. Der christliche Glaube, der jüdische Glaube, das Thomasevangelium, hier werden sie alle vorgestellt, miteinander verglichen und endlos darüber diskutiert. Kann sie damit an ihren Erfolg anknüpfen? Ganz eindeutig nein, kann sie nicht, das Buch ist eine Mogelpackung, wenn man es nach dem Klappentext kaufen würde.
Das Buch ist sehr unrealistisch. Shay Bourne wird verurteilt, weil er June Nealons Tochter Elisabeth und ihren Mann Kurt umgebracht hat. 11 Jahre später will er sein Herz, nachdem er hingerichtet wurde, Junes Tochter Clare, die schwer herzkrank ist und auf ein Spenderherz wartet, spenden. Wiedergutmachung? Schuldgefühle? Das würde doch nur am Opfer direkt funktionieren, und die Opfer sind zu Asche geworden. Und war überhaupt Shay der Schuldige? Obwohl er schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt wurde, hat Shay die Morde nie direkt zugegeben, er war in seinem eigenen Prozess nie im Zeugenstand.
Anfangs wird nie gefragt, ob ein Männerherz überhaupt in einen Kinderkörper passt. Und was ist mit der Verträglichkeit, wie Blutgruppe und was halt noch alles übereinstimmen muss? Nie wird das in Frage gestellt, gefragt wird nur, ob June das Herz annehmen würde. Aber hat sie das zu bestimmen? Und hat Clare da nicht auch noch mitzureden? Oder gibt es vielleicht noch andere Spender, zu denen das Herz besser passen könnte? Wer entscheidet denn schlussendlich, wer eine Organspende bekommt? Fragen über Fragen, sie tauchen im ganzen Buch immer wieder auf und hinterlassen ein etwas mulmiges Gefühl. Man wundert sich über June und Clare, dass es ihnen so wichtig ist, wer der Spender ist. Will Clare wirklich lieber sterben, als das Herz des Mörders ihrer Schwester zu nehmen?
Man erfährt auch nie, wovon die beiden überhaupt leben. Clare ist schwer krank und June ist immer an ihrer Seite, zuhause und auch im Krankenhaus. Aber über ihr Einkommen wird nie geredet.
Die Wandlung Shays ist auch nicht nachvollziehbar. Wird er bei der Verurteilung noch als in seiner Entwicklung zurückgeblieben geschildert, so kann er elf Jahre später Wunder vollbringen und geistreich über Gott und die Welt diskutieren. Die Geschehnisse in dem Hochsicherheitstrakt passen auch nicht zu dem eigentlich ernsthaften Thema, sie machen das Buch unglaubwürdig und lächerlich. Diese kleinen angeblichen Wunder passen einfach nicht in die Geschichte, für nicht alle gibt es hinterher eine logische Erklärung. Shay wird als der wieder auferstandene Messias gefeiert, Menschen pilgern zum Gefängnis, um sich heilen zu lassen. Man denkt sofort an Scharlatane und die anderen angeblichen Wunder, die zu Pilgerstätten geworden sind. Leider lenkt das alles von den eigentlichen Themen, die durchaus diskussionswürdig sind, ab und bringt eine ungewollte lächerliche Stimmung ein.
Besonders interessant ist die Sicht des ehemaligen Geschworenen in Shays Prozess und jetzigen Priesters, Michael, der sich für Shay einsetzt. Hat er damals gegen sein Gewissen der Todesstrafe zugestimmt? Und sind die Menschen, die die Todesstrafe verhängen, auch Mörder? Sind sie vielleicht gar nicht mal besser, als die, die verurteilt wurden und im Gefängnis sitzen? Und was macht einen Menschen zum Mörder? Das und die Philosophie der Religion sind die Knackpunkte des Romans, sie regen zum eigenen Nachdenken an und werden einfühlsam eingebracht.
Aber trotzdem, der Hauptteil des Buches handelt von Religion. Christen, Juden, Atheisten, Agnostiker, alle kommen zu Wort und man erfährt auf seitenlangen Diskussionen die Unterschiede. Genauso seitenlang wird über die Religion philosophiert, über den Glauben, die Vergebung und ob man um jeden Preis verzeihen sollte. Das Thomasevangelium wird detailliert vorgestellt und durchdiskutiert, nach der Lektüre weiß auch jeder Leser, was ein Agnostiker denn nun genau ist. Selbst in den Namen schlägt sich die Religion und Jesus wieder, Shay heißt eigentlich Isaiah Matthew Bourne, I.M. Bourne,gesprochen I am born, der Priester heißt Michael, Shay ist aufgewachsen in Bethlehem und der Commissioner, der für die Hinrichtung zuständig ist heißt Joe Lynch.
