Autor:
Verlag:
Luebbe Verlagsgruppe
Jahr:
1988
Seitenzahl:
680
ISBN:
9783404012893
Medium:
Taschenbuch
Sprache:
Deutsch
Zustandsbeschreibung
Vergilbt
Artikelbeschreibung
Kein Originalbild,neuere Ausg.
Der gute Unterhaltungsroman ist schon immer ein Sorgenkind der deutschen Literatur gewesen. Von den Engländern könnten viele unserer Autoren lernen, daß ein guter Schriftsteller besser ist als ein mißglückter Dichter. Deeping, Cronin und Forester sind Exponenten geschliffener Unterhaltung. Die Schweizer Literatur hat sich mit Knittel, die amerikanische mit Bromfield oder Margret Mitchell (um nur zwei herauszugreifen) ebenfalls als kompetent für die meisterhafte Unterhaltung erwiesen. An diesen Beispielen gemessen, bleiben uns die deutschen Schriftsteller manches schuldig.
*
Zu den wenigen Ausnahmen gehört Horst Wolfram Geissler. „Der liebe Augustin“ hat sich mit innigem Lächeln durch die Publikationsflut weit nach vorn geschlängelt und wird begehrt bleiben, solange noch Menschen nicht zu tiefe, aber ehrliche Besinnung schätzen.
Ob das neue Werk Geisslers – Alles kommt zu seiner Zeit – (Franz Ehrenwirt Verlag, München) die gleiche Leserliebe erfährt, ist nicht so sicher. Das sind fast 800 Seiten einer gewiß gekonnten Plauderei, manchmal sogar in beachtlicher Nähe der Meisterschaft, aber stets von Gefühlen wieder abgetrieben.
„Sieh da, vom Lindenast schaute eine kleine Blaumeise herunter“ – in diesem Satz liegt Geissler geschlossen. Seine Gestalten sind herzlich gezeichnet, nennenswerte Konflikte werden umgangen und selbst dort, wo sich gelegentlich Schatten nicht vermeiden lassen, klingt ein stiller Jubel über den ziselierten Bau schöner Worte durch. So entsteht die Atmosphäre des Heimeligen, Altvertrauten. Die Hauptfigur dieses Buches ist eine Amerikanerin namens Mary Beöthy, die den Zauberer Cagliostro leiratet. Der heißt eigentlich Baron von Stegen. Cagliostro hat sich in Südamerika ein Vermögen erzaubert. Da also keine finanziellen Schwierigkeiten bestehen, kommt es nur darauf an, daß Mary den widerspenstigen Weltenbummler zähmt. Ihr Geschick auf diesem Gebiete ist meisterhaft. Zum Schluß des Romans gibt’s Zwillinge, die endliche Heirat und der Kauf eines Bauernhofes. Alle übrigen Gestalten: der philosophische Waffenschieber Dr. Bertram, Halbbauer Tonio, die beiden Kunststudenten und Manager Wu bleiben Randfiguren. Wirklich schön ist jedoch die Schilderung einer Gespensterentlarvung auf dem Schloß einer Herzogin, ein Kapitel, das aus der Feder von Musset stammen könnte.
Der gute Unterhaltungsroman ist schon immer ein Sorgenkind der deutschen Literatur gewesen. Von den Engländern könnten viele unserer Autoren lernen, daß ein guter Schriftsteller besser ist als ein mißglückter Dichter. Deeping, Cronin und Forester sind Exponenten geschliffener Unterhaltung. Die Schweizer Literatur hat sich mit Knittel, die amerikanische mit Bromfield oder Margret Mitchell (um nur zwei herauszugreifen) ebenfalls als kompetent für die meisterhafte Unterhaltung erwiesen. An diesen Beispielen gemessen, bleiben uns die deutschen Schriftsteller manches schuldig.
*
Zu den wenigen Ausnahmen gehört Horst Wolfram Geissler. „Der liebe Augustin“ hat sich mit innigem Lächeln durch die Publikationsflut weit nach vorn geschlängelt und wird begehrt bleiben, solange noch Menschen nicht zu tiefe, aber ehrliche Besinnung schätzen.
Ob das neue Werk Geisslers – Alles kommt zu seiner Zeit – (Franz Ehrenwirt Verlag, München) die gleiche Leserliebe erfährt, ist nicht so sicher. Das sind fast 800 Seiten einer gewiß gekonnten Plauderei, manchmal sogar in beachtlicher Nähe der Meisterschaft, aber stets von Gefühlen wieder abgetrieben.
„Sieh da, vom Lindenast schaute eine kleine Blaumeise herunter“ – in diesem Satz liegt Geissler geschlossen. Seine Gestalten sind herzlich gezeichnet, nennenswerte Konflikte werden umgangen und selbst dort, wo sich gelegentlich Schatten nicht vermeiden lassen, klingt ein stiller Jubel über den ziselierten Bau schöner Worte durch. So entsteht die Atmosphäre des Heimeligen, Altvertrauten. Die Hauptfigur dieses Buches ist eine Amerikanerin namens Mary Beöthy, die den Zauberer Cagliostro leiratet. Der heißt eigentlich Baron von Stegen. Cagliostro hat sich in Südamerika ein Vermögen erzaubert. Da also keine finanziellen Schwierigkeiten bestehen, kommt es nur darauf an, daß Mary den widerspenstigen Weltenbummler zähmt. Ihr Geschick auf diesem Gebiete ist meisterhaft. Zum Schluß des Romans gibt’s Zwillinge, die endliche Heirat und der Kauf eines Bauernhofes. Alle übrigen Gestalten: der philosophische Waffenschieber Dr. Bertram, Halbbauer Tonio, die beiden Kunststudenten und Manager Wu bleiben Randfiguren. Wirklich schön ist jedoch die Schilderung einer Gespensterentlarvung auf dem Schloß einer Herzogin, ein Kapitel, das aus der Feder von Musset stammen könnte.
Schlagworte
k.A.
Kategorie
Diese Artikel könnten Sie auch interessieren
Christine Feehan
Tickets:
2