Die Sichtweise wechselt ständig, jedes Kapitel wird von einer anderen Person erzählt. Das ist besonders interessant, da man so Einsicht in die Denkweisen fast aller handelnden Personen bekommt, abgesehen vom Mörder.
Das Ende birgt noch einige Überraschungen, aber manche kann man auch schon von Anfang an erahnen. Shay wird viel zu schnell verurteilt, die Fakten sprechen gegen ihn, aber er wird nie angehört. Eine ziemliche Verkettung unglücklicher Umstände.
Der Einblick in den Prozess der Todesstrafe ist höchst interessant, man erfährt, wie sie abläuft und wer alles daran beteiligt ist. Es sagt sich alles so leicht, einen Menschen zum Tode verurteilen, aber wie fühlen sich diejenigen anschließend, die zum Tode verurteilt haben? Was empfinden die Angestellten, die die Todesstrafe vollstrecken müssen? Ist es wirklich die gerechtere Strafe, als lebenslänglich im Gefängnis zu sitzen? Man bekommt auch genaue Einblicke über das Leben der Häftlinge im Hochsicherheitstrakt, einfach ist es dort bestimmt nicht. Und nach Statistiken im Buch kostet der Vollzug der Todesstrafe dreimal so viel wie lebenslängliches Einsitzen. Man kann nur hoffen, dass nach dem Lesen die Diskussion über die Todesstrafe wieder in Gang kommt, immerhin wird sie in einigen Staaten der USA ja noch vollzogen und als Strafmöglichkeit in Betracht gezogen.
Ein Plädoyer für Vergebung und ein gehöriger Anstoß zur Diskussion der Todesstrafe. Wer allerdings nach dem Klappentext eine rührende Geschichte erwartet, der sollte hier nicht zugreifen, denn das Thema ist eher zweitrangig. Wer sich aber gerne genauer über Religion informieren möchte und Spaß an philosophischen Diskussionen hat, mit ein bisschen Brisanz und aktuellen Themen dazwischen, für den ist das genau das Richtige. Leider hat Jodi Picoult mit einigen Themen gehörig übertrieben, das Buch schweift vom eigentlichen Inhalt ziemlich ab und man hat ständig das Gefühl, mit aller Gewalt bekehrt zu werden. Gewohnt gut geschrieben ist es auf jeden Fall, aber durch den seelsorgerischen Ansatz auch ziemlich langatmig.
Das Buch ist sehr unrealistisch. Shay Bourne wird verurteilt, weil er June Nealons Tochter Elisabeth und ihren Mann Kurt umgebracht hat. 11 Jahre später will er sein Herz, nachdem er hingerichtet wurde, Junes Tochter Clare, die schwer herzkrank ist und auf ein Spenderherz wartet, spenden. Wiedergutmachung? Schuldgefühle? Das würde doch nur am Opfer direkt funktionieren, und die Opfer sind zu Asche geworden. Und war überhaupt Shay der Schuldige? Obwohl er schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt wurde, hat Shay die Morde nie direkt zugegeben, er war in seinem eigenen Prozess nie im Zeugenstand.
Anfangs wird nie gefragt, ob ein Männerherz überhaupt in einen Kinderkörper passt. Und was ist mit der Verträglichkeit, wie Blutgruppe und was halt noch alles übereinstimmen muss? Nie wird das in Frage gestellt, gefragt wird nur, ob June das Herz annehmen würde. Aber hat sie das zu bestimmen? Und hat Clare da nicht auch noch mitzureden? Oder gibt es vielleicht noch andere Spender, zu denen das Herz besser passen könnte? Wer entscheidet denn schlussendlich, wer eine Organspende bekommt? Fragen über Fragen, sie tauchen im ganzen Buch immer wieder auf und hinterlassen ein etwas mulmiges Gefühl. Man wundert sich über June und Clare, dass es ihnen so wichtig ist, wer der Spender ist. Will Clare wirklich lieber sterben, als das Herz des Mörders ihrer Schwester zu nehmen?
Man erfährt auch nie, wovon die beiden überhaupt leben. Clare ist schwer krank und June ist immer an ihrer Seite, zuhause und auch im Krankenhaus. Aber über ihr Einkommen wird nie geredet.
Die Wandlung Shays ist auch nicht nachvollziehbar. Wird er bei der Verurteilung noch als in seiner Entwicklung zurückgeblieben geschildert, so kann er elf Jahre später Wunder vollbringen und geistreich über Gott und die Welt diskutieren. Die Geschehnisse in dem Hochsicherheitstrakt passen auch nicht zu dem eigentlich ernsthaften Thema, sie machen das Buch unglaubwürdig und lächerlich. Diese kleinen angeblichen Wunder passen einfach nicht in die Geschichte, für nicht alle gibt es hinterher eine logische Erklärung. Shay wird als der wieder auferstandene Messias gefeiert, Menschen pilgern zum Gefängnis, um sich heilen zu lassen. Man denkt sofort an Scharlatane und die anderen angeblichen Wunder, die zu Pilgerstätten geworden sind. Leider lenkt das alles von den eigentlichen Themen, die durchaus diskussionswürdig sind, ab und bringt eine ungewollte lächerliche Stimmung ein.
Besonders interessant ist die Sicht des ehemaligen Geschworenen in Shays Prozess und jetzigen Priesters, Michael, der sich für Shay einsetzt. Hat er damals gegen sein Gewissen der Todesstrafe zugestimmt? Und sind die Menschen, die die Todesstrafe verhängen, auch Mörder? Sind sie vielleicht gar nicht mal besser, als die, die verurteilt wurden und im Gefängnis sitzen? Und was macht einen Menschen zum Mörder? Das und die Philosophie der Religion sind die Knackpunkte des Romans, sie regen zum eigenen Nachdenken an und werden einfühlsam eingebracht.
Aber trotzdem, der Hauptteil des Buches handelt von Religion. Christen, Juden, Atheisten, Agnostiker, alle kommen zu Wort und man erfährt auf seitenlangen Diskussionen die Unterschiede. Genauso seitenlang wird über die Religion philosophiert, über den Glauben, die Vergebung und ob man um jeden Preis verzeihen sollte. Das Thomasevangelium wird detailliert vorgestellt und durchdiskutiert, nach der Lektüre weiß auch jeder Leser, was ein Agnostiker denn nun genau ist. Selbst in den Namen schlägt sich die Religion und Jesus wieder, Shay heißt eigentlich Isaiah Matthew Bourne, I.M. Bourne,gesprochen I am born, der Priester heißt Michael, Shay ist aufgewachsen in Bethlehem und der Commissioner, der für die Hinrichtung zuständig ist heißt Joe Lynch.
Die Sichtweise wechselt ständig, jedes Kapitel wird von einer anderen Person erzählt. Das ist besonders interessant, da man so Einsicht in die Denkweisen fast aller handelnden Personen bekommt, abgesehen vom Mörder.
Das Ende birgt noch einige Überraschungen, aber manche kann man auch schon von Anfang an erahnen. Shay wird viel zu schnell verurteilt, die Fakten sprechen gegen ihn, aber er wird nie angehört. Eine ziemliche Verkettung unglücklicher Umstände.
Der Einblick in den Prozess der Todesstrafe ist höchst interessant, man erfährt, wie sie abläuft und wer alles daran beteiligt ist. Es sagt sich alles so leicht, einen Menschen zum Tode verurteilen, aber wie fühlen sich diejenigen anschließend, die zum Tode verurteilt haben? Was empfinden die Angestellten, die die Todesstrafe vollstrecken müssen? Ist es wirklich die gerechtere Strafe, als lebenslänglich im Gefängnis zu sitzen? Man bekommt auch genaue Einblicke über das Leben der Häftlinge im Hochsicherheitstrakt, einfach ist es dort bestimmt nicht. Und nach Statistiken im Buch kostet der Vollzug der Todesstrafe dreimal so viel wie lebenslängliches Einsitzen. Man kann nur hoffen, dass nach dem Lesen die Diskussion über die Todesstrafe wieder in Gang kommt, immerhin wird sie in einigen Staaten der USA ja noch vollzogen und als Strafmöglichkeit in Betracht gezogen.
Ein Plädoyer für Vergebung und ein gehöriger Anstoß zur Diskussion der Todesstrafe. Wer allerdings nach dem Klappentext eine rührende Geschichte erwartet, der sollte hier nicht zugreifen, denn das Thema ist eher zweitrangig. Wer sich aber gerne genauer über Religion informieren möchte und Spaß an philosophischen Diskussionen hat, mit ein bisschen Brisanz und aktuellen Themen dazwischen, für den ist das genau das Richtige. Leider hat Jodi Picoult mit einigen Themen gehörig übertrieben, das Buch schweift vom eigentlichen Inhalt ziemlich ab und man hat ständig das Gefühl, mit aller Gewalt bekehrt zu werden. Gewohnt gut geschrieben ist es auf jeden Fall, aber durch den seelsorgerischen Ansatz auch ziemlich langatmig.
19.09.2009 15:59:12

